Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1931
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Credit: Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
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![kolloidchemischen Auffassungen zurückgekehrt. So nimmt Nolf im Plasma drei Kolloide an: Fibrinogen, Thrombogen (beide im Blute präexistent und in der Leber gebildet) und Thrombocym (aus Plättchen, Leukocyten und Endo- thelien entstanden). Wird in irgendeiner Weise das kolloidale Gleichgewicht gestört, so tritt Gerinnung ein, sofern noch Komplement vorhanden ist. Außer¬ dem findet sich im Blut noch Antithrombosin, das die Gerinnung hintan hält; dessen Bildung gleichfalls in die Leber verlegt wird. Der Bildungsort des Fibrinogens ist nach zahlreichen experimentellen, che¬ mischen und klinischen Forschungen die Leber; ob nebenbei auch noch das Knochenmark in Frage kommt, ist heute wohl unsicher. Bei dem komplexen Charakter der Gerinnung ist von vornherein zu er¬ warten, daß in manchen Krankheiten nur ein Gerinnungsfaktor verändert ist. So beruhen manche Störungen der Gerinnbarkeit auf Mangel an Fibrinogen, hierher wohl die Cholämie bei Leberinsuffizienz mit Neigung zu hämorrhagischer Diathese und auch andere seltene Affektionen (Pseudohämophilie). Bei anderen Gerinnungshemmungen könnte Insuffizienz der Plättchen vorliegen trotz normaler Zahl. Das nimmt Fonio für Hämophilie an. Aber selbst enorme und dauernde Plättchenabnahme bei Thrombopenien läßt normale Gerinnung bei hämorrhagischer Diathese eintreten und das bereitet der Ableitung der Thrombokinase aus Plättchen große Schwierigkeiten. Bordet läßt das Fibrinferment (Thrombin) aus dem Cytocym (hier Blutplättchen besonders wichtige Quelle) und dem Serocym entstehen. Er behauptet die Lipoidnatur des Cytocyms. Auch Zack legt den Lipoiden eine wichtige Bedeutung bei; desgleichen, betonen die Wichtigkeit der Fette und Lipasen Stüber und Heim. Bordet glaubt, daß nur die aus Plättchen stammenden Lipoide Thrombin bilden. Es liegt heute aber noch kein sicherer Beweis für die Lipoidnatur des Thrombins vor (Morawitz). Das Schema der Gerinnung würde nach der Fermenttheorie lauten: Thrombokinase (Morawitz) = Cystocym (Bordet und Fuld) aus Zellen Thrombogen (Morawitz) = Plasmocym (Fuld) = Serocym (Bordet) Prothrombinx + Ca-Ionen/ Thrombin = Fibrinferment + Fibrinogen F ibrin. Theorie der Gerinnung von Klinger und Herzfeld: aus Plasma. Einwände gegen diese Theorie siehe Morawitz (1923). Methoden der Gerinnungsprüfung. Man teilt den Gerinnungsvorgang in 3 Phasen ein. Zuerst erfolgt die Throm¬ binbildung, dann die Fibrinentstehung und zuletzt die Retraktion des Koagu- lums, die ich später bespreche, da sie hauptsächlich von den Plättchen abhängig ist, nicht von eigentlichen Gerinnungsfaktoren. Die Gerinnungszeit hängt von vielen Faktoren ab; z. B. in hohem Grade von der Temperatur, ferner von der Art der Blutgerinnung (Vermeiden von Gewebsflüssigkeit, daher erste Tropfen nach Einstich verwerfen!); viele Autoren wollen daher nur Venenpunktion als richtige Methode ansehen (Achard, Schlöss- mann usw.); von den Behältern des Blutes (Glas beschleunigt stark [Lampert]), ebenso nicht glatte Oberfläche; Benutzung von paraffinierten Nadeln und Gefäßen verzögern bedeutend, von der Benetzbarkeit der Wände des Be¬ hälters usw. Diese Verwendung der Verzögerung der Gerinnung in den Behältern bei bestimmten Methoden erscheint mir unzulässig. Selbstverständlich unterliegt das Blut um so stärkeren. Denaturierungen und ganz besonders auch die Kolloidmischung, je länger das extravasale Auf bewahren dauert. Wie man aber auch das Problem ansehen mag, mehr wird man nie](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928813_0097.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)