Volume 14
Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert.
- Max Ebert
- Date:
- 1924-32
Licence: In copyright
Credit: Reallexikon der Vorgeschichte : unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter / herausgegeben von Max Ebert. Source: Wellcome Collection.
74/732 (page 34)
![URNENFELDERKULTÜR, SÜDDEUTSCHE—URNENGRAB die sich in den durchschnittlich 6 m breiten Toren des inneren Grabens finden, hufeisen¬ förmige Pfahlgräbchen, sind die Reste vor¬ übergehender Verrammlungen der Tore, wie sie auch in Mayen (s. d.) gefunden wurden, nicht ständiger Torbauten (Band III Tf. 63). Dafür sprechen auch die völlig un¬ regelmäßigen Verrammlungen, die man in einzelnen Toren gefunden hat. Die Tor¬ durchgänge der Palisade sind nur 1—1,5 m breit. Eine Reihe von Hüttenstellen im Innern des Erdwerks und die Einschlüsse der Sohlgräben ergaben typisches Inventar der Michelsberger Periode (s. Michelsberger Typus). Eine Reihe von Gefäßen und Scherben vom Typus der „Schnurzonen¬ becher“ (s. d.), die im Innern und in der Nähe der Festung gefunden wurden, stammen wohl aus Gräbern, die nichts mehr mit dieser zu tun haben, scheinbar Hockergräbern mit facettierten Hämmern. In einem Falle ist auch eine Steinkiste nachgewiesen. Eine Siedlung des Rössen-Niersteiner Typus ist etwa 1 Stunde entfernt nahe dem Jägerhause bei Mülheim gefunden. S.a. Festung A § 1 f. BJ 104 (1899) S. iff. H. Nissen und C. Koe- nen; ebd. 105 (1900) S. i64ff., ebd. 107 (1901) S. 203ff., ebd. 110 (1903) S. 131 ff.; Präh. Z. 2 (1910) S. 8ff. H. Lehner; Mannus 2 (1910) S.49f. A. Günther; K. Schumacher Materialien zur Besiedlungsgeschichte Deutschlands 1913 S. 77; ders. Rheinlande I (1921) S. 26f.; Schnurzonen¬ becher: BJ 110 (1903) S. 135h Tf. 7; Mannus 2 (1910) S. 56, 177ff. A. Günther; Jägerhaus: Günther a. a. 0. S. 51 ff. -j- Bremer Urnenfelderkultur, Süddeutsche. Die südd. Urnenfelderkultur ist eine spätbronzezeitl. Per., die ganz vereinzelt schon Eisen kennt, allerdings nur in kleinen Mengen als Schmuck¬ einlage in Schwertgriffen und Armringen ver¬ wendet. Darum haben zuerst Reinecke (AuhV 5 S. 239f.) und nach ihm andere die südd. Urnenfelderstufe als erste Per. der HZ angesprochen, allerdings ohne damit durchzudringen. Die bisherige Zuteilung zur BZ haben verteidigt Schliz (Archiv f. Anthr. 1910 S. 241), Dechelette (Manuel II 1 [1910] S. 104 Anm. 2), Kossinna (Mannus 8 [1917] S. 73 Anm. 2) und Schu¬ macher (10. Ber. röm.-germ. Kom. 1917 S. 53 f.; Rheinlande I [1921] S. 61), denen auch wir hier folgen. Der Ursprung der U. ist noch nicht ge¬ klärt. Sie breitet sich in den Haupttälern Süddeutschlands aus, nach Schumacher {Rheinlande I [1921] S. 70L) von SO kom¬ mend, vielleicht als „Nachkommen der Band¬ keramiker, die an die Alpenränder, nament¬ lich die Ostalpen zurückgedrängt wurden“, während Wolff (Arch. f. hess. Gesch. NF 13 [1920] S. 21) die Urnenfelderleute der Wetterau als Nachkommen der einheimischen Bandkeramiker, vielleicht vermischt mit den Vertretern der Hügelgräberbronzezeit, an¬ spricht. Schuchhardt wiederum {Alt¬ europa1 S. 270) glaubt an die Zuwanderung einer neuen Bevölkerung, die „offenbar von der alten Bevölkerung aufgesogen worden ist, denn die dann folgende Hallstattkultur ignoriert ihren Hausrat und baut weiter auf der Grundlage der alten Hügelgräberzeit“. Ihre Verbreitung durch die fruchtbarsten Täler Süddeutschlands erstreckt sich von den Alpen bis zur Mainlinie, überschreitet diese nur im Unterlauf des Flusses, dringt aber hier weit nach Mitteldeutschland vor bis in die Kasseler Gegend. Rheinabwärts ist sie zu verfolgen bis zum Siebengebirge, nach W bis zur unteren Saar und weit nach Frankreich(s. d. C)hinein. Näheres s.Mittel¬ und Süddeutschland C. AuhV 5 S. 239ff. P. Reinecke; Behrens Bronzezeit S. 269ff.; 10. Ber. röm.-germ. Kom. 1917 S. 47ff. Schumacher; ders. Rhein¬ lande I (1921) S. 7off.; [BJ 131 (1926) S. 154ff. G. Kraft]. Behrens Urnengrab. § 1. Im Gegensatz zu den Brandgruben (s. d.)- und Brandflächen¬ gräbern, bei denen die Leichenbrandreste in vergänglichen Behältern, wie Leder¬ beuteln, Holzkisten u. dgl., beigesetzt oder auf dem Boden des Grabes ausgebreitet wur¬ den, versteht man unter U. solche Brand¬ gräber, in denen die vom Scheiterhaufen sorgfältig gesammelten und von Asche, Kohle und Erde gesäuberten und gewaschenen Knochenteile in einem besonderen Ossuarium bestattet sind. In den älteren Gräberfeldern werden hierzu nur Tongefäße verwendet, deren Form im allgemeinen der des ge¬ wöhnlichen Gebrauchsgeschirrs gleicht. Doch mögen sie vielfach zu funeralen Zwecken besonders angefertigt worden sein. Mit Bestimmtheit muß man dies für die von der frühen HZ ab in Italien und Skandi¬ navien fast gleichzeitig auftretenden Haus¬ urnen (s. d.) annehmen, die sich von hier aus bis in das Harz- und mittlere Elbe-Gebiet](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29931125_0014_0074.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)