Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum.
- Johann Ludwig Wilhelm Thudichum
- Date:
- 1901
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Credit: Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum. Source: Wellcome Collection.
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![Untersuchung auch durch den Umstand, dass er zuerst die Lös- lichkeit einiger Phosphorsubstanzen in Wasser behauptete, die vor ihm niemand beobachtet hatte. Otto scheint nur eine vorläufige Mitteilung betreffs einer hierhergehörigen Untersuchung gemacht zu haben (»Chem. Centrai- blatt« 12 [1867], 1022). Er mischte den Hirnbrei mit Bleizucker und zog den Presskuchen mit kochendem Alkohol aus. Den Ab- satz erschöpfte er mit Aether, löste den Rückstand in kochendem Alkohol und setzte Barytwasser zu dieser Lösung. Das Filtrat von dem pflasterartigen Niederschlag setzte beim Abkühlen Otto's Cerebrin ab. Dasselbe soll keinen Stickstoff enthalten und der Formel C 7H33O4 entsprochen haben. Köhler berichtet über einige Reaktionen, die er an Otto's Cerebrin angestellt hatte. Allein da die Frage über An- oder Ab- wesenheit des Stickstoffs nicht beantwortet ist, lassen diese Reak- tionen die existierenden Zweifel unbeseitigt. Im Jahr 1867 veröffentlichte ein russischer Studierender aus Kasan Namens D i a k o n o w eine »vorläufige Mitteilung« »Ueber die phosphorhaltigen Körper der Hühner und Störeier« (»Med.-Chem. Untersuch.« Nr. XIV p. 221, 1868, und »Centralbl. med. Wissensch. 1868 Nr. I. 7. 28). Er blieb innerhalb des Rahmens der durch G o b 1 e y ermittelten Thatsachen. gab aber schon in einem Nachtrag (ib. p. 227) an, dass die bei der Zersetzung des phosphorhaltigen Körpers durch Baryt erhaltene feste Säure Stearinsäure sei. Die zweite Mitteilung desselben Autors trug den Titel »Ueber das Lecithin« und erschien in den »Med.-Chem. Untersuchungen« Heft 3 Art. XXXIX des ganzen Werkes, p. 405—411. Er fand durch Gefrieren bei — 20° C. des konzentrierten Aetherauszugs (des Dotters von Hühnereiern) zwei Substanzen, eine die gestand und isoliert wurde, und eine zweite, die nicht fest wurde. Die erstere beschrieb er als das angeblich reine Lecithin (also Gobley's) und legte ihm die Formel Cj^Hg NPO,, -|- aq. bei. Bei der Che- molyse mit Baryt sollte es, nach ihm, stearinsaures Baryum (Ba-Salz = 19-5 /o Ba), und neben demselben keine andere Fettsäure lie- fern, daneben aber Glycerophosphorsäure und Neurin. Er definierte sein Lecithin als die Verbindung eines sauren Aethers, des Di- stearin-Glycerids, mit einem sauren Salz, dem phosphorsauren Neurin, das als Trimethyl-Oxäthyl-Ammonium eingeführt wird. Die zweite, unkrystallisierbare Phosphorsubstanz gab ihm hauptsächlich Oelsäure bei der Chemolyse und nur wenig Stearinsäure, keine Palmitinsäure. D i a k o n o w scheint nur wenige Versuche an Ge- hirnsubstanz angestellt zu haben. Aus seiner Darstellungsweise könnte ich vermuten, dass er es mit Paramyelin zu thun hatte, welches sich gerade so verhält, wie er für sein Lecithin angiebt, nämlich aus einer Mischung mit dem typischen Oleo-Margaro-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23984569_0064.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


