Quantitative experimentell-therapeutische Versuche zur Ermittlung der stopfenden Bestandteile im Opium / von Makoto Takahashi.
- Makoto Takahashi
- Date:
- 1914
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Credit: Quantitative experimentell-therapeutische Versuche zur Ermittlung der stopfenden Bestandteile im Opium / von Makoto Takahashi. Source: Wellcome Collection.
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![Durchfall, welcher durch eiu Drastikum mit entzündlicher Neben- wirkung, durch Koloquinten hervorgerufen wird, sich mit Sicherheit durch Morphin stopfen lässt, und dass der Angriffspunkt dieser Stopf- wirkung nicht im Magen, sondern im Darme liegt. Injiziert man zu einer Zeit, wenn bereits aller koloquiutenhaltige Speisebrei in den Dünn- oder Dickdarm übergetreten ist, Morphin, so sistieren nach kurzer Zeit die heftig erregten Darmbewegungen vollständig; auch die durch das Drastikum ausgelöste starke Sekretion in den Darmkanal hört auf, und das Abführmittel, welches sonst schnell und ohne Schaden zu stiften den Verdauungskanal passiert, wird resorbiert und tötet das Tier unter den Erscheinungen der akuten Colocynthin- vergiftung. Unter diesen pathologischen Bedingungen wirkt also Morphin auf Abschnitte des Verdauungskanals sehr kräftig ein, welche es bei gesunden Versuchstieren nur schwach und inkonstant (Dünn- darm) oder gar nicht (Dickdarm) beeinflusst. Es ist klar, dass durch diese Feststellung eine sichere Grund- lage für das Verständnis der Stopfwirkung des Morphins bei Diarrhöen gewonnen war, welche durch Erkrankungen des Dünn- und Dick- darmes veranlasst werden. Ausserdem war aber eine Handhabe geschaffen, um nun das Studium der stopfenden Bestandteile des Opiums mit Erfolg beginnen zu können. Dass Opium stärker stopfend wirkt, als der darin enthaltenen Morphiumenge entspricht, ist eine alte ärztliche Erfahrung, welche auch von Spitzer1) experimentell festgestellt wurde und seitdem durch alle Untersucher bestätigt werden konnte. Nach den Röntgen- untersuchungen von Magnus2) ist der Wirkungsmechanismus beim gesunden Versuchstier auf die Verdauungsbewegungen der gleiche wie der von Morphin [starke Verzögerung der Magenentleerung3), geringe und inkonstante Verzögerung der Dünndarmbewegungen, keine Beeinflussung der Dickdarmbewegungen]. Beim gesunden Menschen wird nach v. d. Velden4) die Magenentleerung durch 20—30 Tropfen Opiumtinktur deutlich verzögert. 1) Spitzer, Experimentelle Untersuchungen über die Darmwirkung des Opiums und Morphins. Diss. Breslau 1891. 2) Pflüger’s Arch. Bd. 122 S. 210. 1908. 3) S. a. A. Delcorde, Rech, sur la digestion de la viande chez le chien soumis ä l'influence de la teinture d’opium soit complfete, soit privde de mor- phine. Internat. Beitr. z. Path. u. Tlier. d. Ernährungsstörungen Bd. 8 lieft 1. 4) A. a. 0.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22446576_0008.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


