Volume 1
Atlas der deskriptiven Anatomie des Menschen / von J. Sobotta.
- Johannes Sobotta
- Date:
- 1926-1928
Licence: In copyright
Credit: Atlas der deskriptiven Anatomie des Menschen / von J. Sobotta. Source: Wellcome Collection.
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![Schläfenbein, os temporale. Fig. 57. Rechtes Schläfenbein in der Ansicht von aussen (lateral). (*/i) Fig. 58. Rechtes Schläfenbein in der Ansicht von der zerebralen Seite. (7i) Das Schläfenbein, os temporale, zerfällt in vier Abschnitte: 1. die squarna temporalis (Schläfen- beinschuppe), 2. die pars mastoidea (Warzenteil), 3. die pars petrosa [oder pyramis] (Schläfenbeinpyramide) und 4. die pars tympanica (Paukenteil). Diese vier Teile gruppieren sich um die Oeffnung des äusseren Gehörgangs, porus acusticus externus, derart, dass die squarna temporalis nach oben, die pars mastoidea nach hinten, die pars tympanica nach unten und vorn, die pars petrosa nach medial und vorn von der Gehörgangsöffnung gelegen ist. Die squama temporalis grenzt mit einem stark gebogenen, zackigen Rand an den grossen Keilbein- Hügel (margo sphenoidalis) und an das Scheitelbein (margo parietalis). Dabei greifen die Ränder des Schläfenbeins über die benachbarten Knochen herüber (sutura squamosa). Die Schläfenbeinschuppe steht bis auf einen kleinen, unteren Abschnitt vertikal und besitzt eine äussere facies temporalis und innere facies cerebralis. Letztere zeigt meist juga cerebralia und impressiones digitatae, ferner sutei arteriosi. Von der pars petrosa wird sie durch eine, beim Erwachsenen mehr oder weniger verknöcherte Spalte, die fissura petrosquamosa, wenigstens teilweise getrennt. Die facies temporalis der Schläfenbein- schuppe ist glatt und zeigt eine oberhalb des porus acusticus externus beginnende, flache Gefässfurche, den sulcus arteriae temporalis mediae. Ferner entspringt von der facies temporalis der Schläfenbein- schuppe der lange Jochfortsatz, processus zygomaticus, der sich in der sutura zygomalicotemporalis. mit dem processus temporalis des Jochbeins verbindet. Der Jochfortsatz entspringt mit einer Wurzel vom vertikal stehenden Teil der Schläfenbeinschuppe, mit einer zweiten von dem kleinen, unteren, hori- zontalen Abschnitt. Zwischen beiden Wurzeln liegt die Gelenkgrube für den Unterkieferkopf, die fossa mandibularis 1 vor ihr ein ebenfalls teilweise überknorpelter Höcker, das tuberculum articulare. Der Jochfortsat? liegt erst nahezu horizontal, dreht sich dann aber in die sagittale Richtung. Vom hinteren Ende des Jochfortsatzes läuft der hintere Teil der linea temporalis nach hinten und oben, 11m von hier auf das Scheitelbein überzutreten. Oberhalb des porus acusticus externus findet sich eine spitze, nicht konstante Hervorragung, die spina supra meatum. Die pars mastoidea enthält als Hauptbestandteil den grossen Warzenfortsatz oder processus mastoideus, der die ganze äussere Fläche dieses Knochenteils einnimmt; sie grenzt in der incisuraparietalis an den angulus mastoideus des Scheitelbeins, mittels des margo occipitalis an die squama occipitalis (sutura occipitomastoidea). Sie besitzt eine konkave, innere (zerebale) und stark konvexe, rauhe, äussere Fläche (Warzenfortsatz). Letztere bildet den kegelförmigen, breiten processus mastoideus, welcher in seinem Innern lufthaltige Höhlungen, cellulae masloideae, enthält. Er dient mehreren Muskeln zum Ansatz und besitzt gegen seinen hinteren Rand einen tiefen Einschnitt, die incisura mastoidea. In' der Nähe der sutura occipitomastoidea liegt eine seichte Furche, der sulcus arteriae occipitalis, für die gleichnamige Arterie und die äussere Mündung des emissarium mastoideum, das foramen mastoideum. Die cellulae mastoideae sind Nebenhöhlen der Paukenhöhle. Der Hauptteil des Schläfenbeins, die pars petrosa, Schläfenbeinpyramide oder Felsenbein be- nannt (als pyramis muss die pars petrosa zusammen mit der pars mastoidea bezeichnet werden, die entwicklungsgeschichtlich untrennbar Zusammenhängen), stellt eine liegende, vierseitige Pyramide dar. Die offizielle Nomenklatur (B. N. A.) unterscheidet aber nur drei Flächen und drei Kanten, so dass man den Eindruck gewinnt, als ob die pars petrosa eine dreiseitige Pyramide sei. Es sind nämlich in der Aussenansicht wenigstens des erwachsenen Schläfenbeins im wesentlichen nur drei Flächen sichtbar, die vierte wird durch den sich hier anlagernden Paukenteil des Knochens fast ganz verdeckt, ist aber beim Neugebornen und z. T. auch noch im Kindesalter (Fig. 61, 62) auch in der Aussenansicht des Knochens erkennbar. Die schematischen Durchschnitte des Schläfenbeins Fig. 58a und b lassen die Anordnung der vier Flächen erkennen, ebenso wie sie die Bildung des Paukenhöhlenraums und seiner Fortsetzung, des canalis musculotubarius, durch Pyramide und Paukenteil erläutern. Die folgende Darstellung hält sich an die vorgeschriebenen Bezeichnungen; sie berücksichtigt die im Innern des Felsenbeins gelegenen Bildungen des knöchernen Labyrinthes so gut wie gar nicht, die Pauken- höhle nur in den Hauptzügen, da diese Verhältnisse später (Bd. III [IV]) eingehend besprochen werden. Zwei Flächen der pars petrosa sehen gegen die Schädelhöhle, facies anterior und facies posterior, während die dritte, facies inferior, an der Schädelbasis gelegen ist; die vierte, nicht benannte, bildet die mediale Wand der Paukenhöhle, cavum tympani. Die drei Flächen werden durch Kanten getrennt; die obere, angulus superior, trennt facies anterior und posterior, die vordere, angulus anterior, trennt facies anterior und inferior, die hintere, angulus posterior, trennt facies posterior und inferior. Die Achse der Pyramide liegt schräg zur Längsachse des Körpers von hinten und lateral nach vorn und medial. Die Spitze der Pyramide, die am foramen lacerum gelegen ist, wird als apex pyramidis bezeichnet. Die facies anterior bildet einen Teil der mittleren Schädelgrube. Sie grenzt sich durch eine Spalte, fissura petrosquamosa, gegen die Schuppe des Knochens ab. Quer zur Achse der Pyramide trägt sie eine](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29821691_0001_0049.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


