Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum.
- Johann Ludwig Wilhelm Thudichum
- Date:
- 1901
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Credit: Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum. Source: Wellcome Collection.
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![frischen Organen bezogen hatte. Fourcroy behandelte Gehirn- substanz mit Wärme. Wasser, Schwefelsäure, verdünnter Salpeter- säure und Alkohol. Mit kochendem Alkohol zog er eine Substanz aus, welche sich beim Abkühlen der Lösung in glänzenden, gelb- lich weissen Plättchen absetzte. Dies war wohl hauptsächlich die- .selbe Substanz wie die, welche Burrhus und Thouret als dem Spermaccti analog betrachtet hatten, und welche wir nach der Be- schreibung als Cholesterol erkennen. Fourcroy zeigte, dass die Substanz von Spermaceti verschieden und eigentümlich sei, legte ihr aber keinen besonderen Namen bei. Es ist auffallend, dass Foucroy, obgleich er der Autor dieser Experimente ist, welche Vauquelin als die vollständigsten und erfolgreichsten, die je vor den seinigen angestellt wurden, bezeichnete, doch im vierten Band seines Werkes über Chemie, welches einige Jahre später als sein Aufsatz über das Gehirn erschien, keinerlei Nachrichten über die Gehirnsubstanz gab. (Ich beziehe mich hier auf die englische Aus- gabe in 4 Bänden von B. Heron, London 1796.) Im Jahr 1811 veröffentlichte Vauquelin (»Ann. du Mus. d'Hist. Nat.« 1811, p. 212—239; -^Ann. Chim. 81, 37; eng- lische Uebersetzung in »Ann. of Philos.« l, 332; deutsche in >Schweigger's J.« 8 [1813], 430-460) eine wichtige Unter- suchung über die Gehirn- und Nervensubstanz des Menschen und der Tiere, in welcher die folgenden Prozesse und Resultate auf- geführt werden. Menschliches Gehirn wurde in einem Mörser zerstampft und zerrieben, bis es einen gleichförmigen Teig vorstellte; es wurde dann mit 5 Teilen Alkohol von 36 Grad gemischt, 24 Stunden stehen gelassen, zum Kochen erhitzt und filtriert. Der Alkohol wurde grünlich*) und setzte beim Abkühlen eine weisse Materie, teils in Flocken, teils in Schuppen, ab. Nach 24stündigem Stehen wurde der Alkohol von dem Niederschlag abfiltriert; er hatte seine grünliche Farbe behalten und wurde beim Zusatz von Wasser milchig. Der Alkohol wurde dann auf ein Sechstel seines anfäng- lichen Volums eingedampft; er setzte während des Abkühlens eine ölige gelbliche flüssige Materie ab, welche auf den Boden des jetzt eine gelbe Flüssigkeit enthaltenden Gefässes sank. Diese Flüssig- keit ähnelte einer Gummilösung. Das Ausziehen des Gehirns mit *) Die grüne Farbe des Gehirns ist teilweise durch einen tluorescie- renden Bestandteil des Gehirns iKephalin), teils durch im Hirn enthaltenes Kupfer verursacht; allein die blaue Farbe zog Vauquelin aus seinem Filtrierpapier aus. Dieser Meinung war auchCouerbe, und ich selbst bin genötigt gewesen, den Gebrauch des für wässrige Lösungen ausgezeichnet dienstbaren grauen französischen Filtrierpapiers aufzugeben, weil die alkoho- lische Lösung der Hirnsubstanzen daraus einen blauen oder violetten Farb- stoff auszog. I*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23984569_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


