Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1931
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Credit: Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
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![Verhältnisse in Betracht. Daher geht auch ein Teil der Zellen schon bei geringer Isotonie- differenz zugrunde, während andere erst stärkeren Veränderungen zum Opfer fallen. Man kann aus solchen Untersuchungen an R. auch nicht indirekt auf die osmotische Konzen¬ tration des Blutplasmas schließen. Zudem geben alle diese Methoden nur Anhaltspunkte über das Verhalten gegen Salzlösungen. So mag die Widerstandskraft diesen gegenüber normal sein, während bei mechanischen Schädigungen (Schütteln) oder Stauungen im Organismus doch eine abnorme Vulnerabilität der R. nachgewiesen werden kann. Technik der Resistenzbestimmung. Die übliche Bestimmung benützt eine Reihe von unten spitz zulaufenden Glasröhrchen von steigendem NaCl-Gehalt, in die man 1—2 Tropfen Blut hineinfallen läßt, dann leicht aufschüttelt und sedimentieren läßt. Man stellt sich durch Abwägen auf der chemisch-analytischen Waage Kochsalzlösungen von 0,26, 0,28, 0,30, 0,32 usw. bis 0,70% her und füllt die Glasröhrchen. Nach einigen Stunden erkennt man, wo Hämolyse eingetreten ist und wo nicht. Auch sieht man die erste Bildung des Sedimentes: untere Resistenzgrenze == Maximumresistenz und die obere Resistenzgrenze = Minimumresistenz, wo nur ganz wenige R. sich aufgelöst haben. Zur sicheren Erkennung des Grenzwertes kann man ein Spektroskop benutzen. Noch besser ist die chemische Prüfung auf Hb. Normal hegt die untere Resistenzgrenze (Maximumresistenz) bei 0,30—0,32, die obere Resistenzgrenze (Minimumresistenz) zwischen 0,42 und 0,46. Richtiger ist das Arbeiten mit äquilibrierten Salzlösungen (Hamburger [1928]), weil in reinen Kochsalzlösungen Salze aus den R. austreten, und Lipoide, und dadurch Veränderungen entstehen, die auf die Resistenz Einfluß haben. Leider ist die Herstellung dieser äquilibrierten Salzlösungen ziemlich kompli¬ ziert. Hamburger empfiehlt daher jetzt als viel geeigneter eine 3,15% Na2S04- Lösung, je 10 ccm und dazu 0,2 g Erythrocytenaufschwemmung (gewaschene R.). Die Methode von Simmel ist prinzipiell noch besser als die neuen Modi¬ fikationen von Hamburger, da sie alle Salze des Serums für die Isotomie enthält. Die äquilibrierte Lösung von Simmel enthält 8,2 g NaCl, 0,2 KCl, 0,2 MgCl2, 0,2 CaCl2, 0,1 NaH2 P04, 0,05 NaHCOs im Liter. — Diese Lösung gilt als Einheit (1,0), und es werden jetzt mit H20 Verdünnungen auf 0,7, 0,6, 0,5, 0,4, 0,3, 0,2 hergestellt. Aus der Fingerbeere wird mit R-Pipetten Blut aufgenommen und mit den Lösungen verdünnt, Schütteln, Liegenlassen bei Zimmertemperatur. — Nach % Stunde ist Konstanz erreicht und können die erhalten gebliebenen R. gezählt werden. Dies ist das Prinzip von Hamburger und Limbeck, das man als ,, Blutkörperchen - methode“ bezeichnet. Bei der sog. ,,Zählmethode“ (Chanel, Janowsky) bestimmt Ja- nowsky bei einer Verdünnung von 1/20o mit der Mischpipette, wieviel R. nach 10 Min. in der THOMA-ZEissschen Kammer intakt bleiben, wenn sie mit NaCl-Lösungen von 0,4, 0,35 und 0,3 gemischt worden sind. Lang schlägt vor, zuerst eine Verdünnung mit 0,4% NaCl-Lösung vorzunehmen, dann so lange aus einer Bürette 0,2°/0ige Lösung zuzusetzen, bis die Flüssigkeit durchsichtig ist (Schriftprobe: Snellen D—0,6). Es wird so die Plurimum- resistenz ermittelt, die wichtiger als die beiden anderen Resistenz werte sein soll. Um den Einfluß des Serums (Plasmas) auszuschalten, werden die zur Prüfung kom¬ menden R. vorher 2—3mal gewaschen. Nach Snapper verwendet man eine Mischung von 0,9% NaCl und 0,1% CaCl2. Eine andere Methode verwendet Na. oxal. 0,28, NaCl 0,8, Aq. dest. 100,0, darauf Zentrifugieren und Dekantieren, sodann noch 2mal Waschen in 0,9% NaCl-Lösung. Physiol. NaCl-Lösung ist nicht empfehlenswert, erweicht die R.-Ober¬ fläche (Brinkmann). Ungewaschen sind die R. mitunter resistenter. Das Serum ist in pathologischen Fällen in seinem Einfluß verschieden wirksam. Auch empfehlen manche, vor dem Auswaschen das Blut zu defibrinieren durch Aus¬ schütteln mit Glasperlen. Itami und Pratt verwenden mit Glasperlen defibriniertes Blut, schütteln tüchtig und setzen dann das Gemisch 24 Stunden in den Eisschrank. Bauer](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928813_0078.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)