Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum.
- Johann Ludwig Wilhelm Thudichum
- Date:
- 1901
Licence: In copyright
Credit: Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by Royal College of Physicians, London. The original may be consulted at Royal College of Physicians, London.
56/364 page 40
![Körper verbrannten mit dem Geruch nach Cyan, waren unlöslich in Wasser und Essigsäure, löslich in Kali. Die Murexid-Reaktion bewiess die Gegenwart von Harnsäure; beim Zusatz von Kali ver- schwand die Purpurfarbe schnell und hinterliess einen rotgelben Fleck, der vielleicht Xanthin oder Hypoxanthin anzeigte. Das Filtrat von den Harnsäure-Krystallen wurde eingeengt, bis Alkohol darin einen dauernden Niederschlag erzeugte. Es wurde ihm nun ein gleiches Volum Alkohol zugesetzt, welches den Niederschlag beim Erwärmen wieder auflöste. Beim Abkühlen und Stehen setz- ten sich nun blumenkohlartige Krystalle ab, die nach dem Reinigen und Umkrystallisieren über 17 °/o Krystallwasser enthielten und durch die Analyse als Inosit erkannt wurden. 50 Pfund Ochsen- gehirn Heferten 10 gr reinen krystaUisierten Inosit. Das Extrakt aus Menschenhirn, welches mit Baryt dargestellt worden war, wurde mit 84prozentigem Weingeist behandelt, wo- durch sich Cholesterin und ein braunes schmieriges »Fett« lösten; beim Stehen setzte die Lösung auch Kochsalz ab. Der in Alkohol unlösliche Teil wurde aus heissem Wasser umkrystallisiert und die Krystalle wurden analysiert; sie waren reines Kreatin. Aus acht menschlichen Gehirnen, die etwa 24 Pfund wogen, wurde ein halbes Gramm Kreatin erhalten. Nach M ü 11 e r 's Angabe hatte auch Lere h in Prag Kreatin im Gehirn gefunden. Aus Ochsenhirn erhielt Müller durch den- selben Prozess kein Kreatin, aber etwas Leucin. S t ä d e 1 e r und Frerichs hatten einmal Leucin bei akuter Lebratrophie im Ge- hirn gefunden (»Verh. d. Zürcher naturw. Gesellsch.« [1855], 14). Das von Müller erhaltene Leucin war aber jedenfalls sehr^unrein, da es 13.89^/o N. lieferte, während Leucin nur 10.68°/o N. enthält. Aus Menschenhirn erhielt Müller kein Leucin. Da V. Bibra etwas Ameisensäure im Gehirn gefunden hatte, suchte Müller dieselbe Säure aus der oben beschriebenen Mutterlauge des Kreatins zu isolieren. Beim Destillieren mit Schwe- felsäure erhielt er auch flüchtige Säuren, deren eine Silbernitrat in der Kälte reduzierte, während die andere mit Silber lange, feine Krystalle bildete. Es war daher sicher Ameisensäure, wahr- scheinlich auch Essigsäure im Destillat. Aus dem Auszug von Ochsenhirn erhielt er nur eine Spur Ameisensäure. V. Bibra hatte im Gehirn nicht nur flüchtige Säuren, sondern auch Milchsäure nachgewiesen. Müller zog sie aus dem mit Schwefelsäure angesäuerten Wasserauszug mit Aether aus. Das Kalksalz wurde aus Alkohol umkrystallisiert und enthielt 29.6 °/o Kry- stallwasser und i8.49°/o Kalk. 50 Pfund Ochsenhirn lieferten 12 gr milchsauren Kalk. Ausserdem erhielt Müller noch kleine Mengen Undefinierter stickstoffhaltiger Substanzen aus den Mutterlaugen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23984569_0056.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


