Volume 4
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![Seine-Oise-Marne-Kultur sind). Von der be¬ nachbarten Silexkultur ist wohl auch die große Menge der Galeries couvertes über¬ nommen, da dieser Typus sich besonders in ihr entwickelt hat und in beiden Kul¬ turen häufig der gleiche ist. Dadurch wird die Bretagne auch mit einer anderen Kul¬ tur verknüpft, die ihrerseits mit der sö. pyren. Megalithkultur durch eine Reihe von Erscheinungen übereinstimmt, was für die Gleichzeitigkeit der verschiedenen kupfer¬ zeitlichen Kulturen F. weitere gute Stütz¬ punkte bietet § 80. Die Seine-Oise-Marne-Kultur hat wohl die wenigen Pfeilspitzentypen, die sie aufweist, vom S bekommen. Ebenso dürften die Galeries couvertes aus SO stammen, da sie durchaus die normalen parallelen Wände haben wie im SO. Allerdings ist man versucht, sie auch von der Bretagne herzuleiten, wo ebenfalls die Galerie couverte vorkommt. Aber es ist wahrscheinlicher, daß im S, wo diese Typen das Ende einer ein¬ heimischen Entwicklung in der pyren. Kul¬ tur bedeuten, der Ausgangspunkt des Typus zu suchen ist und damit die Bretagne-Typen durch die nordfrz. zu erklären sind, nicht umgekehrt. Daß die Seine-Oise-Marne- Kultur auch Kupfer besitzt, ist schon oben gesagt worden. Auch dies paßt gut zu ihren Beziehungen zu der pyren. Kultur. So ist die Gleichzeitigkeit der Bretagne- Kultur mit der Seine-Oise-Marne-Kultur einer¬ seits, mit der Südfrankreichs und der Pal- mella-Kultur (s. d.) Portugals andererseits gut begründet. Dem entspricht der Syn¬ chronismus der pyren. Kultur F. mit der span, und mit der Seine-Oise-Marne-Kultur. § 81. Dieser festen chronol. Basis sind also die anderen schwerer datierbaren Er¬ scheinungen einzureihen. Zuerst die Pfahl¬ baukultur des Jura und Savoyens. Sie gehört in eine späte Zeit, wohl den Anfang der BZ, nach Analogie der Schweiz. Parallelen (— Vinelz-Gruppe). Das Vorkommen von Perlen mit zwei hängenden Kügelchen in den frz. Pfahlbauten wie in der III. Stufe der pyren. Megalithkultur bestätigt die Stel¬ lung der Vinelzkultur (s. Finelz). Es wäre die Frage zu stellen, ob diese frz. Pfahl¬ baukultur auch ähnliche Vorstufen wie die Schweiz, besitzt oder nicht. Trotz des Mangels an Funden aus diesen Vorstufen in F., der durch die geographische Lage der FO bedingt ist, kann man sie für die Ausläufer der Schweiz, halten. Die Beziehungen der Schweiz. Pfahlbau¬ kultur zu F. erklären das Vorkommen von Relief- und eingeritzter Keramik schon in den älteren Stufen Ischers (Burgäschi [s. d.], Gerolfingen [s. d ]) der Schweiz, eineTonware, die große Ähnlichkeit mit der südfrz. Grotten¬ kulturkeramik hat. Die dtsch. Pfahlbau¬ kultur hat solche Anklänge nicht mehr. Die Stufen von Gerolfingen und Burgäschi ent¬ sprechen zeitlich den Stufen I—II der pyren. Kultur und der südfrz. Grottenkultur. Daraus erklärt sich, daß die roheste Re¬ liefkeramik in der Burgäschi-Gruppe vor¬ kommt zu einer Zeit, als in Südfrankreich die Reliefkeramik herrschte. § 82. Daß Zusammenhänge zwischen den ostfrz. Kulturen und Mitteleuropa be¬ stehen, ist wohl anzunehmen. Leider gibt es noch wenige Anhaltspunkte dafür. Aus den rheinischen Kulturen stammen wohl die Einflüsse, die die dreieckig-durch¬ bohrten Steinhämmer in die Silexkultur und bis in das obere Tal der Rhone gebracht haben. Ähnliche Beziehungen mit mittel- europ. oder nord. Ländern werden die vielkantigen und die Bootäxte haben. Wie die Glockenbecherkultur Südfrankreichs mit den rheinischen zusammenhängt, ist in F. aus Mangel an Funden in den oberen Rhone- und Saönegebieten nicht zu ersehen. Doch liegt die geographische Möglichkeit, daß die Glockenbecher durch die Pforte von Beifort an den Rhein gekommen sind, auf der Hand. S. Glockenbecherkultur. § 83. Eine andere schwierige Frage ist die der Beziehungen der Bretagne-Kultur zu den brit. Inseln und Nordeuropa über¬ haupt. Wirkliche nord. Typen sind in der Bretagne sicher nachgewiesen: die Kragenflaschen, die Streitäxte und vielleicht einige Grabformen, wie die Ganggräber mit senkrechter, viereckiger Kammer, die in Südwesteuropa nicht Vorkommen, da¬ gegen in der nord. Megalithkultur (späte Ganggräberzeit) häufig sind. Das Verhältnis der bretonischen Megalithgräber zu denen der brit. Inseln ist jedenfalls durch eine starke Abhängigkeit der letzteren von den bretonischen zu erklären. Die Bretagne hat wohl die Brücke gebildet, die Portugal](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0004_0121.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)