Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum.
- Johann Ludwig Wilhelm Thudichum
- Date:
- 1901
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Credit: Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum. Source: Wellcome Collection.
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![oben berührten Zweifel über die Formel des Neurins nicht gelöst, und es blieb ferner angenommen und wird noch heute behauptet, das aus Hirnedukten erhaltene sogenannte Ncurin bestehe aus zwei Basen; und sonderbarer Weise behaupten physiologische Schrift- steller, was gar nicht aus Bäycr's Untersuchung folgt, nämlich, dass die Mischung aus Cholin, C5H15NO2, und Neurin, C5H14NO, bestehe, während Bäyer's Zahlen auf keine mögliche Mischung dieser beiden Körper passen. A. W. Hofmann erhielt durch Behandlung einer wässerigen oder alkohoUschen Lösung von Trimethylamin mit Ethylen-Bromid eine Verbindung mit der Zusammensetzung C5Hi3NBr2- Durch Behandeln mit Silbernitrat verlor sie ein Atom Brom, und die Lösung gab mit Platinchlorid ein Salz 2(C5Hi3NBrCl) -}- PtCl^, welches in Wasser schwerer löslich war; Silberoxyd entzog der Verbindung beide Atome Brom und die alkalische Lösung enthielt Neurin. Bäyer's erstes Salz nach der Jodwasserstoffsäurebehandlung war Trimethyl-Jodethyl-Ammonium-Jodid (N[CH3]3, CgH^I)!. Da- nach sollte Neurin entweder Trimethyl-Vinyl-Ammonium-Oxyd Hydrat (N [CHgJg [CjHg] HO, oder Trimethyl-Oxethyl-Ammonium-Oxydhydrat sein (NLCHgJsfQHipODHO. Da die Analysen der Platinsalze an- gebUch nicht mit nur einer Formel vereinbar sind, so nahm auch H o f m a n n an, dass diese Präparate Mischungen von beiden Basen wären, dass beide Basen das Jodid Bäyer's NC5H13I2 entweder durch direkte Aufnahme von Jodwasserstoff oder durch diese Auf- nahme bei gleichzeitiger Abscheidung von Wasser bildeten. Das freie, in Wasser gelöste Neurin zersetzt sich leicht unter Bildung von Trimethylamin. Daraus wurde geschlossen, dass ein Teil des in tierischen und pflanzlichen Teilen während des Lebens und nach dem Tode gefundenen Trimethylamins seine Entstehung einer Zer- setzung von Neurin verdanke. A. Claus und C. K e s s e (»Journ. f. pr. Chem.« 102 [1867], 24) wiesen nach, dass ein durch von Babo und Hirschbrunn (»Ann Chem.« 84, 10) entdecktes Zersetzungsprodukt des Sinapins aus Senf mit der aus Hirn erhaltenen Base identisch sei. Sie stellten Neurin aus Aether-Alkohol-Extrakt des Gehirns von Kälbern direkt durch Kochen der Lösung mit Baryt dar. Ihr Produkt scheint sehr unrein gewesen zu sein, da es sowohl Kalium als Ammonium-Platin- chlorid enthielt. Diese Untersuchungen haben den von Bäy e r zuerst geäusserten Zweifel, ob das sogenannte Neurin aus Hirn nicht aus zwei Basen bestehe, nicht beseitigt. Ich führe sie an, um zu zeigen, wie schwierig die Lösung der Frage sein muss. Angesichts dieser Schwierigkeit aber haben neuere Exzerpisten nicht gezaudert, die aus Hirn](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23984569_0068.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


