Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum.
- Johann Ludwig Wilhelm Thudichum
- Date:
- 1901
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Credit: Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum. Source: Wellcome Collection.
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![Der zweite Teil der Untersuchung M ü 11 e r 's erschien im Jahr 1858 (»Ann. Chem.« 105 [1858], 361). Die Schwierigkeit der Untersuchung andeutend, bemerkt er, dass aus 30 Ochsengehirnen nur gerade so viel Material erhalten wurde als notwendig war, um die Gegenwart von Cholesterin und Cerebrin beweisen zu können. Er zog das mit Hülfe von Bleizuckerlösung koagulierte Hirn mit kochendem Alkohol und sodann mit einer Mischung von gleichen Teilen Alkohol und Aether aus. Der beim Abkühlen erhaltene Absatz wurde filtriert; er war rötlich gelb und wurde mit Aether erschöpft. Die Aetherlösung enthielt Cholesterin und eine phosphor- haltige Substanz (Kephalinblei), während der in Aether unlösliche Teil das Cerebrin enthielt. (Im Widerspruch damit beschreibt er aber später das Cerebrin als in Aether löslich.) Die erste Aether-Alkohol-Lösung wurde von Aether befreit und mit Bleioxydhydrat gekocht. Dadurch wurden Bleisalze von Fettsäuren (aus Lecithin) gebildet, welche von der heissen Lösung abfiltriert wurden. Das Filtrat setzte beim Abkühlen Cholesterin ab. Die Analyse des gereinigten Präparats führte jedoch zur Formel CjgH^^O, während die Formel in derselben eben gebrauchten Equi- valent Notation (C = 6; 0 = 8) C^uFIjjO, oder in atomischer Notation (C= 12; 0= 16) C26HJ4O sein sollte. Die meiste Aufmerksamkeit erregte ein Körper, den Müller für phosphorfrei erklärte und Cerebrin benannte. Er stellte ihn aus dem mit Baryt oder Bleizucker behandelten Gehirnkoagulum durch Ausziehen mit kochendem Alkohol und Erschöpfen des weissen Absatzes durch Aether dar. Bei der Analyse gab die Materie Zahlen, welche zur Formel C17H33NO3 führten. Es ist ganz sicher, dass diese Substanz kein Edukt, sondern ein Opera- tionsprodukt oder eine Mischung war; sie war auch, wie ihre Re- aktionen zeigen, nicht ganz frei von Phosphor. Ich habe in vielen Experimenten diesen Körper niemals darstellen können, und glaube nicht, dass es irgend Jemand anderem gelungen ist, ihn zu isolieren. Das einzige unter meinen Produkten, welches dem Müller'sehen Cerebrin sehr nahe steht, insofern es die genau kontrollierte Formel C17H.J-NO2 führt, ist das S p h i n g o s i n, eine aus Phrenosin durch Baryt erhaltene Base. Die Darstellung des Cerebrins durch Müller schloss aber eine w^ichtige Eröffnung ein, indem er die Existenz phosphorfreier, stickstoffhaltiger Verbindungen im Gehirn wahr- scheinlich machte. Wir wissen jetzt, dass es eine ganze Reihe der- selben giebt, die Cerebroside und Cerebrinacide genannt sind, und alle Fettsäuren und stickstoffhaltige Basen enthalten, die ersteren aber sind Saccharide und liefern bei der Chemolj^se neben Säuren und Basen Zucker (C e r e b r o - G a 1 a c t o s e). Durch Kochen mit Salzsäure wurde die Substanz erst rötlich violett und zersetzte sich dann in eine braune Flüssigkeit und einen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23984569_0057.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


