Volume 14
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
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Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
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![a. a. 0. Tf. 45, 34—37) und in einen primi¬ tiven Entenkopf auslaufende bronzene Gürtel¬ haken (ebd. Tf. 46, 32), daneben auch jüngere eiserne Typen, die sich schon der Schnallenform nähern (ebd. Tf. 45, 26; 46, 28), und gegen Ende der LTZ auch wirkliche Schnallen (ebd. Tf. 45, 38—46). Nur ganz kurz sei endlich noch auf die öfter vorkommenden LTZ-Ketten und den in den mannigfachsten Formen auftretenden Hänge¬ schmuck hingewiesen (v.Miske a.a. 0. Tf. 45 und 46). Ebenso sei hier noch der figürlichen Darstellungen aus Bronze gedacht, unter denen freilich menschliche Figuren, wie ein Stück von Ödenburg, recht selten erscheinen. § 6. Sehr groß ist auch der Formen¬ bestand an Gebrauchs-, Wirtschafts- und Arbeitsgeräten, und in Szalacska (s. d.) ist sogar eine ganze Werk- und Münzprägstätte mit allem Zubehör zum Vorschein gekom¬ men. Häufiger auftretende charakteristische Formen sind große, schwere Eisenäxte mit einseitigen, fast oder ganz geschlossenen Lappen (Loväcska, Gallishegy, Velem St. Vid u. a.; v. Miske Tf. 47, 1—3; 52, 4—5), wie sie in ganz gleicher Form auch in La Tene (s. d.), Stradonitz (s. d.), Bibracte (s. d.) usw. wiederkehren, eiserne Messer verschiedenen Typus (darunter auch dem Weinbau dienende Rebmesser), Scheren, Feilen, Luppenzangen und Feuerschürer (ähnlich denen von Stra¬ donitz und vom Mont Beuvray), Eisensicheln, Löffel, Bohrer (LTZ D-Formen), Meißel und Punzen, Nägel, eiserne Krempen oder Klam¬ mern von wechselnder Größe, Wagebalken, Ketten u. dgl. m. Auch chirurgische Instru¬ mente haben sich öfter gefunden, besonders Pflasterspatel, bronzene Sonden u. dgl. (v. Miske a. a. 0. Tf. 45, 32—33), wie sie ähnlich auch in Aquileja, Stradonitz und auf dem Mont Beuvray Vorkommen. Ja, in einem Grabe von Kisköszeg soll sich sogar ein ganzes Amputationsbesteck mit Wundhaken, Elevatorium, Raspatorium, Schlingenführer usw. gefunden haben (Präh. Z. 5 S. 595 f. Ebert und Sudhoff), für das der von Ried (Archiv f. Anthr. NF 12 S. 225ff.) ver¬ öffentlichte Münchener Fund eine Parallele bildet, und das vielleicht griech. Provenienz ist (s. Kisköszeg). § 7. Diese mannigfachen Geräteformen geben uns auch ein Bild von der Lebens¬ weise der latenezeitlichen Bewohner LT., das noch ergänzt wird durch die in den Gräbern und Siedelungen vorkommenden Tier- und Getreidereste u. dgl. Die Siedelungen liegen mit Vorliebe an schwer zugänglichen Steil¬ hängen (Lechinta-de-Mures, Kom. Torda, Loväcska- und Gallisberg beiMunkäcs; Fels¬ schlucht Szädelö, Kom. Abaüj u. a.). Die Wohnungen bestehen hier aus 5—6 m 1., 0,60 —1,00 m t. Viereckgruben, über denen sich das wahrscheinlich von Eisenbändern getragene Dach erhob (s. Munkäcs). Eine Gliederung des Innenraumes fehlt anscheinend. § 8. Die herrschende Bestattungsform ist in der LTZ B-Stufe, wie auch im benach¬ barten Rumänien (Gruia u. a.), noch durch¬ aus die brandlose Bestattung in Flach- oder Hügelgräbern. In der III. Lat£ne-Stufe treten daneben aber auch schon häufig Brandgräber (Csabrendek; Apahida; Balsa, Kom. Szabolcs und zahlreiche andere) auf, die gleichfalls in Rumänien (Tino- sul, Piscul-Crasani, Piscul-Coconi; Dacia 1 S. 187) wiederkehren. Man hat diese Brandgräber der keltisierten alteingesessenen Bevölkerung, die von jeher die Brand¬ bestattung übte, zuschreiben wollen. Doch liegt zu dieser Annahme keine Veranlassung vor, da die Brandgräber in ihrer Aus¬ stattung sich in nichts von den gleich- alterigen Skelettgräbern unterscheiden und der gleiche Wechsel der Bestattungsform innerhalb der III. Latene-Stufe auch in anderen keltischen Gebieten zu beob¬ achten ist (Mainz. Z. 8/9 [1913/14] S. in ff. Reinecke). Vor allem aber dürften die Brandgräber mit Wagenresten (z. B. Balsa: Dolgozatok 1915 S. 25 Abb. 8) den Kelten zuzuschreiben sein, da Wagengräber, die in U. auch sonst noch recht häufig Vorkom¬ men (Teteny, Sär-Szent-Miklös, Somodor, Nagylok, Duna-Földvär, Ö-Buda, Zsämbek) eine ausgesprochene kelt. Grabsitte bilden. Neben Wagengräbern finden sich vereinzelt auch noch Reitergräber, so in Gyoma, Kom. Szatmär. S. a. Wagengrab A. § 9. Der erste Einbruch der Kelten ist jedenfalls, wie die oben (§ 2) erwähnten keramischen Formen von nordbayer.-böhm. Gepräge (Linsenflaschen u. dgl.) zeigen, im Beginn des 4. Jh. v. C. von Böhmen her nach NW-Ungarn und Pannonien erfolgt, wo frei¬ lich die zahlreichen, um diese Zeit erheblich verstärkten Befestigungsanlagen der altein-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0014_0061.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)