Medecinisches aus der altfranzosischen Dichtung / von Oscar Kühn.
- Oscar C. Kuehn
- Date:
- 1904
Licence: In copyright
Credit: Medecinisches aus der altfranzosischen Dichtung / von Oscar Kühn. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by Royal College of Physicians, London. The original may be consulted at Royal College of Physicians, London.
151/162 (page 141)
![Räude scheint in damaliger Zeit sehr verbreitet gewesen zu sein, da uns in der altfranzösischen Dichtung gar häufig Leute begegnen, die mit ihr behaftet sind. Im besonderen weiß die „fablel-Dichtung öfter von Räudigen zu berichten, die hier, ebenso wie die Blinden und Buckligen, eine stehende Figur bilden. So hörten wir bereits von einem räudigen, buckeligen, einäugigen, verkrüppelten und krummarmigen Mannet) (S. 107.) An anderer Stelle wird uns von einem räudigen und buckligen Manne erzählt, Ebenso hören wir von einem räudigen, einäugigen Mädchen, dessen Mund voll von eitrigem Schleim istl) Auch wird uns von einem räudigen, einäugigen Kinde berichtet, das, wie wir S. 71 sahen, von der Nonne Ermenjart im Kloster zu Marburg liebevoll gepflegt wurde.*) Man unterschied drei Arten von Räude, die wir sämtlich bei dem Wassersüchtigen in den ,,mir. de S. Genev. antreffen. Dieser leidet nämlich an der durch die Lepra hervorgerufenen Räude (rafle, rifle), — ist also aussätzig — sowie an eingewurzelter Krätze (roigne) und an der gewöhnlichen (grindigen) Räude (taigne).^) — Infolge ihrer un- sauberen Krankheit verbreiten die Räudigen einen üblen Geruch um sich her, weshalb sie nach den spöttischen Worten des Guiot de Provins gut zu denjenigen Leuten passen, denen stets ein widerlicher Gestank anhaftet.*^) Wie noch heutzutage, so gebrauchte man auch in damaliger Zeit das Wort ,,räudig (ebenso wie ,,aus- sätzig, vgl. S. 137) als Schimpfwort, um seine Verachtung auszu- drücken.'') [raim de passion ^) = ? (unbekannte Krankheit).] raus^) = heiser (vgl. God., VI, S. 622; God. Compl., X, S. 489); enroer^^) = heiser werden (vgl. God. Compl., IX, s. 476.) rougole^^) = Masern (vgl. God., VII, S. 246; God. Compl., X, S. 595). 1) Fabl.-Barb.-M., II, d'un versefierres et d'un bo?u, S. 76, V. 18 ff. 2) Fabl. Barb.-M., II, le castoiement d'un pere k son fils, conte HI, S. 64. 3) Fabl. Barb.-M., IV, de Audigier, S. 219, V. 65 ff. Ruteb., II, la vie Sainte Elysabel, S. 207. 5) Jub. myst., l, les mir. de S. Genev., S. 283. 6) Fabl. Barb.-M., II, la bible Guiot de Provins, S. 591, V •'öos ff 7) Ren., I, Nr. Ib, V. 3152. 8) Ruteb., I, Ci comence l'erberie, S. 471. 9) Fabl. Barb.-M., I, Che sont h congie Baude Fastoul d'Aras R ioa V 3 10) Ambr., V.4270. . -• -4, . 3](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22651408_0151.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)