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Credit: Studien über Tuberculose / von Arnold Spina. Source: Wellcome Collection.
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![(lass das Fieber der Tuberciilösen die Annahme einer Infection nabe lege, kann doch nicht als lieweis tiir die Existenz eines V'^irus und für Resorption desselben angesehen werden, da die fieberhaften Erschei- nungen zu entzündlichen Vorgängen, welche die Tuberkelentwicklung zu begleiten pflegen, in Beziehung gebracht werden können. In der Ibat ist auch dieser Einspruch gegen die Beweisführung Buh]’s des Oefteren erhol)en worden. Eben so wenig kann man die Angabe Buhl’s, dass die Tuberculose in der Regel mit anderen Infecfionskrankheiten sich nicht combinire, als Stütze für seine Infectionstheorie gelten lassen, w'enn man erwägt, dass Syphilis und Tuberculose häufig genug in einem Individuum gepaart verkommen können. An Buhl schlossen sich Nie- meyer* *) und C. E. Hoffmann**) an. Doch hatte Niemeyer sich gegen die Constanz des primären Herdes und beide Forscher gegen die Existenz eines besonderen tuberciilösen Virus ausgesprochen. Bald darauf trat Buhl mit neuen Untersuchungen auf. Buhl hat schon im Jahre 1856®) auf eine neue Form der Pneumonie, die sogenannte Desquamativ-Pneumonie, aufmerksam gemacht. Ueber diese Krankheit hat BiihU) im Jahre 1872 einen umfassenden Bericht veröfientlicht, in welchem er angibt, dass die Desquamativ-Pneumonie in zwei Formen auftrete: 1. als consecutiver Krankheitsprocess im Gefolge acuter exanthematischer Processe und 2. als genuine Desquamativ- Pneumonie. Die genuine Desquamativ-Pneumonie ist nach Buhl keines- wegs eine locale Erkrankung, sondern sie ist „der in den Lungen loca- lisirte Ausdruck einer Allgemeinkrankheit“. Denn diese Affection bildet nach Buhl das Vorstadium der Lungeuphthise und der Tuberculose. • Buhl unterscheidet von der genuinen Desquamativ-Pneumonie zwei Unterarten: 1. Die reine genuine Desquamativ-Pneumonie, welche zu keiner Verkäsung führt und 2. die mit Verkäsung endende Desqua- mativ-Pneumonie. Beide genannten Arten sind nach Buhl von einan- der nur graduell, hingegen von der katarrhalischen und croupösen Pneu- monie wesentlich verschieden. Nun gibt aber Buhl selbst zu, dass auch die katarrhalische und croupöse Pneumonie zuweilen zu Verkä- sungen führen. Aus dieser Concession erhellt wohl zur Genüge, dass die Unter- schiede zwischen croupöser und Desquamativ-Pneumonie — so weit es ') 1. c. *) Deutsches Archiv für klinische Medizin. IV. 1867. ’) Journal für ration. Medizin. 1856. *) Lungenentzündung, Tuberculose u. Schwindsucht. IMünchen 1872.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22332492_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


