Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![„ | Ip ome Zinſen des eingezahlten Geldes bleiben ihm, ſolange er lebt, außerdem wird beſtimmt, wieviel Seelenmeſſen nach ſeinem Tode geleſen werden ſollen: „ſo ſal man yn in dem hoſpital mit vigilien vnd ſelmeſſen, gleich eynem andern, der im hoſpital vorſtirbet, zu der erden beſtaten“. Aber ſchon vorher ſind Inſaſſen auf Lebenszeit im Hoſpital unter⸗ gebracht geweſen, ſo auch die vier Siechen, die bis an ihr Lebensende verpflegt werden ſollen. In einer Stiftung von 1440 [L. U. B. II, 8. Nr. 205] werden für „arme, krancke lute“ Zinſen zur Beſchaffung von Kleidung vermacht. Dabei wird verfügt, daß derjenige, der in dem einen Jahr ein Gewand erhalten hat, im darauffolgenden keins zu beanſpruchen habe. Der Fall, daß Inſaſſen mehrere Jahre in der Anſtalt waren, war alſo ſchon damals ſo häufig, daß man es für nötig erachtete, dieſem Fall beſondere Erwähnung zu tun. Zu welcher Zeit zuerſt Inſaſſen auf Lebenszeit aufgenommen wurden, darüber iſt eine Angabe infolge Mangels der Quellen aus der Zeit, in der das Hoſpital ſich im Beſitz des Thomaskloſters befand, nicht mög— lich. Soviel iſt aber gewiß: das Hoſpital hatte zuerſt Kranke und arme Pilger aufnehmen ſollen und auch wirklich aufgenommen, hatte ſich aber unter der ungenügenden Leitung des Thomaskloſters in ein Pfründnerheim umgewandelt. Der Rat brauchte eine An— ſtalt zur Unterbringung von Kranken und der unbemittelten Fremden und kaufte deshalb vom Thomaskloſter das Georgenhoſpital ab, erweiterte es und führte es wieder den Aufgaben zu, die es bei der Gründung übernommen hatte. Zum erſten Male ſind in der Urkunde erwähnt die Find— linge. Wo dieſe und die Waiſenkinder, für die im ganzen Mittel- alter geſorgt worden iſt, früher untergebracht waren, darüber wiſſen wir nichts, möglich iſt es, daß ſie ſchon vor 1439 im Georgen— hoſpital Aufnahme fanden. Die Findlinge wurden ins Hoſpital nur eingeliefert, nicht dort auferzogen, ſondern man gab ſie Bürger— frauen zur Erziehung. Erſt wenn ſie größer waren, kamen ſie wieder ins Hoſpital und verblieben hier bis etwa zum 15. Jahre. Dem Hoſpital gehörte auch einiger Grundbeſitz. Außer dem Friedhof, der mit der Kapelle verbunden war, und in welchem nur die im Hoſpital Geſtorbenen beerdigt wurden, umfaßte der Hofpital- beſitz einige „anlegende (d. ſ. in der Nähe liegende) huſer an der ſiiten des ſpittals, mit den czinſen, die uff den ſelben huſern ſint biß an das waſſir an den Roſintal mit allen garten und zeuge— horungen zeu deme ſpittale als wihet als das vmbefloffen iſt bis an die ſteynbrucke vor dem gnanten ſpittal“. [L. U. B. II, 8. Nr. 204] Dagegen bleiben die Beſitzungen auf dem anderen (linken) Ufer der Pleiße dem Thomaskloſter, was ausdrückliche Erwähnung findet. Vergleichen wir damit eine Verkaufsurkunde von 1448 [L. U. B. II, 9. Nr. 229], in der von einem Anweſen die Rede iſt, „hinder der Aldenburg gelegen, das vorgeeziten ezum ſpittal zeu ſenth Jorgen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


