Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum.
- Johann Ludwig Wilhelm Thudichum
- Date:
- 1901
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Credit: Die chemische Konstitution des Gehirns des Menschen und den Tiere : Nach eigenen Forschungen bearbeitet / von J. Ludwig W. Thudichum. Source: Wellcome Collection.
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![mit Baryt dar und nannte sie wiederum »Cerebrin«. Die von dem Autor ganz irrig als Cr,7HiioN^,0^5 angegebene Formel für sein Pro- dukt war, nach seinen analytischen Daten zu schliessen, etwa C03H110NO11. Dieselbe war ausserdem ganz unkontrolliert; die kor- rigierte näherte sich wohl den Formeln einiger Cerebrinacidc, die aber durch den Darstellungsprozess ausgeschlossen scheinen, wäh- rend es von den Cerebrosiden, zu denen es nach der Darstellung gehören müsste, weit verschieden war. Beim Versuch zur Che- molyse wurden keine Resultate erhalten, welche die (berichtigte) Formel kontrollieren oder Wesentliches über die Zusammen- setzung hätten lehren können. Ausserdem enthielt die Darstellung der Arbeit von Geoghegan Widersprüche, welche jeden Versuch zu ihrer Verwertung vereitelten. Es war daher vergebliches Be- mühen, wenn Hoppe-Seyler, in dessen Anstalt dieser Versuch angestellt worden war, seinen Lesern dieses Produkt als »das scheinbar völlig reine Cerebrin« vorführte. Die Untersuchung von Eugen Parcus, welche als Inaugural- Dissertation und im »Journ. f. prakt. Chemie« 24 (1881), 310—340 erschien, war unter Leitung des seitdem verstorbenen Professors Drechsel in Leipzig angestellt. Obwohl der Verfasser zur Dar- stellung seiner Produkte Baryt auf »Protagon« einwirken Hess, und seine analytischen Resultate nicht richtig zu deuten wusste, erhielt er doch ziemlich reines Phrenosin, wie es sieben Jahre vorher von mir zuerst beschrieben worden war. Ich war genötigt, diese Ab- handlung einer eingehenden Kritik zu unterziehen («Journ. f. prakt. Chemie« 25 [1882], 29 et seq.). Parcus ging ebenfalls von der weissen Materie aus, die »Protagon« benamst und mit Barytwasser ohne bestimmten Zweck und ohne definiertes Resultat behandelt wurde. Von dem Barytniederschlag oder der grösseren Hälfte des Produkts hören wir weiter nichts, sein löslicher Anteil war aber keineswegs, wie behauptet wurde, frei von Phosphatid. Das Homo- cerebrin dieses Untersuchers war wesentlich das zuerst von mir beschriebene Kerasin, aber noch mit mehreren anderen Edukten gemischt. Auch wurde ihm fälschlich Löslichkeit in kochendem Aether zugeschrieben, welche nicht ihm, sondern einem beigemischten Amidolipotid, Krinosin, zukommt. Das Encephalin von Parcus war eine ganz Undefinierte Mischung von Produkten, die ihm unter der Hand entstanden waren, und die wie die Produkte seines Ver- suchs zur absichtlichen Spaltung seiner Präparate nach seiner eigenen Beschreibung nur »unentwirrbare Mischungen« vorstellten. Es ge- lang ihm somit nicht, auch nur ein einziges der durch meine Unter- suchungen schon längst bekannten Spaltungsprodukte der Cere- broside zu isolieren. Die Versuche von Bourgoin (»Bullet. Soc. Chim. Paris« 1874) zur Darstellung eines Cerebrins waren zwar frei von den Miss-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b23984569_0082.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


