Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![Bie fp gt ee Ueber die Anlage und Einrichtung des älteſten Georgenhoſpitals wiſſen wir nichts, denn bis zur Uebernahme durch den Rat (1439) ſind uns genauere Nachrichten nur aus den Jahren 1372 und 1373 erhalten, die uns Aufſchluß über die Stellung des Merſe— burger Biſchofs und des Rates der Stadt Leipzig zum Georgenhoſpital geben können. 1373 wurden die „Irrungen“, die zwiſchen Rat und Thomaskloſter beſtanden, durch den Mark— grafen zum Austrag gebracht. In betreff des Georgenhoſpitals lautet die Stelle: „Umbe den ſpital ezu ſende Jurgen vnde vmbe die ſchule ezu ſende Thomas ſcheidin wir, daz die der probift lihen fal, als her von aldir getan hat“. [L. U. B. II, 9. Nr. 134.] Wir können daraus ſchließen, daß der Rat Anſpruch auf die Beſetzung der Verwalterſtelle (dies Amt fiel mit dem des „Altariſten“ zu⸗ ſammen) erhoben hatte. Der Rat muß dieſe Anſprüche irgendwie begründet haben; wie er das tun konnte, darüber wiſſen wir nichts. Das Thomaskloſter wird ſich um fein Hoſpital wenig gekümmert haben, während andererſeits dem Rate an der Erhaltung der Wn- ſtalt viel gelegen ſein mußte. Der Rat wird alſo verſucht haben, in die Verwaltung der Anſtalt einzugreifen, wie er überhaupt einer Erweiterung der Klöſter ſich hemmend in den Weg ſtellte durch Verordnungen, die ihnen eine Erwerbung von Grundbeſitz in der Stadt unmöglich machten. [L. U. B. II, 8. Nr. 36.] Die Einſetzung des Altariſten geſchah durch den Biſchof von Merſeburg auf Vor— ſchlag des Probſtes des Thomaskloſters („praesentatis dicti domini praepositi de Lipzk et eius conventus vel antecessorum suorum“; „institutio ad altare hospitalis sancti Georgi per nos Id. i. der Biſchof von Merſeburg] facta“. 1372. L. U. B. II, 9. Nr. 133.] Rechtlich lagen die Verhältniſſe ganz offen da. Wie uns aber eine Urkunde von 1372 lehrt, ſcheint man in Wirklichkeit nicht recht gewußt zu haben, wer eigentlich über das Beſetzungsrecht zu ver— fügen hatte. Denn wie hätte es ſonſt geſchehen können, daß ein Weltgeiſtlicher Johann von Greten das Altarlehen des Georgen— hoſpitals inne hatte, ohne rechtmäßig dazu berufen zu ſein. Erſt auf Anfragen des Probſtes der Thomaskirche wurde die Angelegen— heit vom Merſeburger Dekan einer Unterſuchung unterzogen, worauf Johann von Greten von ſeinem angemaßten Amte abgeſetzt wurde. Daß ſolche Fälle ſich ereigneten, iſt das beſte Zeugnis, daß das Hoſpital gegenüber dem Thomaskloſter eine ſehr ſelbſtändige Stellung eingenommen haben muß. Immerhin mußte dem Kloſter am Hoſpital etwas gelegen ſein, ſonſt hätte es die doch nur Un— koſten verurſachende Anſtalt dem Rat überlaſſen. Aus der Urkunde von 1372 erfahren wir weiterhin über das Amt des Altariſten, daß dieſer auf Lebenszeit eingeſetzt wurde und daß ihm die Einkünfte der dort lebenden Kranken zukamen (bene— ficium ecclesiasticum dictum hospitale ac redditus infirmorum inibi](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0010.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


