Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1931
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Credit: Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
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![u. Aschner, sowie Brieger bestimmen die eingetretene Hämolyse quantitativ mit dem AuTENRiETHSchen Colorimeter, und glauben so bessere Ergebnisse zu erhalten. Außer der osmotischen Resistenz ist für besondere Fragen eine Prüfung der mechanischen Resistenz angezeigt, wobei gewaschene R. im Schüttelapparat beim Schütteln mit Perlen auf Widerstandsfähigkeit untersucht werden. Ferner läßt sich eine Prüfung auf thermische Resistenz, dann auf Widerstand gegenüber hämolytischen Giften, z. B. Saponin, vornehmen; doch ist bei all diesen Methoden kaum etwas klinisch Verwertbares herausgekommen. Neuere Autoren versuchen die „Resistenz’‘ gegen andere Substanzen zu ermitteln, z. B. gegen N/4NaOH-Lösung (Kettler), gegen Ammoniaklösungen oder Methylenblau (Beltz). Ergebnisse der Resistenzprüfungen. Bei Gravidität fand Schaffer Resistenzerhöhung gegen Jod-Jodkalilösungen. Strasser u. Neumann berichten über Resistenzzunahme auf Eisen und echte Er¬ höhung der Protoplasmaresistenz unter Arsen. Ähnliches wird auch von anderen Autoren angegeben. Die Zunahme der Resistenz unter Arsen bestreitet aber Thiele. Junge R. sind resistenter als ältere (Snapper). Erwiesen ist das durch die Resistenz Steigerung nach Milzexstirpation, nach der das Knochenmark viel aktiver arbeitet und junge Zellen ins Blut übertreten läßt, sodann bei allen stärker aktiven Prozessen des Knochenmarks. Interessant ist die enorme Resistenzerhöhung von Morawitz und Pratt, Itami und Pratt, Hanna Hirschfeld, Rosenthal bei experimenteller Blutgiftanämie (Phenylhydrazin). Dieselbe ging allmählich so weit, daß selbst reines Wasser R. nicht mehr löste. Dabei waren nicht neue Knochenmarkselemente, sondern die zirkulierenden Zellen verändert. Gewaschene R. verhielten sich gleich. Am meisten stieg die osmotische Resistenz, aber nur für wenige Tage, und besonders die Maximumresistenz, weniger die Widerstandsfähigkeit gegen artfremdes Serum und Saponin, Äther, Chloroform, Kobragift. Es handelt sich dabei um eine starke Vermehrung der Stromabestandteile, da das Sedi¬ ment des lackfarbenen Blutes bis zehnmal höher war als normal: Pachydermie der R. Gleich¬ zeitig ist die Agglutination der Zellen erhöht. Rosenthal sah, daß erhöhte osmotische Resistenz und Stromavermehrung zwar oft miteinander Vorkommen, aber nicht immer, und zwei voneinander unabhängige Prozesse darstellen. Er konnte auch in vitro die Stromasedimentvermehrung nachweisen, so daß also kein biologischer Prozeß vorliegt, sondern eine unmittelbare Gift Wirkung auf die Erythro- cyten. Eine Lipoidvermehrung fand nicht statt. Pappenheim konnte zeigen, daß die Ursache in der Bildung intracellulärer Körper, „Heinzkörperbildung“ gelegen ist und einen nekrobiotischen Vorgang darstellt. Gerade diese Versuche zeigen, daß Resistenzprüfungen unter krankhaften Verhält¬ nissen nicht rein osmotische oder lipolytische Fragen berühren. Wichtig ist die Prüfung der osmotischen Resistenz bei konstitutioneller hämolytischer Anämie (mit oder ohne Ikterus und mit oder ohne Milzschwellung). Hier ist die von Chatjffard entdeckte Resistenzabnahme einer der wichtig¬ sten diagnostischen Befunde, so daß man geglaubt hat, in dieser krankhaften Eigenschaft geradezu das Wesen der Affektion zu sehen. Heute wissen wir, daß die Sache so einfach nicht liegt (s. später), und daß es unzweifelhafte Fälle, selbst in derselben Familie, gibt, mit normaler Resistenz. Da die hämolytischen Anämien so oft mit Ikterus einhergehen, so ist die Tatsache von Bedeutung, daß Stauungsifderus die Resistenz steigert (Chanel [1880], Vaquez, Stratjss, Limbeck, Sandaya usw. eine bei allen Untersuchungen bestätigte Tatsache. Milzexstirpation bei hämolytischer Anämie ändert trotz des großen klinischen Erfolges und der Beseitigung der Blutarmut und der eintretenden Hyperaktivität des Knochenmarkes die verminderte Resistenz nicht wesentlich (Chauffard, Roth, Nägeli usw.), worin ein klarer Beweis für meine Auf¬ fassung der konstitutionellen Veränderung der Kugelzellen dieser Krankheit zu sehen ist. i Bei symptomatischen nicht konstitutionellen hämolytischen Anämien ist öfters eine mäßige Resistenzabnahme vorhanden bei gewaschenen R.; öfters aber besteht keine Abweichung von der Norm.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928813_0079.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)