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Credit: Über chronische Alkoholpsychosen / von Paul Schröder. Source: Wellcome Collection.
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![Geisteskrankheiten hervorrufen“. Roubinovitsch hat unter dem Einfluss des Alkoholismus die verschiedensten Psychosen ausbrechen sehen, die nichts spezifisches haben. Demgegenüber raten andere Autoren (u. a. Dagonet, Brody de Lamotte, Kirchhoff, auch Schüle und namentlich v. Speyr) zur Vor- sicht bei der Anwendung der Bezeichnung Alkoholpsychose. Den extremsten Standpunkt nimmt Bonhoeffer ein, der dazu neigt, vorläufig an der rein alkoholischen Ätiologie aller Fälle zu zweifeln, die über den Rahmen der von ihm scharf um- schriebenen Typen hinausgehen. Einen der Hauptgründe für diese weitgehende Verschieden- heit in der Auffassung werden wir ohne weiteres in der Ver- schiedenheit zu suchen haben, mit welcher die einzelnen Autoren den Begriff Ätiologie präzisieren. Dem einen genügt das Vor- handensein des fortgesetzten Alkoholmissbrauches oder das gleichzeitige Bestehen zweifellos alkoholisch bedingter Störungen, der andere behält fortgesetzt die Schwierigkeiten im Auge, die sich uns heute noch bei allen Versuchen entgegenstellen, be- stimmte Krankheitsformen auf bestimmte Ursachen zurückzu- führen, Schwierigkeiten, die, Avie die Erfahrung lehrt, ganz besonders gross sind im Gebiet des Alkoholismus. Dass ,,nicht jede bei einem Gewohnheitstrinker entstandene Geistesstörung eine alkoholische“ ist, darüber sind sich wohl alle einig, die Differenzen sind vorwiegend gradueller Art. Bei einer erheblichen Anzahl von Trinkern kommt es im Laufe der Zeit zu einem psychischen Defektzustand, dessen charakteristische Züge von den Autoren in ziemlich überein- stimmender Weise geschildert werden. Nach Kraepelin kenn- zeichnen ihn: Verarmung des Vorstellungsschatzes, Einengung des Gesichtskreises, Abnahme der Urteilsfähigkeit, Gedächtnis- störungen und Erinnerungsfälschungen, ferner sittliche Verroh- ung, erhöhtes Selbstgefühl, Uneinsichtigkeit, Reizbarkeit und humoristische Stimmung. Daneben kommen, auch ohne aus- ges])rochene Delirien oder Halluzinosen, vereinzelte Halluzi- nationen und Angstznstände, ferner namentlich wahnhafte Eifer- suchtsideen und auf dem Boden von Misstrauen und Egoismus diffuse Beeinträchtigungsideen A'or. All diese Wahnideen pflegen nach ErzAvingung der Abstinenz rasch zu verschwinden, um](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22397796_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)