Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![n degentium se asseruit possidere vitae suae tempore). Der Altar— prieſter wird identiſch ſein mit dem 1399 [L. U. B. II, 9. Nr. 186] erwähnten hospitalarius; er beſorgte die gottesdienſtlichen Hand— lungen und war zugleich Vorſteher des Hoſpitals; dadurch war der Anſchauung Genüge getan, daß geiſtliches Gut durch Geiſtliche verwaltet werden ſoll. Die Bemühungen des Rates, die Verwaltung in ſeine Hände zu bringen, die wir ſchon 1373 verfolgen konnten, wurden ſchließlich verwirklicht: 1439 gelang es dem Rate, das Hoſpital zu er— werben. Die Beſtätigungsurkunde der Uebergabe iſt erhalten [L. U. B. II, 8. Nr. 204]. Der Biſchof von Merſeburg gibt darin ſeine Zuſtimmung zu einem Vertrage zwiſchen dem Rat und dem Thomaskloſter, nachdem dieſer von dem Landesfürſten genehmigt iſt. Der Rat verpflichtet ſich zur „irhebunge vnde buwunge eynes nuwen ſpitals vor deme Ranſtediſchen thore daſelbiſt zeu Lipezk, do itzunt ſente Jorgen capelle liit mit dem ſpital doſelbiſt, von nuwens eynen gemeynen zeu machene dem allmechtigen gote vnſerm Herrn Iheſu Criſto zeu lobe, armen und ſiechen luten, pylgerymmen vnd funde— lingen zeu nützee, allen guten luten vnd gloubigen ſelen . .. zeu troſte, vnd daß man doryn brenge vnd füre arme ſichen und krancke lute, die vormals vif den gaſſen vor den huſern vnd allombe ge— legen haben vnd nymand herbergen wolde, vnd ire notdorfft dorynne reichin vnd pylgerymme vnd enelende lute herbergen ſolle“. Der Rat wollte alſo eine Anſtalt in der Stadt haben, wo die obdach— loſen Kranken und fremden Leute eine Unterkunft finden könnten. Wir erfahren weiterhin, daß das neue Spital auf der Stelle erbaut werden ſolle, wo das alte ſtand. Es iſt daraus mit ziemlicher Sicherheit zu ſchließen, daß ſchon der erſte Bau an der Stelle des ſpäteren geſtanden hatte. Zu dem Spital gehörte weiterhin eine Kapelle. — Die Anſtalt hatte aber unter der Leitung des Thomas— kloſters ſeinen Zweck nicht erfüllt, wir erfahren nämlich, daß im ganzen vier Sieche beherbergt wurden. Dies können keine vorüber— gehende Kranke ſein, ſondern es wird über ſie verfügt, ſie „ſollen dorynne bliben di wiele ſie leben“, wir müſſen alſo entweder an— nehmen, daß es unheilbare Kranke waren, wenn wir an der Be— deutung ſiech⸗krank feſthalten wollen, oder, was uns als das wahr— ſcheinlichere erſcheint, daß es ſich hier um Pfründner handelte, wobei wir dann freilich ſiech ſchon in der Bedeutung alt, ſchwach annehmen müßten. Urkundlich wird erſt 1479 erwähnt, daß ein Pfründner Aufnahme fand [L. U. B. II, 8. Nr. 504]. Ein Gerber will ſich mit ſeinem Hab und Gut in das Hoſpital „geben“; die eingezahlte Summe betrug 123 fl., 8 gr., ein Haus auf der Neuſtraße (heute Nordſtraße) und die fahrende Habe, die er ins Hoſpital einbringt und die der Anſtalt nach ſeinem Tode verbleibt. Dafür erhält er eine Kammer und ſoll verſorgt werden mit einer Pfründe. Die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0011.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


