Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![„„ Das Georgenhaus erhielt auch ſeine eigene Verwaltung, indem das Vermögen, das von dem einen Vorſteher des Johannishoſpitals verwaltet worden war, von dieſem als Vorſteher des Georgenhauſes weitergeführt wurde, ſo daß ſeit dieſer Zeit beide Anſtalten nur je einen Vorſteher haben. Hierdurch ſtand die neue Anſtalt dem Johannis⸗ hoſpital ſelbſtändig zur Seite. Das Vermögen ſollte urſprünglich nur zur Beſtreitung der außerordentlichen Ausgaben verwendet werden, denn bei der Gründung war der leitende Gedanke geweſen, daß ſich das Georgenhaus aus eigenen Mitteln unterhalten ſollte. Daher ſollten im allgemeinen nur die Aufnahme finden, die ent— weder eine einmalige Einkaufſumme zahlen oder die Verpflegungs⸗ foften erſetzen könnten. Für diejenigen, die keins von beiden ent- richten konnten, war vorgeſehen, daß ſie ſich die von ihnen verurſachten Koſten erarbeiteten. Als einträglichſte Beſchäftigung war dazu die Raſpelarbeit (Zerkleinern von ausländiſchen Farbhölzern zur Farb— bereitung) auserſehen. Als die Zahl der Gefangenen anwuchs, mußte man bedacht ſein, daß ſtets die genügende Zahl von Auf— trägen vorlag, und man erlangte zu dieſem Zwecke vom Kurfürſten 1705 ein Privileg, wonach in Leipzig nur im Hoſpital Holz geraſpelt werden durfte [III A. 19a]. Das Georgenhaus war kaum zwei Jahre in Benutzung, als ſich ein Umbau nötig machte. Man bedurfte eines größeren Ge— bäudes, da die Anſtalt die Erfüllung weiterer Aufgaben übernommen hatte. Dazu kam, daß man es für beſſer hielt, die Gefangenen nicht im Erdgeſchoß unterzubringen, damit ein Entweichen erſchwert würde [III A. 14]J. So wurde im Jahre 1670 das Gebäude um ein Stockwerk erhöht und erhielt die heutige Geſtalt. Es liegt im Hofe des Gebäudevierecks Johannisplatz 8, trägt auf der Vorderſeite eine Gründungstafel mit dem Namen des Bürgermeiſters und Vor— ſtehers.) In dieſem Gebäude war Raum für 30 — 40 Perſonen geſchaffen worden [VII B. 115]. Gleichzeitig wurde im Hofe ein Seitengebäude errichtet mit 5 Raſpelkammern und 2 Stuben für den Raſpelknecht [R.]. Durch den neu geſchaffenen Platz war es dem Georgenhaus auch ermöglicht, die neu übernommenen Aufgaben zu erfüllen. Im Anſchluß an die Einrichtung des Zuchthauſes hatte man angeordnet, daß alle Bettler ins Georgenhaus gebracht würden. 1661 hatte eine kurfürſtliche Ordnung [III A. 14. 1701] den Städten an⸗ befohlen „auf arbeitsſcheues Geſindel, daß ſich in den Städten herumtreibt, fleißig Achtung zu haben“. Ebenſo ſollten die Weiber, die eines unzüchtigen Lebens beſchuldigt wurden, aus der Stadt ausgewieſen werden. Da dies nichts fruchtete und ſie bald wieder erſchienen, beſchloß man ſie ſo lange feſtzuhalten, bis eine wirkliche 1) Jetzt nur noch teilweiſe lesbar; die Vorlage befindet ſich unter III. A. 14.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


