Geschichte der Balneologie, Hydroposie und Pegologie, oder, Des Gebrauches des Wassers zu religiösen, diätetischen und medicinischen Zwecken : ein Beitrag zur Geschichte des Cultus und der Medicin / von B.M. Lersch.
- Bernhard Maximilian Lersch
- Date:
- 1863
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Credit: Geschichte der Balneologie, Hydroposie und Pegologie, oder, Des Gebrauches des Wassers zu religiösen, diätetischen und medicinischen Zwecken : ein Beitrag zur Geschichte des Cultus und der Medicin / von B.M. Lersch. Source: Wellcome Collection.
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![Hess in bössern Fällen von Typhus die Kranken in eine mit kaltem See- wasser getränkte Friesdecke einwickeln. (Eine ganz andere Absicht bei der nassen Einwicklung hatte *Sei]nert, der zur Ersparung eines Milchbades vor- schrieb, den Kranken in dreifaches Leinen einzuwickeln, mit einigen Flaschen lauer Milch zu übergiessen und dann wieder abzutrocknen.) Die Einwicke- lung soll schon bei Lucas (1750) erwähnt und von Floyer, Elliotson, Hanne- mann (1688) angewandt worden sein. Sogar war sie beim Volke gebräuch- lich, wie dies aus einer Stelle bei *Th. Willis (Pharm, rat. 1674) hervorgeht: »Olim Hybernis in more fuit febre quapiam laborantes, pannis se laneis (!), aqua frigida madefactis involvere, ex quo sudor copiosus succedens non raro morbum solvebat. Simile huic experimentum etiam apud nostrates, bono cum fructutentatum audivi«. Zu einem andern Zwecke empfahl in noch viel früherer Zeit *B. Gordonius (1305) die Einwicklung. »Balneum ad impinguandum« sagt er »debet fieri cibo digesto in stomacho: et stet ibidem (sc. in balneo) donec corpus incipiat tumefieri et vulneretur et tunc statim exire debet, et immergi in aqua tepida, deinde involvatur lintearaine intincto in aqua frigida, ut nutrimentum attractum conservetur, deinde inungendus est, et cavendum est, ne ludat (sudet?)«. (De cons. vit. I.) Bei dieser Kur, welche an den Gebrauch der Orientalen, häufig warme Bäder zum Fettwerden zu nehmen, erinnert, blieb der Eingewickelte gewiss nur eine kurze Zeit in seiner nassen TJmhüllung liegen. Man kann auch eine von Cäsarius von Heisterbach (ca. 1190) erzählte, als wunderbar angesehene Begebenheit den Heilungen durch nasse Einwicklungen zuzählen. Dieser wurde noch auf der Schule von einem heftigen Fieber befallen. Seine Tante besass eine Sklavin; als diese getauft wurde, rieth man der Mutter des kranlfen Knaben, ihn mit dem nassen Tuche, worin das Mädchen getauft worden, zu umwickeln. Es geschah; der Kranke gerieth in Schweiss und genas (Caes. Dial. X, 44). lieber die Geschichte der Fallbäder in jeder Form hat Mauthner eine sehr gelehrte Abhandlung geschrieben (Der kalte Wasserstrahl, S. 120 — 361). Schon bei Hippokrates finden wir reichliche Begiessungen mit kaltem oder warmem Wasser, mit gemeinem Wasser oder Seewasser, zum Erwärmen, zum Befördern des Schlafes, beim Schwitzen, im Starrkrämpfe, bei Gelenk- schmerzen u. s. w. empfohlen. Kalte Uebergiessungen des Kopfes, der Ge- lenke, der Magengegend gibt Gelsus an bei Lethargie, Zungenlähmung, bei Schmerzen ohne Geschwüre, bei zu starker Eöthe des Körpers u. dgl. . Die kalten Uebergiessungen wurden damals sehr häufig angewendet, so dass Hadrian deren Gebrauch bei schwitzendem Körper durch ein Verbot einschränkte. Die meisten Schriftsteller der ersten Jahrhunderte empfahlen in gewissen Fällen kalte oder auch warme Begiessungen, z. B. Agathinus (80), xiretäus (kalte bei Stupor nach Delirien), Caelius Aurelianus (230, kalte und warme, in Lähmungen mit Salz- und Seewassar, bei Wassersucht mit kaltem oder heissem Seewasser, bei Kolik mit Mineral-Wasser), Aetius (Irrigationen Wahnsinniger), Alexander von Tralles (warme Begiessungen Epileptischer mit lauen Be- nässungen des Kopfes) und Paul von Aegina (kalte Begiessungen bei Sonnen- stich). Unter den Arabern schrieb Khazes warme Begiessungen beim Stocken eines Steins in der Harnröhre vor, Avicenna Traufbäder des Bauches bei Koliken, Begiessungen bei Gelenkleiden; Serapioji erwähnt, wie ich sehe, eines Falles,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21064155_0222.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)