Volume 1
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![tisch er Kultureinfluß aufPalästina- Syrien § 4). Über die Türen s. Haus C. § 10. Fremde, namentlich äg. Bauten werden mehrfach erwähnt, doch sind die erhaltenen Reste im S sehr spärlich. In der 4. Stadt zu Lachis fanden sich die Grundmauern von zwei Gebäuden, die sorg¬ fältig auf feinen Sand in besonders ausge- schnitteneVertiefungen gesetzt sind(Tf.91 d). Der Grundriß ist bei beiden ziemlich quadra¬ tisch (18 X 19 und IO X IO m) und voll¬ kommen symmetrisch. Bei dem ersten Bau umgeben 8 Räume auf drei Seiten einen Hof. Bei dem zweiten waren zum unteren Teile der Türleibung Sandsteinplatten mit eigentümlicher Spiralverzierung verwendet (Tf. 91 c), die vielleicht Hälften von Hathor- pfeilerkapitälen sind, so daß der Gedanke naheliegt, der Bau könne ein Hathortempel gewesen sein (Bliss Teil el Hesy S. 73 ff.; Petrie Teil el Hesy S. 22 ff., Tf. 2; S. 33 ff., Tf. 4; Arch. Anz. 1908S. 20 ff. H. Thier sch). Auf ein großes Gebäude in Gezer deutet ein mit einer tief eingegrabenen Hieroglyphe geschmückter Baustein (Macalister Gezer II 307 f. Abb.446). In Byblos {gbel) ist ein äg. Tempel aus sehr alter Zeit nachgewiesen (Monuments et memoires 25 [1921—-22] S. 237 ff. P. Montet). Das kyprische Ka¬ pital von Megiddo wurde bereits erwähnt; s. Ägäischer Einfluß auf Pal. - Syrien § 4. Sonst s. Byblos, Hilani. R. Ph. Spiers The Architeclural Remains of Palestine bei Wilson-Warren The Recovery of Jerusalem 1871 S. 388 ff.; CI. R. ConderiVufes on Architeclure in Palestine PEF Memoirs 3 (1883) S. 441 ff.; J. Benzinger Hebräische Ar¬ chäologie2 1907 S. 208 ff.; A. C. Dickie The Jews as Builders PEF Quart. Stat. 48 (1916) S. 26 ff.; H. Gut he Kurzes Bibelwörterbuch 1903 S. 73. Peter Thomsen D. Vorderasien. § 1—8. Babylonien und Assyrien. — § 9. Het¬ titer. — § 10. Aramäer. (Tf. 92—102) § I. In Babylonien und Assyrien ist die Baukunst der älteren Zeit mangels guter Ausgrabungen wenig bekannt. Die Kenntnis beschränkt sich im allg. auf die einzelnen Bau¬ elemente, während die Entwicklung der Raum- und der äußeren Bauformen noch ziemlich unklar ist. In Babylonien legte man mehr Wert auf den Bau von Tempeln, wie namentlich auch aus den Inschriften her¬ vorgeht, wogegen die Assyrer die Profan¬ bauten bevorzugten und die Tempel mehr einen kapellenartigcn Charakter haben gegenüber den großartigen Königspalästen. Die Tempel spielten in Assyrien eine so geringe Rolle, daß man die Tempel zweier Gottheiten in einem Komplex vereinigte, so in Assur der Anu-Adadtempel (Tf. 99a), der Sin-Schamaschtempel, der Tempel der Aschuritu-Dinitu. § 2. Über die Baukunst im allg. läßt sich Folgendes sagen: Auf die Ausge¬ staltung der Baukunst hatten die Bau¬ stoffe (s. d. D) natürlich den entscheidenden Einfluß. Der Untergrund bestand aus einer Lehmziegelpackung, worauf man niedrige Steinfundamente der Mauern legte, die ihrerseits wieder aus Lehmzie¬ geln erbaut wurden. Im Innern verwen¬ dete man als Wandverkleidungen steinerne Orthostaten. Im oberen Teil waren die Wände mit dünnem Putz aus einem Gemisch von Kalk und Gips bestrichen. Die Außenseiten der Gebäude von Bedeu¬ tung waren durch Risalite und turmartige Vorsprünge, im einzelnen auch durch ab¬ getreppte Rillen oder durch Halb- und Viertelrundstäbe gegliedert. Häufig sind auch diese geputzt. Bei massigeren Bauten verbrämte man die Außenwände auch mit gebrannten Ziegeln, die mitunter farbig gla¬ siert und ornamentiert waren. Fenster sind selten (s.u.). Dagegen sind die Türen meist von ansehnlicher Breite, häufig wohl nicht verschlossen, sondern offen und eigneten sich bei der in jenen Gegenden herrschenden Helligkeit dazu, auch dahintergelegenen Räumlichkeiten gutes Licht zu geben. Kleinere Zimmer waren mit Lehmziegeln gewölbt, größere aber mit Balkendecken versehen. Obere Stockwerke, wenn sie vorhanden waren, bestanden aus Holz- konstruktionen und waren durch Fenster er¬ leuchtet. Gewölbe(s.d.D) haben sich erhalten bei Kanalisationsanlagen, meist in Spitz¬ bogenform aus Lehm- und Brandziegeln konstruiert; ferner bei Grabkammern und bei Rundhäusern. Die Gewölbe sind teils echt, teils falsch mit vorgekragten Ziegeln. Säulen wurden erst in später Zeit (um 1100) zu Bauten verwendet, sie hatten steinerne Basen und waren aus Holz. Die Dächer waren flach und am Rande mit treppenförmigen Zinnen besetzt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0001_0513.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)