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Credit: Lehrbuch der Physiologie des Menschen / von C. Ludwig. Source: Wellcome Collection.
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![E1 e m e n t a r e B e d i n g u n g e n. So oft nun cine Zergliederung ties thierischen Korpcrs geschah, so oft stiess man schliesslieh auf eine begrenzte Zahl chemischer Atome unci auf Erscheinungen, die durcli die Annahme des Lichtathers und der Electricitaten erklarlich sind. Dieser Erfahrung entsprechend zieht man den Schluss, dass alle vom thierischen K6rper ausgehenden Leistungen eine Folge der einfachen Anziehungen und Abstossungen sein mdchten, welche bei einem Zusammentreffeu jener elementaren Wesen beobachtet vverden. Diese Folgerufrg wird unumstiisshch, wenn es gelingt mit mathematischer Scharfe nachzuweiseh, cs seien die erwahnten ele- mentaren Bedingungen naeh Richtung, Zeit und Masse im thierischen Kfarper derartig geordnet, dass aus ihren Gegenwirkungen mit Xoth- wendigkeil alle Leistungen des lebenden und todten Organismus llerfliessen. Die vorliegendc Aul'fassung ist, wic allbekannt, nicht die hergebrachte, sie ist die- jenige unter den neueni, welche man als eine besondere gegeniibcr der vitalen mit dam Namen de r physikaliscken bezeicb.net. — Dicse Ansehauung findct abgesehen von alien Besonderheiten ihre Berochtigung in der unumstSsslichen Anforderung der Logik, dass ciner jeden Eolge eine Ursachc zu Grunde liege, und nachstdem in der be- wiihrtesten Kegel aller Erfahrungswissenschaften, dass man nur die unumganglich noth- wendigoll ErHarungsgriinde herbeiziehe. Si'd bestreitet also die Berechtigung zur Auf- stellung neuor Erklarangsgriinde, so langc die Unzuliinglichkeit der einfachcrn nicht dargeth.au ist; und sic thut dieses um so cntschiedener, wenu jcuc Griindc wie z. B. der Nerveuiithor, die vegetative Seele u. s. w. eigends ert'undeu worden sind, um dieses oder jenes dunkle Phanomen zu erkliiren, ohne dass irgend ein andcrer Bcweis fur das Bcstehcn jener Wcsen yorliegt und, ohnc dass jeno besonders cri'undeuen Erkliirungs- grtinde strcngon Anforderungen Gcniige lcistcn, was z. B. in so hohem Grade mit dem Lichtiithor der Physikcr der Fall ist. Gesckahe aber dieses, so wjirde unsere Anschauungs- weise sich nieinals gegen eine solchc Hyuothese strauben, moclite der Erklarungsgrund auch noch so neu und unerhort scin. — Die Yertheidigung dieser Grundsatze siehe in oiner ebenso gedankenreichen als edelgeformlen Betrachtuug bei du Bo is, thieri- schc Eletricitiit, 1. Bd. Vorrede. Vielfachheit der Leistungen dureb die gegebenen element a r e n B e d i n g u n g e n. Wenn sicli nun auch nicht durelt Erfiillung der obigen Fordenmg das alleiu Zureieliende der physi- kalischen Auffassung darthun lasst, so stebt wenigstens test, das> ibre Erklarungsgriinde bei aller Beleucbtung etnes jeden lebendigen Vbrganges mit in Betracht gczogen wcrden miissen, weil sie nun einma] ert'ahrungsgemass bestehen. Daneben ist es alter walii- scheinlich, dass dieselben zur Aufstellung einer Tbeorie der Lebeus erscheinungen allein geniigen, weil sie, so vielfacb und wirksani wie sie sind, vollkommeu ausreichen, urn den Reichthum der Lebens erscheinungen bedingen zu konnen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925665_0001_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


