Volume 1
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![nicht einwandfrei nachgewiesen) und kom¬ men deshalb als Bausteine nicht in Be¬ tracht. Weiter verbreitet ist der nubische Sandstein (vom Libanon an südwärts am Ostrandc des Jordantalgrabens und des Toten Meeres bis weit über Petra hinaus), doch ist auch er kaum benutzt worden. Dagegen liefern die Mergel und Kalke des Cenoman und Turon eine ganze Reihe von Bausteinsorten: a) mizzi jehüdi, die ge¬ wöhnlichste Sorte, dunkelgrau, oft auch gelblich oder rötlich, hart und schwer (be¬ steht aus 87, 84% CaC03; 7,10 % Mg C03; 3,51 % Si 0:; 0,32 % Fez 03; 1,08 % Ah 03; PEF Quart. Stat. 47 [1915] S. 50 f. N. Knight); b) mizzi a/imar, Fleckenmarmor, grau und unregelmäßig rot gefärbt, oder einfarbig roter Marmor; c) derjäsini (nach dem Dorfe der jäsin w. von Jerusalem) Plattenkalk grau und rot, heute zu Boden¬ platten, Türbalken und Gewölbebogen ver¬ wendet; d) meleke körniger Marmor mit schwacher Rosafärbung, leicht und gut zu bearbeiten, wird an der Luft härter (eine Analyse ergab Ca C03 99, 32 %, Mg C03 0.67%; PEF Quart. Stat. 47 [1915] S. 50L N. K n i g h t); e) mizzihclu, echter Kalkstein, weicher als a und c, heute zum Hausbau, zu Fenster- und Türumrahmungen ge¬ braucht, im Altertum in großen Blöcken gebrochen, wie sie z. B. in der Umfassungs¬ mauer des Tempels liegen (besteht aus 55 % Ca 0; 43 % CCb; 0,19 % Mg O und 0,41 % Ah 03 -p Fe2, 03; SB. der niederrhein. Ges. f. Natur- u. Heilkunde 1902 S. 60 Block). Diese Schichten erstrecken sich über ganz Palästina und Syrien, so daß überall damit gebaut werden konnte, besonders in Jeru¬ salem (Sellin Tacannek S. 47: Die West¬ burg). Ebenso weit verbreitet ist das Senon, aus dem der untere Kalküle gewonnen wird, ein milder Kreidekalk, weicher als mizzi Jielu, der sich mit Säge und Messer leicht bearbeiten läßt und gern zu Grab¬ steinen benutzt wird (Analyse: 96,91 % Ca C03; o, 19 %Ah03; 0,17 %FeO; i,io% SiCh; 1,57% LLO; Spuren von Fca 03). Zum oberen Kalküle gehören der bei bet sähur gebrochene mizzi a/idar, ein blau- grüner Marmor mit rosa- und braunroten Flecken, der wegen seiner Farbe sehr ge¬ schätzt und gut bezahlt wird, sowie der in Bethlehem zu Schalen und Schmucksachen verarbeitete Stein von nebi musa, ein schwarzer, bituminöser Asphaltkalk. Die über das ganze Land ausgebreitete kalkige Oberflächenkruste liefert den näri, der schwach fleischrot oder schmutzig hellrot gefärbt und feuerfest ist (Sellin Tcfannek S. 47: daraus alle Gebäude außer der West¬ burg und den unterirdischen Räumen [Tf. 90 b]; Sellin -Watzinger Jericho S. 55; Schumacher Mutesellim S.u, 91, 105,120; ■ ein Gesimsstück der 6. Schicht S. 144). '■ Krctazcischc, basaltische Eruptivgesteine sind im Karmelgebirge und ö. vom Toten Meere hervorgetreten, während jungvul¬ kanische Basalte weithin den haurän, den gölän und ein Gebiet sw. vom See Gcneza- reth bedecken. Hier ist deshalb seit alter Zeit viel mit Basalt (hagar aswad) gebaut j worden, den man auch sonst gern zu Tor¬ pfannen und Schwellen verwendete (Schu¬ macher Mutesellim S. 78, 144; ein Gesims¬ stück S. 127). M. Blanckenhorn Syrien in seiner geologi¬ schen Vergangenheit ZdPV 15 (1S92) S. 40 ff.; ders. Geologie der näheren Umgebung von Jerusa¬ lem ZdPV 28 (1905) S. 75 ff.; ders. Kurzer Abriß der Geologie Palästinas ZdPV 35 (1912) S. 113 ff. mit Karte. Peter Thomsen D. Vorderasien. Als wichtigstes Ma¬ terial diente in Mesopotamien: I. der an¬ stehende Lehm für die Bauwerke. Er wurde zu Ziegeln geformt, die entweder nur an der Sonne getrocknet als Lehmziegel (libittu) oder im Feuer gebrannt als Brand¬ ziegel (agurru) verwendet wurden (s. Zie¬ ge 1D); 2. benutzte man dasS tein material, das nur in Assyrien und in Südbabylonien in Eridu, wo es ansteht, in größerem Maß- stabc für Fundamente und untere Mauer- Teile gebraucht wurde, im übrigen Meso¬ potamien aber eingeführt wurde (s. Stein Di); 3. Als Bindemittel der Ziegel verwendete man Rohrmatten (burü) (MVAG 1907, 3 S. 20f. B. Meissner), ferner 4. den As¬ phalt (kupru, iddü), den Gudea aus Madga (am Adhem?), die Assyrer vom heutigen Hit importierten. Der Fußboden der Bade- und Toilettcnanlagen wurde ebenfalls as¬ phaltiert. 5. Der Gipsmörtel (gassu) kam in neubabyl. Zeit auf (s. Stein Di). 6. Zur Bedachung der Gebäude wurden feine Hölzer von weither eingeführt: Zedern (ierinu)- und Zypressen [surmenu)-\vo\z vom Amanus und Libanon; ferner Platanen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0001_0543.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)