Meine Operationsresultate bei Hirntumoren / von A. Freiherrn v. Eiselsberg.
- Eiselsberg, Anton, Freiherr von, 1860-1939.
- Date:
- 1912
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Credit: Meine Operationsresultate bei Hirntumoren / von A. Freiherrn v. Eiselsberg. Source: Wellcome Collection.
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![stehenden Defekt Umschnitten und dann mit dem Tumor ent- fernt. Bei der Auslösung des Tumors, falls derselbe an der Oberfläche liegt, kommt der Finger als bestes und schonendstes Insl.iumcnf in Betiachtj bei subkorLikal liegenden muß erst die darüberliegende normale Gehirnsubstanz scharf durchlrennt wer- den. Ein weicher Zungenspate] (Krause) erleichtert oft die Aus lösung. Selbst in der Tiefe liegende Tumoren, sind, wenn sie zirkumskript sind, meist auffallend leicht zu entfernen. Immer ist der palpierende Finger das beste Hilfsmittel, sowohl den Tumor zu entdecken, als auch zu entfernen. Ganz anders liegen die Verhältnisse bei den diffusen, infil- trierenden Tumoren. Hier muß der Tumor mit dem Skalpell im Bereiche der gesunden Hirnsubstanz Umschnitten werden, wobei auch der palpierende Finger meist die Grenze der Durchtrennung anzeigt. Blutet es nach Entfernung des Tumors, so wird provi- sorisch ein Gazetampon eingelegt und derselbe nach einigen Mi- nuten wieder entfernt. Tamponade und Drainage ist im Laufe der letzten Zeit, selbst nach Entfernung größerer Tumoren, niemals angewendet worden, da es dabei ungemein leicht sekundär, ja oft noch nach Verlauf einer Woche, zu einer Infektion kommt, die . sich zum Beispiel in einem Falle, der bis dahin vollkommen reaktionslos verlief, im Anschlüsse an die am achten Tage vor- genommene Entfernung des Streifens entwickelt hatte. Es wurde ; daher im Laufe der letzten Jahre niemals mehr Drain, Gaze oder Docht eingeführt, sondern die Wunde vollkommen vernäht. Lassen sich die Duralappen gut aneinander bringen, j so wird dies mittels Katgutnähten gemacht. Bleibt ein i Duradefekt, wie es häufig nach Entfernung der Endothe- liome der Fall ist, zurück, so muß derselbe durch freie Transplantation eines Faszienlappens vom Oberschenkel (desselben Patienten) gedeckt werden. Diese Faszienlappen heilen ganz auffallend schnell und sicher ein. Wir haben im ganzen siebenmal bei sechs Patienten diese Plastik angewandt. Von diesen sieben Fällen ist es einmal zum Rezidiv gekommen, das genau elf Monate nach der ersten Operation exstirpiert wurde, wobei wiederum ein größeres Stück Dura nlitentfernt werden mußte, das abermals durch eine Faszienplastik mit bestem Erfolge er- j setzt wurde. Diese Operation verschaffte uns die Möglichkeit, das mikroskopische Verhalten der als Dura eingepflanzten Faszie = genau zu studieren und es wird darüber demnächst von meinem Assistenten Dr. Denk ein genauer Bericht erfolgen. Ich sehe in diesem Ersatz der Dura durch Faszie, wie sie zuerst von Kürschner am Tiere erprobt und am Menschen dann von Körte angewendet wurde, eine wertvolle Bereicherung unserer Technik. Nochmals sei darauf hingewiesen, daß eine Drainage j oder Tamponade vermieden werden soll. Ich würde mich leichter, wenn es nach der Exstirpation des Tumors von einer Seite her blutete und die Blutung in gewöhnlicher Weise nicht gestillt werden könnte, zur Tamponade mittels lebenden Materials (wie ' es oben angeführt wurde, Faszie oder Muskel) oder eines kleinen 1 Gazetampons, der als Fremdkörper in der Wunde gänzlich ver- , senkt würde, entschließen, als zu der bisher üblichen Tamponade, -j](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22441499_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


