Volume 14
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![gefäße entlehnt), in Form zweier kommuni¬ zierender Röhren, und schließlich eine Reihe von Gefäßen in Tierform, vor allem Fischen (Tf. 3od) und Vögeln (s. Steingefäß C § 7). Auch ein kleiner Napf mit einem Kranz aufgesetzter Buckel ist hierher zu rechnen (MDOG 30 [1906] S. 12 Abb. 9 links, S. 13 Abb. n und 12 Mitte). W. M. Flinders Petrie Corpus of prehist. Pottery and Palettes 1921 Tf. 15—18. § 12. Gefäße mit roter Bemalung oder rotfigurige Ware (Tf. 32). Die rot bemalten Gefäße gehören nach Form und Material (bräunlicher Ton ohne Politur) einerseits mit den älteren bauchigen Typen der Wellenhenkelkrüge (s. § 5) zusammen und zeigen demnach auch zuweilen die dort besprochenen wulstigen Handhaben (immer in der alten, ausgebildeten Form), andrer¬ seits ahmen sie gewisse Formen der bunten Steingefäße (s. Steingefäß C§ 5) nach und entlehnen von ihnen die Schnurösen, die merkwürdigerweise sogar manchmal neben den Wellenansätzen am gleichen Gefäß auf- treten. Vereinzelt kommen Doppelgefäße, wie in der Gruppe Sonderformen (s. § n), vor. Die beiden Haupttypen der Stein¬ gefäße, die niedrige, dickbauchige und die tonnenförmige Vase mit Standfläche — beide mit Schnurösen —- sind auch die Hauptformen der rotfigurigen Keramik (s. Steingefäß C § 2,3, 5). Zuweilen sollte eine unregelmäßige Tupfenbemalung den Ein¬ druck des viel schwerer herzustellenden, bunt gemusterten Steingefäßes hervorrufen (ähnlich § 9). In der Hauptsache unter¬ scheidet man ornamentale und naturali¬ stische Malereien. Zur ersten Gruppe ge¬ hören: Wellenlinien (ob etwa Wasser dar¬ stellend zur Andeutung des Gefäßinhalts ?) in verschiedenster Anordnung, rot aus¬ gefüllte, aufrechte Dreiecke (sicher keine Berge, wie man zuweilen lesen kann), Netzmuster in schachbrettartiger Anord¬ nung, dicke Punkte und Striche, schließlich einfach gekrümmte Linien und Spiralen, diese stets einzeln für sich wie ein auf¬ gewickelter Faden, niemals fortlaufend (Tf. 32 b). Größere Bedeutung beansprucht die zweite Gruppe durch-die Bemalung mit allen möglichen Bildern aus der Natur. Man sieht Bäume und Schiffe, diese mit alten Gauzeichen als Standarten, Kajüten und zahlreichen langen Rudern (Tf. 32 a), Men¬ schen und Tiere in buntem Wechsel, unter den letzteren vor allem Giraffen, Flamingos, Krokodile und Gazellen verschiedenster Art. Im Gegensatz zur weißfigurigen Malerei (s. § 7) sind die Figuren hier mit geringen Ausnahmen vollständig ausgemalt. S. a. Band I Tf. 15 a. W. M. Flinders Petrie Corpus of prehist. Pottery and Palettes 1921 Tf. 31 — 37; Gefäß mit Giraffen bemalt: Berlin Inv. Nr. 15129, Her¬ kunft unbekannt; Jean Capart Primitive Art in Egypt. 1905 S. 113 ff.; Revue des Etudes Ethnogr. et Sociolog. 1908 S. iff. Charles Boreux. §13. Gefäße aus grobem Ton (Tf. 29c). Nach diesen infolge ihrer Gestalt, Farbe, Be¬ malung ausgesonderten Gruppen bleibt der große Rest der Gefäße ohne besondere Merkmale. Sie zerfallen nach der Staffel¬ datierung in eine Gruppe aus rohem, schlecht geschlämmten und schlecht ge¬ brannten Ton, der häufig nur ein mit allem möglichen Schmutz durchsetzter Lehm oder Nilschlamm ist, und eine jüngere, bessere Gruppe (s. § 14). Die Formen sind ähnlich denen der anderen Gruppen, es über wiegen sehr große, unten spitz zu¬ laufende, oben mit einem wulstartigen Rand versehene Vorratsgefäße. W. M. Flinders Petrie Corpus of prehist. Pottery and Palettes 1921 Tf. 38—44. § 14. Gefäße aus mittelgrobem Ton (Tf. 29d). Die Ware, die durchweg den Gräbern der späten Vorgeschichte und der ersten Dyn. entstammt und sich als einzige in die geschichtliche Zeit des AR hinüber¬ gerettet hat, ist aus besser geschlämmtem Ton gefertigt und zeigt zumeist eine helle, graue, auch ins Gelbliche spielende Farbe. Wieder herrschen wie bei der vorigen Gruppe bis zu 60 cm h. Vorratsgefäße vor, daneben vor allem Näpfe und Schüsseln. W. M. Flinders Petrie Corpus of prehist. Pottery and Palettes 1921 Tf. 45 — 51. §15. Verschiedenes. Besonderes Interesse verdient ein Fund von teilweise bemalten Scherben großer Henkelkrüge, den Petrie in einem Königsgrab der 1. Dyn. (s. Grab D § nc) gemacht und als zum ägäischen Kreise gehörig angesprochen hat {Royal Tombs II Tf. 54; ähnliche Scherben bei Petrie Abydos I Tf. 8, 1—5; ders. Tarkhan II Tf. 9, 21—25); drei nahezu voll-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0014_0121.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)