Medecinisches aus der altfranzosischen Dichtung / von Oscar Kühn.
- Oscar C. Kuehn
- Date:
- 1904
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Credit: Medecinisches aus der altfranzosischen Dichtung / von Oscar Kühn. Source: Wellcome Collection.
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![bleibt, so daß sie der Archidiakonus und die fünf Nonnen, die sie genau untersuchen, als eine „richtige Jungfrau erfinden, i) Auch andere Nonnen vermögen nicht das geringste Anzeichen ihres Vergehens zu entdecken. 2) Statt der Jungfrau Maria können auch andere Heilige, die sich durch ihren frommen Lebenswandel die Gnade Gottes erworben haben, derartige übernatürliche Hei- lungen ausführen, die für gewöhnliche Sterbliche unmöglich sind; sie bedienen sich dabei aber nie menschlicher Heilmittel. So ist die heilige Flourence infolge ihres christlichen martervollen Lebens von Gott mit der Gabe beschenkt worden, alle Kranken zu heilen. 3) Durch bloßes Handauflegen heilt sie den durch ein Geschoß tödlich verwundeten Kaiser, dem kein Arzt helfen kann;*) infolge ihrer Berührung mit der Hand nämlich springt die Eisen- spitze des Geschosses von selbst heraus.5) Auch die heilige Elisabeth ist imstande, den Kranken die Gesundheit wiederzu- geben, und heilt im besonderen Gelähmte, Taube und Törichte.^) Sie vermag sogar Tote wieder lebendig zu machen^) und gibt einem Blinden das Augenlicht wieder.^) Die Hauptfundgrube für derartige, 1) Fabl. Legr. d'A., V, de l'ab^esse qui fut grosse, S. 4 (des Textabdruckes). 2) ib., S. 5, — Vgl. auch das rairacle „de l'abbeesse grosse (Mir. de N. D., I, S. 57 ff.), dessen Vorlage diese Erzählung gewesen ist. Vgl. darüber H. C. Jensen: „Die <Miracles de Nostre Dame par personnages> untersucht in ihrem Verhältnis zu Gautier de Coincy. Bonn 1892. (Heidelberger Diss.) S. 89. — Bei Gautier de Coincy findet sich eine ähnliche Erzählung, die wohl mit der eben geschilderten in Beziehung steht, ausnahmsweise aber nicht, wie schon erwähnt, (nach Jensen, V. a. O., S. 89) die Vorlage für das betreffende miracle gewesen ist. An einigen Stellen weichen die beiden Erzählungen von einander ab. So vertritt bei Gautier de Coincy Maria nicht selbst die Stelle der Hebamme, sondern die beiden sie begleitenden Engel („Ztschr. f. rom. Phil. [Gröber], VI, S. 336, c'est d'une abeesse qui molt amoit sainte Marie, V. 139 ff.); auch wird hier, bei Gautier, die Äbtissin zuerst von zwei clercs, die sie „schlanker und glatter als eine Jungfrau von zelin Jahren erfinden, untersucht (ib., S. 337, V. 270 ff.), sodann vom Bischof selbst (ib., S..338, V. 299 ff.). 3) Jub. cont., I, le dit de Flourence, S. iio f. 4 ib., S. III. 6) ib., S. 116. 6) Ruteb., II, la vie Sainte Elysabel, S. 153 u. 224. 7) Unzweifelhaft das größte Wunder, das eine heilige Person ausführen konnte! Dem Tode gegenüber ist jeder menschliche Arzt machtlos (Fabl. Barb.-M., IV, le credo ä l'userier, S. 113, V, 225 ff.), denn für den Tod ist „kein Kräutlein gewachsen (Jourd. de Blaiv., V. 3254). 8) Ruteb., II, la vie Saint Elysabel, S. 222.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22651408_0100.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)