Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum.
- Johann Ludwig Wilhelm Thudichum
- Date:
- 1901
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Credit: Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum. Source: Wellcome Collection.
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![Lecithin in Aether- oder Alkohol-Lösung in Eis oder Frostmisch- ung sich in weissen Krystallcn absetzt, während das Oclsäure ent- haltende Phosphatid sich entweder gar nicht, oder nur in durch- scheinenden, schnell zerfliessenden, krystallinischen Blättchen ab- scheidet. Allein das Paramyelin enthält nicht zwei Molekeln Stearin- säure, sondern jedenfalls eine Säure, welche fest, weiss und ob- wohl nicht Oclsäure seiend, doch mit Zuckersyrup und Vitriolöl die purpurne Oleo-Cholid-Reaktion liefert, welche die Stearinsäure nicht giebt. Unter den zahlreichen von mir isolierten, analysierten und chemolysierten Edukten habe ich niemals eines mit zwei Molekeln Stearinsäure gefunden, und die Stearinsäure mit 69.5 ° Schmelzpunkt nur im Kephalin und in diesem mit einer spezifischen Fettsäure verbunden angetroffen. Niemals habe ich ein Phosphatid mit zwei identischen Fettsäure-Molekeln begegnet, namentlich kein Dioleyl- Lecithin, sondern wo Oelsäure war, fand sich auch ihr Aequivalent Margarinsäure. Ohne die Möglichkeit des Vorkommens solcher Verbindungen, wie sie D i a k o n o w annimmt, in Abrede zu stellen, scheint mir doch seine Hypothese ganz unbewiesen, na- mentlich da meine zahlreichen Analysen der Cadmium-, Platin- und Bleisalze niemals etwas seiner Ansicht entsprechendes ge- liefert haben. Das »Protagon« erklärte D i a k o n o w für eine Mischung eines phosphorfreien Körpers, des Müller 'sehen Cerebrins, mit Lecithin, wie Müller selbst das letztere definiert hatte. Er Hess sich dann auf weitergehende Interpretationen der Resultate von Her m a n n an Blutkörperchen, von Fischer an Eiterkörperchen, von Kühne am Auszug von Eiern, und von Köhler am Hirn ein; die von diesen gefundenen Körper sollten alle entweder nur »Protagon«, d. h. die hypothetische Mischung von Cerebrin mit Lecithin, oder Lecithin gemischt mit undefinierbaren Unreinigkeiten gewesen sein. Er fand bereits, dass sich der Phosphor im »Protagon« bei wiederholtem Umlösen oder beim Ausziehen mit Aether stets verminderte, und suchte die Phosphorsvibstanz durch Kochen von »Protagon« mit Baryt zu entfernen. Was dann übrig blieb, meinte er, sei Müller 's Cerebrin gewesen. Allein von diesem gab er keine Analyse oder auch nur nähere Beschreibung, und nur die eine Reaktion, dass es nach der Behandlung mit Schwefelsäure Kupferoxyd reduzierte. Allein Müller 's Cerebrin konnte wegen seines geringen Sauerstoffgchalts eine Glukose-Molekel nicht ent- halten. Es ist daher ganz sicher, dass D i a k o n o w von den haupt- sächlichen phosphorhaltigen Hirn-Edukten kein einziges isolierte, sondern seine Formel aus verschiedenen inkongruenten Präparaten, hauptsächlich aus Eiern dargestellt, konstruierte. Auch isolierte er T h 11 f] i c h u m , Clicm. Konstitution des Geliirns. 4](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23984569_0065.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


