Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum.
- Johann Ludwig Wilhelm Thudichum
- Date:
- 1901
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Credit: Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum. Source: Wellcome Collection.
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![Vauquelin, welcher eine Skizze der vor ihm angestellten chemischen Untersuchungen des Gehirns schrieb, hatte von den im obigen ■•angeführten Autoren keine Kenntnis und gab als ersten Versuch der Beobachtung chemischer Eigenschaften des Gehirns die Aufzeichnungen von Gurmann, welche sich auf die längere Erhaltung der Gehirnsubstanz im Schädel von Leichen bezogen. Vauquelin's Arbeit wurde zuerst von John ins Deutsche über- setzt, mit Noten und Zusätzen versehen, und in Schweigger's Journal, 8 (1813), 431 veröffentlicht. Eine eingehendere Auffassung der chemischen Eigentümlichkeit des Gehirns findet sich bereits in einer Note von Burrhus, eben- falls von Vauquelin angeführt, in welcher einige Bestandteile des Gehirns (die stickstoffhaltigen Lipotide) mit einem Oel, und an- dere (Cholesterol) mit Spermaceti verglichen werden. Die grossen Fortschritte der Chemie in Frankreich gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts veranlassten den berühmten Arzt Thouret, den Zeitgenossen und Freund Lavoisier's und Vauquelin's, chemische Untersuchungen am menschlichen Körper anzustellen; er wurde namentlich das Gehirn zu untersuchen ver- anlasst durch die viel Aufmerksamkeit erregenden Ausgrabungen auf dem Begräbnisplatz der Saints Innocents, wobei viele Teile der Leichen, namentlich die Gehirnsubstanz in den Schädeln, in einem auffallenden Zustand der anscheinenden Erhaltung gefunden wurden, während die betreffenden Leichen doch so viele Jahre in der Erde gelegen hatten, dass sie unter gewöhnlichen Umständen ganz zersetzt hätten sein sollen. Während andere Forscher nun sich hauptsächlich derjenigen Substanz zuwandten, welche damals den Namen Adipocire erhielt, machte Thouret (»Journ. de Phys.« 38 [1790], 329) einige Untersuchungen über diese Gehirne von dem Kirchhof und kam zu dem Schluss, dass sie hauptsächlich aus Seife bestünden, in welcher die Stelle des Fettes in der ge- wöhnlichen Seife durch eine dem Spermaceti ähnliche oder damit identische Substanz vertreten und daneben ein fixes Alkali vor- handen sei. Um diese Zeit unternahm Fourcroy (»Ann. de Chim.« 16 [1793]) 282) einige Untersuchungen über das Gehirn von Kälbern, Schafen und Menschen. Er zeigte, dass das Gehirn als Haupt- bestandteile eine eiweissartige, und eine besondere tier- ische Materie und kleine Mengen mineralischer Salze, na- mentlich die Phosphate des Ammoniaks, des Natrons und Kalkes enthalte. Er bestritt die Angabe von Thouret betreffs der Gegenwart von besonderen Fettsäuren, die mit einem fixen AlkaU zu einer Seife verbunden wären, vergass aber dabei, dass diaser Befund sich nur auf die ausgegrabenen verjährten und zer- setzten Gehirne von Leichen und nicht auf die Substanz von](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23984569_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


