Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1931
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Credit: Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
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![Obwohl beide Funktionskurven parabolisch verlaufen, darf man kleinere Stücke derselben als gerade Linien nehmen, da in diesen Abschnitten ein kon¬ stantes Verhältnis zwischen Brechungszunahme und Viscositätszunahme besteht. Alle überhaupt möglichen Albumin-Globulinmischungen müssen daher auf einer Geraden liegen, welche die Albumin- und Globulinkurven verbindet. Ist refraktometrisch z. B. die Skaleneinheit 60 (= 8,28°/0 Eiweiß) festgestellt, so hätten vir bei einem Serumviscositätswert von 1,55 eine reine Albuminlösung vor uns, weil der ß^-Punkt auf der Albuminkurve liegt. (Praktisch kann das nie Vorkommen, weil stets beide Kolloide da sind.) Betrüge der ?pWert aber 1,70, so hätten wir 75 Albumin und 25 Globulin, bei i] = 1,85 wären es 50% jeden Kolloides und bei rj = 2,15 100% Globuline. Autor Fibrinogen Albumin zu Globulin Prozente des Gesamt- Serumeiweiß Eiweiß Hammarsten . . . 1,5 : 1 60 : 40 Lewinsky .... — 1,39 : 1 bis 2,13 : 1 58 : 42 bis 68 : 32 — Joachim . — 53 : 47 bis 70 : 30 — Hoffmann .... — — 65 : 35 bis 72 : 28 — Me Lester .... 0,25 bis 0,4% — — — Starlinger (1928) Norm 0,25 % 2 : 1 5% Alb., 2,5% Glob. — pathologisch Spuren bis 1,4% Globuline 0,5 bis 7%%, Albumine 1 bis 7%% 31/2 bis über 12% Die von mir vorgeschlagene, seit 1912 klinisch und prognostisch verwertete kombinierte Refraktometrie und Viscosimetrie bringt uns also die Ablesung der Albumin- und Globulinwerte und damit eine klinisch sehr wichtige Größe. Unsere Untersuchungen (Alder) an Normalen ergeben nach der kombi¬ nierten Refraktometrie-Viscosimetrie: 54,0—64,1 PiTLFRiCHsche Einheiten == 7,0—9,l°/0 Eiweiß. Dabei lagen die Viscositätswerte zwischen 1,55—1,90. Fast stets erhielten wir also 20—40% Globuline und 60—80% Albumine. In der Folgezeit hat es sich nun freilich herausgestellt, daß bei schweren Krankheiten die Ablesung nach dieser Tabelle nicht mehr mit den Wägungs- methoden übereinstimmt und zweifellos gelegentlich nicht mehr richtig ist, indem man über 100% Globuline erhalten kann. Manche Autoren wollten daher die Methode ablehnen, obwohl sie mir in Tausenden von Untersuchungen höchst wertvolle diagnostische und prognostische Ergebnisse und wohl nie irrige Beurteilungen ergeben hatte. Die Lösung ist nun darin gefunden, daß bei schweren Krankheiten die Zusammensetzung der Globuline, besser der grob dispersen Eiweißkörper, sich stark von der Norm entfernen kann: es treten viel mehr Euglobuline auf, die weit stärkere Viscosität aufweisen. So ist nach Handowsky der Viscositätszuwachs für eine l%ige Lösung für Albu¬ mine 0,08, für Pseudoglobuline aber 0,12 und für Euglobuline 0,21. Wir können also z. B. für schwere Infektionen nach der RoHRERschen Tabelle keinen Prozentsatz für Globuline mehr angeben, sondern ich möchte vom ,,Globulinwert“ ( = Auswirkung der verschiedenen Globuline) reden. Der Wert ist also überhöht, aber gerade diese Übertreibung ist für den Kliniker praktisch enorm wichtig. Sie macht ihn aufmerksam auf das Auftreten dieser gröber dispersen Globuline, besonders auf die Euglobulinzunahme und gibt einen durch keine andere Methode wohl so leicht und doch genügend sicher nachweis¬ baren Einblick. Der Fehler der Methodik macht erst auf die starke biologische Abweichung aufmerksam. Daraus erklärt sich auch die außerordentliche Brauch¬ barkeit dieser Untersuchung für die Klinik, die ich immer und immer hervor¬ heben muß.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928813_0072.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)