Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung : ein Lehrbuch für Studiernde und Ärzte / von Hans H. Meyer und R. Gottlieb.
- Meyer, Hans H. (Hans Horst), 1853-1939.
- Date:
- 1922
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Credit: Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung : ein Lehrbuch für Studiernde und Ärzte / von Hans H. Meyer und R. Gottlieb. Source: Wellcome Collection.
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![Störungen von seiten des Herzens. Bei allmählicher Uber¬ dos i erwäg. ungemein wenig ab. Ja, wenn der Blutdruck ^oiliei in dei Gliloio formnarkose langsam treppenförmig abgesunken war, und wenn man nunmehr die Narkose durch Äther weiter unterhält, so steigt dei Blutdruck allmählich wieder an (Fig. 4). Die Verhältnisse beim Menschen sind die gleichen. Blauei1 fand bei der Messung des Blutdrucks mit dem Gärtner sehen Tonometer, daß sich die Druckhöhe in 100 Äthernarkosen von mittlerer Dauer durchweg über der Norm bewegte, in 37 Chloroformnarkosen aber stets unter der Norm. Wir haben die Blutdrucksenkung in der Chloroformnarkose bisher ohne Beweis als die Folge einer Lähmung der Vasomotoren hinge¬ stellt. Es ist aber klar, daß auch ein allmähliches Nachlassen der Herzkraft das sukzessive Sinken des Blutdrucks bedingen müßte, und ältere Untersucher haben dasselbe auch ohneweiters auf Abschwächung der Herztätigkeit zurückgeführt. Erst Scheinesson2 hat die Gefä߬ erweiterung durch Chloroform am Kaninchenohr beobachtet und auf Lähmung der Gefäß nerven Ursprünge bezogen. Nach Durch¬ schneidung der Gefäßnerven des einen Kaninchenohres erweitern sich bei Chloroforminhalation nur die Gefäße des anderen noch innervierten Ohres (.KnolP). Die Gefäßerweiterung ist also centralen Ursprungs. Die von Pick4 beobachtete Beschleunigung des Blutstromes aus einer Mesenterialvene zeigt, daß das Blut bei der Erschlaffung der Gefäße in der Chloroformnarkose sich vorwiegend in den Unterleibsgefäßen ansammelt. Der Äther bewirkt in viel geringerem Grade und erst in viel höheren Dosen eine analoge Lähmung der V asomotorencentren. Es ist sehr wohl möglich, daß neben der Vasomotorenlähmung schon in der regulären Chloroformnarkose auch eine Ab Schwächung der Herztätigkeit an dem allmählichen Druckabfall mitschuldig ist. Denn wir werden sogleich näher zu erörtern haben, daß das Chloroform in einer nur wenig höheren als der zur Narkose erforderlichen Konzentration ein schweres Herzgift ist; bei längerer Einwirkung könnten auch geringere Konzentrationen in diesem Sinne wirken. An¬ fänglich beruht aber die Blutdrucksenkung im wesentlichen auf Vaso¬ motorenlähmung. Man darf dies daraus schließen, daß es bei langsam ansteigender Anreicherung des Blutes mit Chloroform zu einer vollständigen Lähmung der vasomotorischen Centren kommen kann, während das Herz noch relativ gut arbeitet. In einem solchen Zustande erweist sich das Gefäßnervencentrum gegen die stärksten Reize (Erstickung oder plötzliche Anämie bei Verschluß sämtlicher Hirnarterien [Knoll3]) völlig unempfindlich, während der mäßig verlangsamte, aber kräftige Herzschlag den Blutdruck noch auf einer Höhe zu halten vermag, die etwa der völligen Erschlaffung der Gefäße nach Halsmarkdurchschneidung entspricht. Je mehr Chloroform aber im Blute circuliert, desto mehr tritt auch die Herzwirkung hervor. Es machen sich daher oft schon frühzeitig Irregularitäten des Herzschlages bemerkbar. Schon der für 1 Blauet, Verhandl. des Chirurgenkongr. 1901, I, S. 132. 2 Scheinesson, Arch. d. Heilk. 1869, S. 172. 3 Knoll, Sitzungsber. d. Wiener Akad., Jahrg. 1878, Bd. 78. 4 Fr. Pick, Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 1899, Bd. 42, S. 399.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3135905x_0102.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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