Volume 1
Lehrbuch der speciellen pathologischen Anatomie / von Johannes Orth.
- Date:
- 1887-1906
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Credit: Lehrbuch der speciellen pathologischen Anatomie / von Johannes Orth. Source: Wellcome Collection.
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![Ziehungen zu den Leukocyten verschiedene Meinungen. Es kommen in jedem normalen Blute vereinzelte farblose Gebilde von rundlicher, aber auch wohl unregelmässiger Gestalt vor, welche in ihrer Grösse nur einem kleinsten Theile von farblosen Blutkörperchen entsprechen. Unter verschiedenen pathologischen Verhältnissen kann die Zahl der- selben beträchtlich zunehmen, so besonders bei acuten und chronischen Cachexien, Leukämie, Pseudoleukämie, ferner bei verschiedenen infec- tiösen Krankheiten u. a. Die Körnchen haben sicherlich nicht immer dieselbe Bedeutung, selbst in einem und demselben Blute nicht, da so- wohl Fettkörnchen wie Micrococcen und kleinste Bacterien, als auch Zerfallsproducte der Blutkörperchen, insbesondere der farblosen, in glei- cher Körnchenforra vorkommen können und auch wirklidi vorkommen. Wenn demnach die Differentialdiagnose in jedem einzelnen Falle schwierig, ja geradezu unmöglich ist, so stimme ich doch für die meisten patho- logischen Fälle im wesentlichen Riess') bei, der dieselben für Zerfalls- producte farbloser Blutkörperchen ansieht und deshalb Zerfallskör- perchen nennt. Riess behauptet, dass die Menge derselben im allge- meinen mit der Menge der farblosen Körperchen zunehme, dagegen bei den gewöhnlichen Anämien, die sich durch eine normale oder selbst verminderte Zahl von Leukocyten auszeichneten, insbesondere auch bei der perniciösen Anämie gering sei. Für eine gewisse Zahl will ich auch die Annahme gelten lassen, dass sie kleinste Microcyten sind, während ich die Ansicht von Hayem-), dass sie die ersten Anfänge rother Blutkörperchen (die von ihm sogen. Hämatoblasten) seien, als durchaus unbegründet verwerfen muss. Inwieweit die ganz neuerdings von Bizzozero^) gemachte Angabe, dass diese Körnchen und Körn- chenhaufen von dem Zerfall kleiner, sehr blasser, Scheiben- oder linsen- föi-miger Plättchen herrühi-en, welche einen dritten, regelmässigen, wich- tigen Formbestandtheil des Blutes ausmachen sollen, berechtigt ist, müssen weitere Untersuchungen lehren. Während Veränderungen — morphologische und chemische — in der Körnung des Leibes der Leukocyten, die ja auch schon im normalen Blute Verschiedenheiten darbietet, unter pathologischen Verhältnissen liäufig und an zahlreichen Zellen vorzukommen scheinen, wie sogleich raitgetheilt werden soll, ist das Auftreten von dunkelconturirten glänzen- den Fetttröpfchen in den Leukocyten (Fig. 1.7.) eine im ganzen nur an vereinzelten Zellen vorkommende Erscheinung, die indessen bei ver- schiedenen Affectionen, sowohl bei Infectionskrankheiten, wie bei ver- schiedenen Formen von Anämien und besonders auch bei der Leukän:iie-') häuliger zu beobachten ist. Sie bedeutet, wie bei allen fettigen Dege- nerationen, den Untergang der betreffenden Zellen. Ueber die Möglich- ') Riess, Berl. klin. Woch. 1870. No 47. Auch v. Beromann hat kürzlich (Chirurgencongress iS82) Mittheilungen über den Zerfall farbloser Blutkörperchen bei acuten Infectionskrankheiten gemacht. Literaturangaben unter Hayera bei Mikrocyten- ^) Bizzozero, Ctbl. f, d. med. Wiss. 1882 p. 17u. 161. Virch. Arch. XC. p. 261. ') Virchow, Ges. Abh. p. ]49fF.; Arch. I. p. 144, II. p. 593. — Reinhardt, Ebendas. I. p. 65.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2192594x_0001_0035.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)