Über eine neue mit Cyclopie verknüpfte Missbildung des Centralnervensystems : Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde ... / vorgelegt von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1897
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Credit: Über eine neue mit Cyclopie verknüpfte Missbildung des Centralnervensystems : Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde ... / vorgelegt von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
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![die kürzlich von v. Monakow in seiner Arbeit (Archiv f. Psychiatrie. Bd. 27) durchgeführt worden ist. Derselbe hat den Versuch gemacht, auf Grund von experimentellen und pathologisch anatomischen Unter- suchungen und unter Berücksichtigung der Ergebnisse der vergleichend- anatomischen Forschung, die verschiedenen Gehirnabschnitte nach phylogenetischem Gesichtspunkt zu ordnen und theilt das centrale Nervensystem des Wirbelthieres kurzweg in zwei Kategorien ein, nämlich in phylogenetisch alte und phylogenetisch junge An- lagen. Zu den phylogenetisch alten Hirntheilen rechnet er alle die- jenigen, welche sich in der Thierreihe früh vorfindnn, also die Kerne der motorischen Nerven, die Kerne der Hinterstränge, das Grau der Formatio reticularis, das Mittelhirndach, das tiefe Mark des vorderen Zweihügels, das hintere Längsbündel, das MEVNERT’sche Bündel mit dem Ganglion habenulae, das centrale Höhlengrau und theilweise auch das Kleinhirn mit seinen drei Armen etc. Als phylogenetisch junge Gebilde bezeichnet er vor Allem den Großhirnmantel und sämmtliche in tieferen Hirntheilen befindlichen Anlagen, die nach Großhirn- abtragungen sekundär mehr oder weniger verkümmern. Zu diesen letzteren gehören in erster Linie die Großhirnkomponenten des Pedunculus, die meisten Kerne des Zwischenhirns, vor Allem die ^ Kniehücker und die ventralen Sehhügelmassen, ferner gewisse Zellen- geflechte im Brückengrau und auch einige Abschnitte in den Kernen der Hinterstränge. Alle diese hier nicht näher zu erörternden Gebilde fehlen, bei niederen Thieren, z. B. bei den Knochenfischen nahezu völlig, oder sie sind sehr dürftig entwickelt, v. Monakow nennt sie kurz »Großhirnantheile«. Die soeben ausgeführte Betrachtungsweise lässt sich gegenwärtig selbstverständlich noch nicht für alle Bahnen und Centren durchführen, sie bildet aber schon in ihrer jetzigen Ge- stalt eine beachtenswerthe Grundlage für das Verständnis der Ab- weichungen von der Norm in unserem Cyclopiefalle. Wenn man nämlich an unserem Präparate von den eigentlichen Missbildungen (die abnormen Knickungen, das cyclopische Auge etc.) absieht und die Entwickelungshemmung des Großhirns als reinen i Defekt an sich betrachtet, so findet man in Übereinstimmung mit jener Auffassungsweisc die phylogenetisch alten Bahnen fast allein ziemlich fertig entwickelt, nämlich die Hirnnerven und ihre Ceutren, 3 das hintere Längsbündel, die Formatio reticularis, Corpus tfa])ezoides, ^ rother Kern der Haul)e, Ganglion liabenulae mit dem MEYNERT’schen Bündel, die Commissura posterior, das tiefe Mark des vorderen Zwei- hügels etc. Was die phylogenctiscli jungen Anlagen anbelangt, so ' 4](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22468973_0051.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)