Volume 14
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![tangential miteinander verbundene Kreise (sog. „falsche Spiralen“), wie bei einem Gürtel und Zierknopf aus dem Goldschatz von Fokoru (Band VIII Tf. 56 Aa, e; Hoernes Urgesch? S. 23 Abb. 2, 4) usw., Reihen von Halbkreisen und Bogenver¬ zierungen (Hampel Bronzezeit Tf. 92, 4. 5) u. dgl. m. Auch Doppelaxtfiguren (Pot¬ säg, Tisza-Szent-Imre, Erzsebetfalva-Guste- rita [Tf. 9Da], Felsö-Ujfalu u. a. FO; Dacia 1 [1924] S. 361 V. Pärvan) und allerhand Sternmuster, die man wie noch mancherlei andere spätbronze- oder frühhallstattzeitliche Ornamentmotive — aber wohl kaum mit Recht — aus dem myk. Formenschatze her¬ zuleiten versucht hat (Ath. Mitt. 22 S. 257 Sam Wide), bilden, namentlich bei den Zierscheiben (Ottlaka; s. d.), Gürteln (Erzse- betfalva - Hammersdorf - Gusterita; Dacia 1 [1924] S. 362 Abb. 5) und Schwertknäufen (Hampel a. a. 0. Tf. 23—25), ein beliebtes Motiv; ebenso das Wolfszahn-Ornament, Schachbrettmuster, sanduhrartige Motive u. dgl. Besonders aber sind die Dekorations¬ motive hervorzuheben, die durch eine Über¬ tragung losen plastischen Schmucks (Zier¬ kreuze) auf die Flächenornamentik ge¬ wonnen wurden, wie es Hoernes für die Orna¬ mentmuster der Goldsachen der Michalköw- Gruppe (s. Michalköw) nachgewiesen hat. Endlich erscheinen jetzt hin und wieder auch schon figürliche Darstellungen, so stilisierte Vogelköpfe auf einem Schwerte von Podhering (Tf. 9Db), die Tierdarstellung auf der Fibel von Dalya (s. 0.), die Zeich¬ nungen auf einer der goldenen Votiv-Äxte von Czofalva (s. d.; Band II Tf. 171b) und die Figurengruppe auf einer der Goldscheiben von Ottlaka (s. d.). Aus dem Gebiete der plastischen Kunst gehören zu fieser Stufe die in U. freilich nur seltenen Schwanen- figuren auf Stiften (Gußform von Doläny; Mainz. Z. 2 S. 44 Abb. 7c; hier Tf. 9Dd; Depotfund von Nagydem: Hampel a. a. 0. Tf. 195, 18), die etwas häufiger vorkom¬ menden Vogelprotome, die Bronzegefäße in Form eines gehörnten oder ungehörnten Vogels (Hampel a. a. 0. Tf. 67, 3; 68, 5) und ähnliche Stücke. § 7. Die besonders durch Spätformen von Buckelurnen, Etagengefäße (s. d.) und durch kannelierte Ware charakterisierte Keramik Westungarns, für die typische Beispiele aus den frühhallstattzeitlichen Gräberfeldern von Kisköszeg und Dalya vorliegen (Tf. ioc 2; Arch. Ertesitö 1903 S.3of.; vgl. auch Archiv f. Anthr. 1905 S. 265 Hoernes), zeigt in ihren Formen mancherlei Beziehungen zur jüngeren Lausitzer Kultur der Tschecho¬ slowakei, noch mehr aber zu den frühhall- stätt. Urnengräbern Niederösterreichs und Steiermarks. Daneben machen sich jedoch auch deutliche Einflüsse vom Villanova- Kreise her bemerkbar, so insbesondere die typische Villanova-Urne, die sich ostwärts bis nach Siebenbürgen verbreitet (Dolgozatok usw. 1915 S. 248 Abb. 22), und die sich dann in den folgenden Per. fast unverändert weiter erhält und schließlich auch von der skythi- schen Kultur (s. Skythen A 3) übernommen wird (a. a. O. Abb. 29—35; s. unten § 15). Endlich leben auch noch die Nachklänge der pannonischen (s. d.) Keramik fort, und auf dem Urnenfriedhofe von Hatvan, Kom. Heves, und einer Siedelung von Szeleveny, Kom. Jäsz-Nagy-Kun-Szolnok, erscheinen hochhalsige Doppelhenkelkrüge (Tf. 9Dc),die in ihrem Gesamthabitus und namentlich in der Henkelbildung lebhaft an das oben ge¬ nannte Gefäß von Räkos-Palota (s. d.) er¬ innern, sich aber von ihm durch etwas reichere Profilierung des Gefäßkörpers und die für unsere Stufe so charakteristischen Sternmuster unterscheiden (Hampel a. a. O. Tf. 88, 1—3). Vereinzelt treten in dieser Periode auch schon figürliche Darstellungen auf, so an einem wannenförmigen Gefäß von Szeleveny, ein Gefäßtypus, der in den jünge¬ ren Perioden im allgemeinen auf den nord. Formenkreis der Per. V beschränkt bleibt, der aber auch schon im Laibacher Moor, in AngheluRuju und Persien vorkommt (Wilke Rel. d. Indog. 1923 S. 119L) und vielleicht zur Bewahrung des Dauerfeuers diente. § 8. Endlich ist noch des in dieser Per. ein¬ setzenden regen Handelsverkehrs mit dem Villanova-Kreise zu gedenken, dem U. außer mancherlei sonstigen Geräten vor allem die jetzt schon in ziemlicher Zahl vorliegenden Bronzegefäße verdankt (s. Hajdu-Böször- meny; Band V Tf. 15 b—e); der Handel hat auch auf die Entwickelung der Keramik und der einheimischen Bronzekunst be¬ fruchtend eingewirkt. § 9. In der nun folgenden Phase (Hall- stattstufe B Reineckes), die besonders](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0014_0050.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)