Volume 14
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![im 0 von Anfang an häufig ist). Dieser reine Stil erfährt schon früh im 9. Jh. allerhand Einflüsse, infolge des verblüffend ausgedehnten Vasenhandels. In Athen sind zwar fremde Gefäße selten, im Peloponnes, auf Kreta und Kypros schon häufiger, die Kykladen, vor allem Thera, zeigen neben ausgebildeter einheimischer Ware eine Menge verschiedenartigsten Imports. So gelangt die auf den Inseln von Anfang an beliebte Kreis-Ornamentik bald nach Athen, ander¬ seits wirkt die Arithmetik des attischen Stils, der zuerst ganz konsequent drei Streifen oder Linien zur Begrenzung der Muster ver¬ wendet, dann zwei, endlich vier oder mehr, auf die Argolis u. a. Orte ein. Im 0 (Kreta, Thera, Kleinasien, Kypros) scheint ein Zweistreifensystem beliebt, ohne ganz streng durchgeführt zu sein. Erst etwas später dringt der tekto¬ nische Aufbau des Ornaments, von 0 kom¬ mend, auf dem Festlande ein, ebenso die Metopen-Teilung mit Mittel- und Seiten¬ feldern. Figürliche Darstellungen, Vögel, Rehe, Pferde, bald auch Menschen, füllen diese neuen Raumgebilde, desgleichen um¬ laufende Friese. Sie sind aber stets dem stren¬ gen Gesetz der geom. Stilisierung und ihres fortlaufenden Rhythmus unterworfen. Erst ganz spät, unter oriental. Einfluß, erscheint die antithetische Gruppe, zugleich wird das Gesetz der einfach schwarzen Silhouetten durchbrochen, Augen, Köpfe, Gewandteile ausgespart oder im Umriß gezeichnet. — In dieser späten Zeit (etwa Ende des 9.— 8. Jh.) kommen als neue Formen hoch- halsige Amphoren, Kannen mit runder oder kleeblattförmiger Mündung, hochwandige Becher, kantige Schalen mit hohem Fuße hinzu, anderseits, offenbar unter Einfluß der Inseln (Rhodos, Kreta, Kypros), halslose Amphoren und Pithoi, sowie die großen Kratere mit figurenreichen Darstellungen der Leichenklage, des Begräbnisses, der Schlach¬ ten zu Lande und zu Wasser u. ä. (Tf. 28, Band II Tf. 203, XI Tf. 63). Bezeichnend für diese nüchtern sachliche Kunst ist das Fehlen von Mythen, Fabelwesen, Göttern, die erst ganz am Ende des Stils auftreten. Diese meist für den Totenkult geschaffenen Vasen standen oft als Grabdenkmäler über der Gruft. — Die Freude an der Farbe bereichert auf Kypros und Kreta die einfach schwarze Ornamentik mit Rot und Weiß. Davon hält sich Attika frei, bis orientalisierende Einflüsse den überalterten Dipylon-Stil rasch zersetzen und im sog. Früh-Attischen eine hybride Mischkunst erzeugen (7. Jh., ähn¬ liches in Boiotien, in der Argolis, auf Ägina, Kreta und wohl auch an anderen Orten, wo unser Material noch spärlich ist). Ans Ende des Dipylon-Stils gehört noch die Kanne mit der ältesten attischen Inschrift (8. Jh.; s. Schrift G und Abb. Band XI S. 357)- A. Conze Die Anfänge d. griech. Kunst (bahn¬ brechend); H. Brunn Griech. Kunstgesch. I 52ff.; H. Dragendorff Theraeische Gräber (= Hiller v. Gaertringen Thera II) 1903; Arch. Jahrb. 14 (1899) S. 26ff., 78ff., 188ff., ebd. 15(1900) S. 49ff. S. Wide; Ath. Mitt. 28 (1903) S. iff. E. Pfuhl; Fr. Poulsen Die Di- pylongräber und die Dipylonvasen 1905; B. Schweitzer Untersuch, z. Chron. d. geom. Stile in Griech. I (1917), II (1918) [= Ath. Mitt. 43 (1918) S. 1 ff.]; E. Pfuhl Malerei u. Zeichnung d. Griechen I (1922) S. 55ff.; E. Buschor Griech. Vasenmalerei2 1914 S. 30 ff. — Kanne mit In¬ schrift: Ath. Mitt. 6 (1881) Tf. 3 (s. a. Schrift G § 1 und Band XI S. 357) A. Furtwängler; Berl. Phil. Woch. 1918 S. 454ff. W. Bannier. —• Dörpfelds Chronologie zuletzt: Ath. Mitt. 50 (1925) S. 77 ff- G. Karo C. Ägypten (Tf. 29—36). § 1. Einleitendes. — § 2. Darstellungen der Töpferei. — § 3— 15. I. Vorgeschichte. — § 16 — 18. II. Altes Reich bis Hyksos-Zeit. — § 19—21. III. Neues Reich. § 1. Die äg. Keramik (Tonware) hat weder die Vielseitigkeit der Formen noch die reiche Verschiedenheit der Ornamentik und Bemalung wie die anderer Länder auf¬ zuweisen. Es wird immer verwunderlich bleiben, weshalb der sonst in jedem Handwerk und Kunstgewerbe wahrhaft künstlerisch schaffende Äg. gerade die Keramik in dieser Beziehung vernachlässigt hat, wenn man auch ein gutes Teil der Schuld der schon in vorgesch. Zeit feststellbaren, dann rasch auf¬ blühenden Fayence-Industrie (s. Fayence B) zuschreiben kann, die vornehmlich alle Zier¬ formen besser und schöner lieferte als der gewöhnliche Ton. Bei einem Überblick über die gesamten keramischen Funde aus rund 4 Jahrtausend läßt sich unschwer ein Einschnitt in der Entwicklung zur Zeit der ersten beiden Dyn. um 3200 v. C. (nach Ed. Meyer) feststellen; äußerlich ist dieser Schnitt durch das Auftreten der Töpfer-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0014_0110.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)