Volume 1
Lehrbuch der speciellen pathologischen Anatomie / von Johannes Orth.
- Date:
- 1887-1906
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Lehrbuch der speciellen pathologischen Anatomie / von Johannes Orth. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
45/1034 (page 25)
![dem Tode als Folge der eingetretenen Fäulniss gebildet haben, nicht hierher, doch mag erwähnt sein, dass bei manchen Affectionen, z. B. gewissen Ichoramien') diese Fäulnissgasentwicklung ungemein schnell, selbst innerhalb weniger Stunden vor sich gehen kann, auch unter äusseren (besonders Temperatur-) Verhältnissen, die keineswegs einer fau- ligen Zersetzung besonders günstig sind. Der Eintritt von atmosphärischer Luft in das Blut kann zu Stande kommen, wenn eine klaffende Wunde an venösen Gefässen vorhanden ist, besonders ai: solchen, welche dem Tliorax benachbart sind, da bei diesen die respiratorisclie Saugwirkung desselben zur Gel- tung kommt. Der Eintritt an vom Thorax entfernteren Partien ist in- dessen nicht ausgeschlossen, wie ich selbst z. B. in einem Falle erlebt habe, wo bei der Enucleation eines Fibromyoms des Uterus der Tod durch Lufteintritt herbeigeführt wurde. Das Eintreten kleiner Luftraengen, selbst wenn es sich wiederholt, ist von geringer Bedeutung-), da die Luft zwar in die Lungenarterien gelangt und da stecken bleibt, aber durch Resorption oder Weiterbeförderung in den grossen Kreislauf schnell wieder verschwindet; wenn jedoch eine grössere Menge auf ein- mal eintritt, so kommt die Blase nicht über den rechten Ventrikel hin- aus, dessen Contractionen nicht kräftig genug sind, die Luft in die Pul- monalis weiter zu befördern, so dass damit die Blutzufuhr zur Lunge vom rechten Herzen aus gänzlich abgeschnitten ist und plötzlicher Tod die Folge sein muss [Couty^)]. Sehr interessante aber leider noch lange nicht genügend aufgeklärte Störungen sind diejenigen, welche das Blut durch Beimengung von Farbstoffen erleidet. Dieselben können in Rücksicht auf ihre Her- kunft in drei Gruppen getheilt werden, je nachdem sie vom Blute selbst und in ihm entstanden sind oder von ausserhalb der Gefässe, aber aus dem übrigen Körper oder überhaupt von ausserhalb des Körpers stam- men, doch ist zwischen den beiden ersten Formen die Entscheidung oft schwer zu treffen und es werden deshalb die einzelnen Formen nach der Art des Farbstoffes aufgeführt. Das Vorkommen der letzteren Form, bei Thieren vielfach experimentell erzeugt, ist beim Menschen jedenfalls nur ein beschränktes, doch können z. B. die Kohlenpartikel- chen, welche die Hauptmasse des Lungenschwarz und das schwarze Pigment der Bronchialdrüsen bilden, wie ein von Soyka*) beschriebe- ner Fall beweist, in das Blut übertreten. Die experimentellen Unter- suchungen über das Verhalten der ins Blut gebrachten FarstolTkörnchen (Zinnober etc.) 5), die sich übrigens, wie wohl kaum nöthig ist, zu be- merken, in dieser Beziehung wie alle fein moleculären Körperchen ver- halten, haben ergeben, dass dieselben schnell aus der Blutflüssigkeit, ') lyibp verdorbene Säfte und aqia Blut. -) Cohnheim, Allgem. Path. 'J. Aull. I. p. 217. — Jürgensen, D. Arch. f. klin. Med. XXXI. Gaz. med. de Paris. 187fi. No.'6. ■*) Soyka, Prager med. Woch. 1878. Po'nfick, Virch. Arch. XLVIII p. 1. 1869. — Hoffmann und Langer- hans, Ebenda p. 303.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2192594x_0001_0045.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)