Volume 4
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![so sind doch die Kupfergeräte häufig. So ein blattförmiger Dolch wie der von La Liquisse aus der Höhle von Saint-Genies (Gard) u. a. m. Die z. T. noch rein neol., künstlichen Grabgänge der Castellet-Grotte (s. d.) bei Arles, in den Kalk eingeschnittene Gänge mit Plattenabdeckung, enthielten Kup¬ fer und Bronze (Grotte Bounias; s. d.; Tf. 17 a). Später sind manche Höhlengräber aus dem Dep.Gard(Tf. 55f k), soBuissi^resundSaint- Wredeme. Buissieres ergab 12 Skelette mit je 6—8 gravierten Armringen der II. bronze- zeitl. Stufe. In der ganzen Gruppe sieht man ganz deutlich die Zonenbecherkultur sich umformen. Der Becher wird gedrungener, plumper, der Einhenkelkrug (Tf. 5 5 g, h) spielt eine Rolle, oft mit eckigem Henkel; die ein¬ getieften Muster der Zonen- und Glocken¬ becher werden zum Kerbschnitt, dessen Ent¬ stehung hier sehr deutlich ist (Tf. 55 f); dieser eine Scherben ist für die Entstehung der Kerbschnittechnik völlig beweisend (s. Kerbschnittverzierte Keramik). Diese Kerbschnittkeramik ist nicht selten (Saint-Ve- redeme, Russan, Remoulins [mit roter Inkrus¬ tierung]; Hügel bei Cavillargues). Die Verzierung nimmt hierbei nicht mehr die ganze Oberfläche ein. Die Gruppe setzt sich nach Mittelfrankreich fort (Tf. 55 1—t). Ge¬ legentlich kommen im Dep. Gard auch Stein¬ kisten mit Hockern vor, so bei Beaucaire. c. Im Dep. Gironde finden sich Dolmen mit triangulären Dolchen und sonstigem neol. In- ventar(Cabut [Tf.50Abb.5J bei Anglade).Vie¬ les weist stark nach Spanien, so kleine Knoten¬ stäbchen aus Knochen (Cabut; Tf. 5oAbb. 11; vgl. Sir et Prem. ag. Tf. 65,181). Bekannt ist auch das Grab von Singleyrac (Dep. Dordog- ne), aus etwas späterer Zeit (Randaxt mit ganz schwachen Rändern, Dolch mit Nieten und vollem Griff, Halsband aus kleinen Goldspi¬ ralen und Gefäß mit schwachen Einritzungen). d. Die Armorika hat eine sehr umfang¬ reiche und große Reihe von Grabhügeln mit kunstvollem Grabbau (s. Armorika- nische Gräber). Die gewaltigen Stein¬ bauten der j. StZ dauern auf diese Weise in veränderter Gestalt fort (Tf. 56 a—c). Die Gräber reichen von der Kupferzeit bis in die Stufe der B2. Flachäxte aus Kupfer oder zinnarmer Bronze kommen vor. Be¬ wundernswert sind die Pfeilspitzen aus Feuer¬ stein (Dechelette a. a. O. II 1 S. 146). Von 44 Gräbern im Dep. Finistere hatten 25 keine Steinbeigaben. (Über einen Dolch mit Goldnieten Rev. arch. 1890 S. 320). Auch Spiralringe aus Gold, Gold- und Silber¬ kettchen kommen vor. Die Haupttypen der armorikanischen Keramik sind Tf. 55 a—e wiedergegeben. Der Leichenbrand ist vorherrschend. Sie erstrecken sich über die Dep. Finistere, Cotes-du-Nord, Morbi- han, die Normandie, vielleicht auch bis zum Dep. Calvados, wo bei Longues genau die¬ selben Dolche und Flachäxte gefunden sind. e. Die 4 vorigen Gruppen sind nach der Aufstellung Dechelette’s hier geschildert. Dazu tritt eine fünfte, vom NO bis nach Mittelfrankreich hineinreichend. Hier fin¬ den sich Grabhügel mit Skelettbestattung (Clucy [Jura] mit Blattkreuznadeln [Tf. 50 Abb. 13] wie bei La Liquisse und trian¬ gulärem Dolch, Saint-Menoux [Allier] mit mehreren Skeletten und schönen, großen, triangulären Dolchen; Moret Le tumulus de Saint-Menoux [Allier] 1900). Eine Anzahl von Grabhügeln aus der Franche-Comte und Burgund, die wegen ihrer Nachbestattungen später angesetzt wurden, gehören ebenfalls hierher. So La Chapelle (Dechelette a. a. O. S. 136). Auch für frz. Lothringen hat Beaupre derartige Hügel nachgewiesen (s. o.). Von Einzel- und Depotfunden ist noch eine Reihe von Goldsachen, fast alle von der Nordwestküste, und eine kleine, aus Ser¬ pentin geschliffene Steinvase (s. Gugney- sous-Vaudemont) hier zu nennen. Ferner die gravierten Flach- und Randäxte von Saint-Aigny (Indre) und Paris (Montelius Chron. ält. BZ. S. 80 Abb. 207). Sie sind die einzigen ihrer Art in F. (s. u ). Bei Randäxten kommt der ital. Ausschnitt meist im O und S vor. Ein vortrefflliches Stück ist ein bronzener Axthammer mit Bronze¬ stiel aus Kersoufflet (Morbihan; Tresors Ar- morique 1886). Der Stiel ist 54 cm, der Axthammer 25 cm 1. Er ist eine Nach¬ bildung einer spätsteinzeitlichen Hammer¬ form. Am nächsten kommt ihm ein Stück in Kupfer aus Mähren (Congr. intern, preh. Monaco 1906 S. 50 Abb. 47 Hoernes). Endlich seien noch zwei kupferne Doppel¬ äxte von Nohan (Indre) und Citeaux (Cöte- d’Or) genannt. Ganz für sich steht der Fund von Chätillon-sur-Seiche (s. d.; zwei bronzene Stierffguren mit frühen Äxten).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0004_0132.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)