Die Pathologie und Therapie der Nierenkrankheiten : klinisch bearbeitet / von Siegmund Rosenstein.
- Rosenstein Siegmund (Siegmund Samuel), 1832-1906.
- Date:
- 1886
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Credit: Die Pathologie und Therapie der Nierenkrankheiten : klinisch bearbeitet / von Siegmund Rosenstein. Source: Wellcome Collection.
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![unversehrt, nur nach längerem Verbleib ausserhalb des Organismus (es sei im Harn, es sei auf dem Deckglase) werden ihre Contouren zackig, indem die Hüllen schrumpfen. Bisweilen aber, es sei unter der Einwirkung von bestimmten Stoffen, welche wie bei Intoxioationen (Gallensäure, Phosphor, Arsenwasserstoff u. a.) die Blutkörperchen auflösen, oder nach Transfusionen von Blut einer fremden Species, oder bei Dissolutionszuständen (Sep- ticämie), es sei unter bislang völlig unbekannten Verhältnissen (nur in den seltensten Fällen ist Erkältung [Rosen bach] oder an- strengender Marsch [Fleischer] als ätiologisches Moment constatirt), bald dauernd, bald anfallsweise kann der Harn lichtbraunroth oder tiefschwarz gefärbt sein, und diese Färbung von Blut herrühren, ohne dass Blutkörperchen im Harn zu finden sind. Die Färbung rührt dann von aufgelöstem Blutroth her, das dem vom Stroma der Blutkörperchen befreiten Hämatoglobulin entstammt. Die Spectralanalyse ist in diesem Falle das sicherste Erkennungsmittel, da sie im Spectrum von solchem Harn meist drei Absorptions- streifen zwischen C und E zeigt, von denen der nahe bei C ge- legene für das Methämoglobin charakteristisch ist (Hoppe-Seyl er). In ganz seltenen Fällen sind nur die beiden Streifen des Oxy- hämoglobin zu erkennen. Die mikroskopische Untersuchung lässt im Sedimente solchen Harns eine Menge amorphen schwarzen Pig- mentes erkennen, ausserdem auch häufig, nicht constant, Krystalle von oxalsaurem Kalk und Harnsäure. (Eine genaue Zusammen- stellung aller bis dahin beobachteten Fälle von paroxysmaler Hämoglobinurie, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, findet sich in der werthvollen Schrift von Lepine (Fortschritte der Nierenpathologie, 1884). Während die Hämoglobinurie in den meisten Fällen nur Theilerscheinung der Hämoglobinurie ist, wird ihre Entstehung hin und wieder auch in den Nieren selbst gesucht. Es ist wahrscheinlich, dass in diesen seltenen Fällen der Harn selbst Stoffe enthält, welche auflösend auf die Blutkörperchen wir- ken. Dr. van Rossem hat in seiner Dissertation, in der ein von mir beobachteter Fall veröffentlicht ist, Versuche mitgetheilt, in denen oxalsaures Natron auflösend auf die Blutkörperchen wirkte. Es ist übrigens selbstverständlich, dass der bluthaltige Harn immer eiweisshaltig, und dass das Blut als alkalische Flüssigkeit die Säure desselben abstumpft. Doch wäre es sehr irrthtimlich, zu meinen, dass bluthaltiger Harn alkalisch sein müsste. Auch](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718222_0065.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)