Volume 14
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![anderen Gebieten Ungarns, Gefäßformen, die sich noch deutlich als Nachbildungen des Lederbeutels erweisen und wie dieser dicht unter dem Rande eine ringsumlaufende Reihe von Löchern (bisweilen auch zwei Reihen übereinander) aufweisen. In etwas jüngerer Zeit wurden dann die Löcher nur noch durch einfache Grübchen angedeutet und die Zugschnur des Beutels durch rings¬ umlaufende, nähstichartige Linien wieder¬ gegeben, die sich dann zu mehr oder minder breiten Bändern entwickeln. Andere häufiger vorkommende Formen sind bombenartige Gefäße mit rundem Boden — die übrigens nichts mit dem Kürbis zu tun haben (Präh. Z. i S. 37ff. C. Schuchhardt), sondern, wie sich aus den auf ihnen öfter vor¬ kommenden Flechtwerkabdrücken und dem Ornamentstil ergibt, aus analogen Flecht¬ arbeiten hervorgegangen sind (G. Wilke Spiralmäander-Keram. u.Gefäßmalerei S. 2 ff.; Hoernes Urgesch.3 S. 263) —; ferner Schüsseln, Schalen und Tassen, oft mit hochstehendem Henkel, Fußschalen usw. Besonders bemerkenswert sind die an der Innenwandung mit Buckeln bedeckten sog. Gluttöpfe (s. d.; Tf. 6 a), von denen sich Reste auch in Velem St.Vid (s. d.) gefunden haben; ebenso die namentlich im Theiß- Gebiete sehr häufigen „Salzgefäße“, deren Prototypen einfache, rechteckige Tonblöcke mit einer schalenförmigen Vertiefung bilden (Band VII Tf. 201 i). Häufig sind auch, wie übrigens sonst noch in U., die hohen Fu߬ schalen oder pilzförmigen Gefäße, die gleich¬ falls in verschiedenen Entwickelungsstufen auftreten, und endlich schlauchförmige Gefäße mit zwei Hälsen nebeneinander (Tf. 5 k, 1; Arch. Ertesitö 29 S. 156 Abb. 2 und 3, S. 157 Abb. 4 und 5 u. a.). Die Gefäße sind teils naturfarben und dann bald in Furchen- oder Stichtechnik verziert, bisweilen auch weiß inkrustiert, teils drei¬ farbig bemalt. In stilistischer Hinsicht schließt sich diese Polychromie eng an die Tripolje-Kultur Ostgaliziens (s. Polen B § 6) und Südrußlands (s. d. B) an, während zu Siebenbürgen nur geringe Beziehungen bestehen (s. Baradla-Höhle, Bodrog- keresztür; Tf. 6b, Band II Tf. 13). Nahe verwandt mit dieser ist dann auch noch die Keramik des Duab und der Tiefebene ö. der Theiß (s. Läposhalom,TerramareA) und namentlich Nordwestungarns, von wo sie sich dann weiter nach Mähren, Böhmen und Schlesien fortsetzt (s. Lengyel; Band VII Tf. 201). Die Keramik Süd- und Südost¬ ungarns endlich lehnt sich eng an die nw.- balkanische Gruppe der Band- oder Spiral¬ mäanderkeramik, in ihren jüng. Stufen an die ostalpine Pfahlbaukultur (s. Pfahlbau F) an, die namentlich in Kroatien und Slavonien in reichster Entwickelung auftritt. Dagegen sind von der nord. Keramik, die noch im be¬ nachbarten Schlesien (s. d. B) und Mähren eine so große Rolle spielt, und die auch bis weit nach Südrußland hinein ihren Weg ge¬ funden hat (vgl. die Verbreitungskarte der Trichterrandbecher, Kugelamphoren und der Schnurkeramik von Kossinna in Mannus 2 [1910]), nur einige schnurkeramische Formen (z. B. ein Becher von Buj, Kom. Szabolcs; Roskaa. a. 0.), und auch diese anscheinend nur inNordungarn und Siebenbürgen(Tordos, Sepsi-Szentgyörgy,Füvenyestetö; Präh. Z. 16 S. 85f. Roska), spärlich vertreten. Außer¬ dem macht sich auch noch eine Beeinflussung durch den sog. Rössener Typus (s. d.) bemerk¬ bar, mit dem die ungar. Keramik nicht nur gewisse Gefäßformen, wie die scharf profi¬ lierten Vasen und Henkelkrüge (MAGW 1900 S. 114; Wosinsky Lengyel Tf. 38 Abb. 301 u. a.), die zylindrischen Becher (Archiv f. Anthr. 1909 S. 305 Abb. 13—15 Wilke), die Schalen mit vier niedrigen Füßchen usw. gemein hat, sondern dem sie auch sowohl in technischer wie stilistischer Hinsicht man¬ cherlei Ornamentformen entlehnt hat S. a. Band II Tf. 84a. § 6. Sehr reich vertreten ist, namentlich in Südungarn und Siebenbürgen, die figu- rale Tonplastik. Besonders häufig sind Statuetten nackter Frauen mit Arm¬ stümpfen, kleinen Brüsten und großer, meist völlig unnatürlich übertriebener Ge¬ säßpartie. Eine technische Eigentümlichkeit dieser Statuetten, die auch in Mähren wieder¬ kehrt (Mitt. präh. Kom. 1 S. 240 Abb. 20 Palliar di), besteht darin, daß sie häufig aus zwei aneinander geklebten Tonwülsten gebildet wurden, die später auseinander¬ fielen, so daß von manchen Figuren nur die eine Hälfte vorliegt. Bemalung dieser Statuetten ist selten, ebenso Einritzungen, die erst in etwas jüngerer Zeit häufig auf¬ treten (z. B. Orsova; Wosinsky Inkrustierte](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0014_0028.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)