Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum.
- Johann Ludwig Wilhelm Thudichum
- Date:
- 1901
Licence: In copyright
Credit: Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by Royal College of Physicians, London. The original may be consulted at Royal College of Physicians, London.
55/364 page 39
![etwas variiert, sodass sein Produkt an Aetherextrakt kleine Schwank- ungen zeigt. Der Fötus im Uterus hat nur sehr wenig Aetherextrakt im Hirn und wenig Phrenosin-Substanz. Das neugeborene Tier hat schon mehr, und weniger Wasser. Die Entwickkmg der Fähig- keiten nimmt mit der Ablagerung der spezifischen Bestandteile zu. Die Beilagen zu v. B i b r a 's Arbeit, mit ihrem Schatz von sorgfältig ermittelten Thatsachen, sind von grossem physiologischem Interesse. Beim Anblick der Resultate von so viel emsigem und mühevollem Bestreben kann man sich des Bedauerns nicht er- wehren, dass es nicht von besseren Methoden geregelt war. Im Jahr 1857 erschien der erste Teil einer Abhandlung über die Chemie des Gehirns von W. Müller (Ann. Chem. 103 [1857], 131). Er scheint mit den meisten Untersuchungen Gobleys nicht bekannt gewesen zu sein und wiederholte anfangs einige Experimente von Lieb ig zur Auffindung von Kreatin in dem mit Barytwasser bereiteten Auszug des Hirns. Kreatin wurde nur aus Menschenhirn, nicht aus Ochsenhirn erhalten, wohl aber aus beiden eine Lösung von Eiweiss und anderen Substanzen in Baryt, aus welcher kein reines Edukt, auch nicht mit Hülfe von Alkohol, reines Cholesterin abgerechnet, dargestellt werden konnte. Um nun einen guten Wasserauszug zu erhalten, verfuhr er wie folgt. Die Hirnmasse wurde mit Wasser zu einer Milch zerrieben und diese mit Bleizuckerlösung vermischt, bis sie sich in eine oben klare blutrote Flüssigkeit und in einen Absatz von Hirnmasse teilte; nach 12- bis 18 stündigem Stehen wurde der Absatz auf einem feinen Sieb von der Flüssigkeit getrennt. Wenn nicht genug Blei- zucker zugesetzt war, blieb die Scheidung unvollständig, wurde aber durch weiteren Zusatz dieses Reagenzes komplet. Das Filtrat wurde auf ein Viertel verdampft und, da Blei- zucker keinen Niederschlag mehr gab, mit Bleiessig versetzt. Der weisse flockige Niederschlag wurde abfiltriert, der Ueberschuss von Blei aus dem Filtrat durch Schwefelwasserstoff entfernt, das Filtrat verdampft; der Rückstand wurde in verdünntem Weingeist gelöst, zur Entfernung der Essigsäure mit Schwefelsäure in Alkohol ge- mischt; der Ueberschuss der Schwefelsäure wurde durch Baryt ent- fernt und das Filtrat weiter behandelt. Der Bleiessigniederschlag aus dem Auszug von fünfzig Pfund Gehirn wurde mit Schwefelsäure zersetzt; die abfiltrierte Lösung wurde eingedampft und nahm eine braune Farbe an. Auf der Oberfläche bildete sich ein Häutchen von Krystallen, die sich beim Abkühlen und Stehen während mehrerer Tage noch vermehrten. Mit dem Krystalltäfelchen waren braune Körnchen gemischt. Die Krystalle sahen unter dem Mikroskop wie Harnsäure aus. Beide](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23984569_0055.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


