Medecinisches aus der altfranzosischen Dichtung / von Oscar Kühn.
- Oscar C. Kuehn
- Date:
- 1904
Licence: In copyright
Credit: Medecinisches aus der altfranzosischen Dichtung / von Oscar Kühn. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by Royal College of Physicians, London. The original may be consulted at Royal College of Physicians, London.
62/162 (page 52)
![wo ihnen in der angegebenen Weise Geschwüre beigebracht wurden, Auch der Hinkende in der moraUte „de l'aveugle et du boiteux will sich Geschwüre bereiten. Da er die Salben und Kräuter, die dazu nötig sind, genau kennt, wird es ihm nach seiner Meinung nicht schwer fallen, den Anschein zu erwecken, daß sein Bein vom „Übel des heiligen Antonius (d. h. von Geschwüren) ergriffen sei. Diese Geschwüre wird er dann so lange reiben, bis er mehr als Speck glänzen wird.^) Ebenso werden uns auch im Tier- schwank der Wahrheit entsprechende körperUche Krankheits- ursachen genannt. So wird durch kräftige Hiebe eine Ge- schwulst des Körpers verursacht, wie wir bei dem Hunde Roonel sehen, der von vier Bauern dermaßen durchgeprügelt wird, daß ihm die Beine anschwellen.^) Ebenfalls die sehr natürliche Folge von körperlichen Züchtigungen ist Gliederschmerz, über den sich der durchgeprügelte Wolf beklagt.*) Vor Hunger schmerzt Renart der Kopf.^) Ein Wehtun des Mundes wird durch zu vieles Gähnen veranlaßt, wie wir bei Ysengrin, dem Wolfe, sehen, der schon lange keine Nahrung gefunden hat und deshalb so oft vor Hunger gähnen muß, daß ihm der Mund schmerzt.^) Nur scherzhaft jedoch ist es aufzufassen, wenn wir in der „bataille des vins verschiedene Weine aufgeführt finden, die ganz be- stimmte Krankheiten hervorrufen. Danach soll man durch die Weine von Beauvais, Chälons [sur-Marne] und Etampes die Räude bekommen; der letztere führt außerdem auch Krämpfe herbei, und der von Chälons läßt noch Bauch und Fersen anschwellen.'') Ein „Bersten der Augen veranlaßt der Wein von AngeU infolge seiner Stärke.^) Zweifellos soll mit diesem bildlichen Aus- druck gemeint sein, daß man sich beim Trinken dieses starken Weines leicht berauscht, so daß man nicht mehr klar und deutlich 1) Fabl. Barb.-M., II, la bible Guiot de Provins, S. 371, V. 1999 ff. (Vgl. dazu auch ib., S. 463.) 2) Jac. rec, la moraliti^ de l'aveugle et du boiteux, S. 229. 3) Ren., II, Nr. XIII, V. 1318 ff. 4 Ren., I, Nr. VI, V. 665. 5) Ren., I, Nr. I, V. 1465 f. 6) Ren., I, Nr. III, V. 206. 7) Fabl. Barb.-M., I, la bataille des vins, S. 154, V. 49 ff. — Über die „bataille des vins und die darin vorkommenden Weinsorten, vgl. A. Schultz, a. a. O., I, S. 441 ff. 8) Fabl. Barb -M., I, la bataille des vins, S. 156, V. 123 ff.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22651408_0062.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)