Volume 4
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![(auch mit Fingereindrücken), meistens mit eingeritzten Ornamenten, die jedoch sehr reich und etwas abweichend von den s. sind. Sie könnten vielleicht als ferne Ausklänge der Glockenbecherornamentik gelten. Alle Arten geometrischer Ornamente kommen vor, dabei auch Zickzackbänder und Schachbrettmuster. Sehr typisch sind Henkel mit mehreren Schnurösen. Auf Ein¬ flüsse der pyren. Kultur deuten in Camp de Chassey die Silexpfeilspitzen (dreieckig mit Stiel und Flügelchen), von denen einige sehr späte Typen aufweisen (stark profiliert und die Einbuchtungen zwischen Stiel und Flügelchen stark gebogen). Manche Er¬ scheinungen könnten auch für eine Einwir¬ kung der Seine-Oise-Marne-Kultur sprechen: es sind rhombische, sehr flache Pfeilspitzen (s. Marnegrotten) und einige trapezförmige Feuersteingeräte (tranchets), wie sie in der Silexkultur häufig erscheinen, doch in andrer Technik, mehr der „pyrenäischen“ ähnlich, bearbeitet. Die Kultur des Camp de Chassey, die öfters als frühneol. angesehen worden ist, wäre also im Gegenteil als sehr späte, wohl frühbronzezeitl. Erscheinung zu betrachten und als Resultat einer Kreu¬ zung aller Kulturelemente der Nachbarge¬ biete zu erklären. Ein Brückenpfeiler zur Seine-Oise-Marne-Kultur ist gewissermaßen ein Fund aus der Nähe von Dijon (Cote- d’Or): ein Kollier aus Muschelperlen, typisch für die Seine-Oise-Marne-Funde. §71. Im ganzen ö. Gebiet, sowohl in Lothringen wie auf dem Camp de Chassey und in verschiedenen Einzelfunden, sind dreieckige Schaftlochäxte bekannt von einem Typus, der gewöhnlich mit der Bandkera¬ mik Mitteleuropas zusammen gefunden wird. Sogar vom Doubs (Dragage du Doubs, bei Besangon) stammt ein Typus, der den Bootäxten ähnlich ist (D e c h e l e 11 e Manuel I 517 Abb. 185,4), von Tremblaine bei Nancy (Dragage de la Meurthe; Tf.48 a) ein anderer, den vielkantigen Streitäxten verwandt. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Streit¬ äxte auch in die Seine-Oise-Marne-Kultur gedrungen sind. Doch muß man sich hüten, sie in Westeuropa immer in zeitliche Parallele mit der mitteleurop. Bandkeramik zu stellen, da sie immer mit sehr späten Erschei¬ nungen auftreten und lange gedauert haben können. 5. Die Ausbreitung der Schweiz. Hockergräber- und Pfahlbau-Kultu¬ ren. §72. Im Dep. Savoie und vielleicht auch in den Nachbargebieten läßt sich die Ausbreitung der sog. „Hockergräber“ der w. Schweiz und Norditaliens beobachten. Das wird durch die Gräber von Fontaine- le-Puits (s.d.; Band III Tf. 152) und Champ- cella bei Guillestre (Dep. Hautes-Alpes) be¬ zeugt. Die Funde bestehen aus polierten Steinäxten, Silexpfeilspitzen, Eberzähnen, Muscheln, Flachäxten und triangulären Dol¬ chen aus Kupfer usw. Parallelen zu diesen Gräbern bietet sowohl die Schweiz. Hocker¬ gräber-Kultur wie Italien in der Remedello- Gruppe. Aus den Dep. Jura (Lac de Chälain [s. d.], Lac de Clairvaux [s. d.]) und Haute- Savoie (Lac d’Annecy) kennen v/ir Pfahlbau¬ ten mit Funden ähnlich denen der Schweiz. Pfahlbauten des benachbarten Genfer Sees. Abgesehen von den für die Chronologie un¬ brauchbaren Gegenständen (Äxte, Knochen- und Horngeräte usw.) und der Keramik, in der Tonwülste mit Fingereindrücken, Stichreihen (die auch in der Schweiz. Pfahlbaukultur öfters erscheinen) vorherrschen, gibt es einiges chronol. verwendbare. Es sind Silexdolche, wie die der Schweiz. Pfahl¬ bauten aus recht später Zeit (Per. IV der Chronologie von Ischer: Typus von Vinelz) und ein Typus, der Einfluß der pyren. Kultur Südostfrankreichs zeigt, Kollier¬ perlen mit zwei hängenden Kügelchen, wie die der entwickelten Megalithgräber (Typus III). Danach wäre die frz. Pfahl¬ baukultur in den Anfang der BZ zu setzen, was mit der Annahme der Schweiz. For¬ scher über die chronol. Stellung der Stufe von Vinelz stimmt. Im übrigen sind Be¬ ziehungen zur pyren. Megalithkultur geo¬ graphisch leicht erklärbar, da längs der oberen Rhöne von alters her Handelswege nach dem Pyrenäengebiet führten. Beide Erscheinungen sind wohl als zwei zeitlich verschiedene Kulturwellen anzu¬ sehen, durch welche die frz. Alpen und ihre Nachbargebiete in enge Berührung mit der Schweiz (s. d.B) und Oberitalien treten. §73. Norden: Dechelette Manuel I 384fr. und 398 mit Abb. des Grabes bei Fontenay-le- Marmion; Mortillet Les monumentsmegalithiques du Pas-de-Calais Assoc. frang. Bourlogne-sur- Mer 1899 S. 572 ff. Westen: Loire-Inf.: Materiaux 1886 S. 277fr.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0004_0108.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)