Volume 1
Lehrbuch der speciellen pathologischen Anatomie / von Johannes Orth.
- Date:
- 1887-1906
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Credit: Lehrbuch der speciellen pathologischen Anatomie / von Johannes Orth. Source: Wellcome Collection.
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![Blutstrome kleinste Geschwulstpartikel, vielleicht nur einzelne Ge schwulstzellen verschleppt worden sind, die dann an beliebigen gün- stigen Orten hängen blieben und für neue Geschwülste den Ausgangs- punkt bildeten? Wenn wir auch nur in seltenen Fällen die embolische Entstehung der metastatischen Geschwülste nachzuweisen vermögen, so setzt doch eben gerade die Thatsache ihrer Entstehung nothwendig eine vorgängige Verunreinigung des Blutes voraus und Verschleppung von Zellen ist dabei das wahrscheinlichste. Eine wunderbare Angabe in Betreff der Blutverunreinigung durch Zellen von Geschwülsten aus ist neuerdings von Sappey (Les elements fngures du sang, Paris 1881) gemacht worden. Derselbe behauptet, dass in den cancerösen Tumoren (offen- bar in klinischem Sinne) Leukocyten canceröse Degeneration erführen und durch die' abführenden Venen dem Gesammtblut zugeführt würden, wodurch die Oachexie und in Folge der helleren Färbung des Blutes das bleiche cachectische Aussehen ent- stände. Durch das Festsetzen dieser cancerösen Leukocyten hier oder da würden dann die metastatischen Tumoren gebildet. Auch noch andere zellige Elemente als Geschwulstzellen können, sei es von der Gefässwand selbst, sei es von ausserhalb dem Blutstrom als Verunreinigungen sich beimischen: es können die Endothelzellen der Gefässinnenhaut sich loslösen, nachdem sie vorher selbst Verände- rungen, z. B. Verfettung erfahren haben, wie das z. B. bei den Milz- venenendothelien bei Recurrens [Ponf ick')] vorkommt und es können Fettkörnchenzellen aus der Milzpulpa dem Blute sich selbst in grosser Zahl beimischen, wie derselbe Autor für Recurrens und andere infectiöse Krankheiten nachgewiesen hat; es kann, wie früher schon besprochen wurde, Eiter in den Blutstrom hineingelangen u. s. w. Eine Beimengung von freiem Gas zum Blute kann sowohl durch abnorme Gasentwickelung in dem Blute selbst, als auch durch Eintritt von atmosphärischer Luft durch Gefässwunden erzeugt werden. Gasentwickelungen im Blute selbst gehören jedenfalls zu den grössten Seltenheiten. Bei Thieren sind von Manassein'-^) Gasblasen in verschiedener Menge im Blute verhungernder Kaninchen gefunden worden, doch wüsste ich eine ähnliche Beobachtung vom Menschen nicht anzuführen, wohl aber dürfte die andere experimentelle Beobachtung, dass nämlich eine Gasentwickelung im Blute durch Aufenthalt der Thiere in verdünnter Luft entsteht, ein Analogen in der menschlichen Pathologie finden, wenn anders Leyden^) Recht hat, der die bei einem Arbeiter, welcher längere Zeit in comprimirter Luft bei Wasserbauten gearbeiiet hatte, eingetretene Myelitis darauf zurückführte, dass bei dem plötzlichen Uebergang in die freie Luft eine Gasentwickelung in dem Blute stattgefunden habe, welche ihrerseits zu einer Verletzung des Rückenmarks mit folgender Myelitis Veranlassung gegeben habe. Selbst- verständlich gehören die Gasentwickelungen im Blute, die sich erst nach ») Ponfick, Virch. Arch. LX. p. 166, 169. 1874. Manassein, CtbL f. d. med. Wiss. 1868. p. 274. ^) Leyden, Arch. f. Psych. IX. p. 316; vergl. auch Fr. Schultze, Virch. Arch, LXXIX. p. 124. 1880.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2192594x_0001_0044.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)