Volume 1
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![Serif) nach den Verwüstungen, denen er aus- gesetzt war, nichts erhalten. Aber die engl. Ausgrabungen 1867—1870 haben in den untersten, zumeist mit meterhohem Schutt bedeckten Lagen der Umfassungsmauer des Tempelplatzes sehr große, gut behauene Kalksteinblöcke nachgewiesen, die einen geglätteten Rand und eine rauh behauene Bosse haben und so eng aneinander gesetzt sind, daß man in die Fuge kaum mit dem Federmesser eindringen kann (PEF Me- moirs Jerusalem [1884] S. 179, 244). Auf einigen dieser Blöcke in der Ostmauer finden sich mit Zinnober aufgetragene phön. Schriftzeichen (ebd. S. 129, 141, 150 ff.; Wi lson - War r en The Recovery of Jeru¬ salem 1871 S. 139, 142). Auf einem Steine sind sie eingehauen. Mehrfach treten die oberen Steinlagen stufenweise gegen die unteren zurück (Südmauer 25—40 mm, Ostmauer 76—152 mm). Auch in Samaria wurde an dem Tempel (oder Palast?) die¬ selbe Bauweise beobachtet (Harvard Tlieo- logical Review 2 [1909] Abb. 15; 3 [1910] Tf. 7). Es ist recht wohl möglich, daß diese Jerusalemer Quadern trotz aller Beden¬ ken, die sich aus dem Baubericht ergeben, der Zeit Salomos zuzuschreiben sind. A. K u e m m e 1 Materialien zur Topographie des alten Jerusalem. 1906 S. 102 ff. § 8. Nach den Angaben im AT und der Beschaffenheit der Fundstücke kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Israeliten zu dieserBauweise nicht von selbst gekom¬ men sind, sondern sie von den Phönikern übernommen haben. Phön. Baumeister und Werkleute haben in Jerusalem gearbeitet, während die Israeliten nur als Lastträger verwendet wurden (1. Kön. 5, 27 ff.). Be¬ sonders genannt werden die gibli (1. Kön. 5, 32; der Text ist jedoch fraglich), also die Bewohner von Byblos (s. d.; E. Renan Mission de Phenicie [1864] S. 170). Die phön. Kunst erstrebte im Steinbau die Nachahmung der geglätteten Felswand, was mit den riesigen Quadern vorzüglich er¬ reicht wurde. Diese Blöcke verwendete man so, wie man sie aus dem Steinbruche gewann. Für den Zusammenstoß gab man ihnen einen Randschlag und eine Bosse, die der Gestalt des Steines folgte. Die unterste Schicht wurde in eine aus dem Felsgrund ausgehauene Vertiefung eingelegt. Aller¬ dings eignete sich der Stein nicht wie der griech. Marmor zu feiner Arbeit in künst¬ lerischer Verzierung (Ausnahme dasKapitäl von Megiddo aus Närikalkstein Tf. 91 b; S( hu mach er Mutesellim S. 119P). Wo solche nötig war, mußte sie in Vorgesetztem Holz oder Metall angebracht werden (Renan S. 96, 822). Im phön. Gebiete sind freilich wenig Reste alter Bauten erhalten, da ihre Steine in der griech.-röm. Zeit für die zahl¬ reichen Tempel verwendet wurden. Sicher alt sind die Mauern auf der S-und W-Seite der Insel ruäd (Renan S. 39) und an dem riesigen Grabbau bürg el-bezzäq am nähr camrit (ebd. S. 80 ff.). In ruäd liegen Blöcke von 3 m H. und 4—5 m L. ohne Mörtel übereinander; Lücken sind durch kleinere Steine ausgefüllt. Auch die Verwendung der Holzsäule als Träger der Decke ist aus dem Libanongebiet übernommen; aber wäh¬ rend die Quaderkunst ein im Lande und aus seiner Eigenart entstandenes Verfahren ist, kann die Holzbaukunst ihre Wurzel im W haben. Ähnlich wie das Libanonwald- haus scheint z. B. die große Halle der Phi¬ lister gebaut zu sein, in der nach der Sage (Rieht. 16, 23 ff.) Simson an seinen Feinden Rache nahm. § 9. Für die bescheidenen Mauern der ältesten Zeit war natürlich eine besondere Bereitung des Baugrundes nicht nötig. Die Quadermauern hingegen sicherte man da¬ durch, daß man die unterste Schicht in den sorgfältig ausgearbeiteten Felsgrund ein- legte. Als Werkzeuge zur Steinbearbeitung benutzte man sicher schon frühzeitig Stein¬ sägen (hebr. megerä 1. Kön. 7, 9), Hämmer, Spitzäxte und Meißel, wie sie noch heute üblich sind (A. Dickie bei F. J. Bliss Excavations at Jerusalem 1898 S. 272 fr.; alte Geräte Macalister Gezer III Tf. 193). Gerüste scheint man wie noch heute nicht bei dem Bau verwendet zu haben (Sellin- Watzinger Jericho S. 27). Über Wölbung s. Gewölbe C.Treppen finden sich mehrfach (Schumacher Mutesellim S. 43, 76 Abb. 102; Sellin TaJannek S. 39; Nachlese S. 10; Macalister Gezer 1 115, 118, 193 ff.). Wie die Fenster (vgl. Jerem. 22, 14) beschaffen waren, wissen wir nicht, da die Mauern nicht in der nötigen Höhe erhalten sind. Die Paläste der späteren Könige hatten nach äg. Art besondere Empfangsfenster (s. Ägyp-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0001_0506.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)