Medecinisches aus der altfranzosischen Dichtung / von Oscar Kühn.
- Oscar C. Kuehn
- Date:
- 1904
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Credit: Medecinisches aus der altfranzosischen Dichtung / von Oscar Kühn. Source: Wellcome Collection.
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![= Grießkrankheit, gravelleux = grießkrank, hasle = Sonnenbrand. hasle = von der Sonne verbrannt, jaunisse') = Gelbsucht, mesekrie = Aussatz, mesel = aussätzig, preini = schwanger, (fievre) quartainne = viertägiges Fieber, rachoiis, rachat = räudig, {roigm = Räude.) tiergaine = dreitägiges Fieber. Außer diesen volkstümlich entwickelten lateinischen Namen begegnen uns in der altfranzösischen Dichtung auch solche, die deutschen Ursprungs sind. Da sie sämtlich volkstümliche Entwickelung zeigen, müssen sie schon frühe dem französischen Sprachschatze angehört haben. 2) Freilich sind es nur wenige Namen. Von Gebrechen: [%« = buckelig]. Von Krankheiten: clapoirre (clopaire) = Lustkrankheit.^) (gmtes) crampes = Krämpfe, raße, rifle, roiffe = Räude. Da nun aber diese bisher betrachteten, aus fremden Sprachen überkommenen Bezeichnungen von Krankheiten und Gebrechen allein nicht genügten, wurde man frühe dazu gedrängt, innerhalb des französischen Volkes selbst manchen bis dahin noch un- benannten Krankheiten und Gebrechen Namen zu geben, oder aber einem schon vorhandenen Namen wurde ein zweiter an die Seite gestellt. Diese Namen zeigen natürlich durchweg volkstümliches Gepräge, was aber bei ihrer Entstehungsart doch einen Schluß auf frühes Entstehen nicht zuläßt. Die Benennungen dieser Art be- stehen aus zusammengesetzten Ausdrücken und zwar einer- seits aus einem Körperteil und dessen Erkrankungsart und andererseits aus der allgemeinen Bezeichnung ,,Übel, „Krank- heit („mal) und dem Namen eines Heiligen. Bei der ersten Art dieser zusammengesetzten Ausdrücke nennt das eine Glied den betreffenden Körperteil, der von einem Ge- brechen oder einer Krankheit betroffen ist, während das andere Glied das Gebrechen oder die Krankheit selbst angibt. Von Gebrechen gehören folgende Bezeichnungen hierher: /e braz iort, les hraz iorz = krummarmig, mit verrenkten Armen. ks jambes molles = mit weichen Beinen, les pez larges e plaz — plattfüßig. 1) Im Gegensatz zu der gelehrten Bezeichnung ictericie (vgl. S. 64). 2) Auffällig ist hierbei, daß ein solches allbekanntes Gebrechen wie das Buckligsein und eine Krankheit wie die Krämpfe mit einem aus dem Germanischen stammenden Namen benannt wurden. .3) Vgl. God., II, S. 146.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22651408_0067.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)