Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![NE aL Wp gene Beſſerung geſichert wäre III A. 14]. Hierfür wurde nun das Georgenhaus auserſehen. In betreff der Bettler wurde angeordnet, daß die, die nur aus Arbeitsſcheu bettelten, im Georgenhaus Raſpel— arbeit verrichten, diejenigen, die aus Armut bettelten, durch das Almoſenamt unterſtützt werden ſollten. Dadurch kam eine neue Gruppe von Leuten in die Anſtalt, die Armen oder die Ver— ſorgten, die ſich ihren Unterhalt nicht ſelbſt beſtreiten konnten und vom Almoſenamt dem Georgenhaus zugewieſen wurden. Da ſie nicht gebettelt, ſondern das Almoſenamt um Unterſtützung an- gegangen hatten, wurden ſie beſſer als die Bettler behandelt; ſie mußten nach Möglichkeit in der Anſtalt helfen. Anfangs war ihre Zahl gering, nahm jedoch gegen Ende des 18. Jahrhunderts ſehr zu. — Dann gab es auch zeitweiſe Leute, die gegen Zahlung der Unterhaltungskoſten den Armen gleichgehalten wurden, doch war ihre Zahl nie eine bedeutende, da für fie eigentlich das Johannis- hoſpital beſtand. Endlich mußte das Georgenhaus einen weiteren Zweck erfüllen, nämlich den eines Findel⸗- und Waiſenhauſes. Da das Zucht— haus anfänglich als Beſſerungs- und Erziehungsanſtalt gegründet war, ſo iſt es zu verſtehen, daß man beide Ziele miteinander ver— einigen wollte. Als ſich aber das Zuchthaus zu einer Gefangenen— anſtalt und zu einer Beſſerungsanſtalt für arbeitsſcheue Bettler und unzüchtige Dirnen entwickelte, konnte man ſich doch nicht, wohl aus Scheu vor der Höhe der Koſten, entſchließen, die verſchiedenen In— ſaſſen der einen Anſtalt zu trennen. Auch ſcheint anfangs gar nicht das Gefühl vorhanden geweſen zu ſein, daß dieſe Umgebung für die Erziehung der Kinder die denkbar ungünſtigſte ſein mußte, denn Aeußerungen dieſer Art finden ſich erſt in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts.“) Als die ganze Anſtalt ſchon fertig war, bedachte man, daß es doch wohl nötig ſei, ſich zu dem Unternehmen die kurfürſtliche Be— ſtätigung einzuholen. Der Kurfürſt war über das eigenmächtige Vorgehen des Rates ungehalten, und am 18. April 1670 erging an den Rat der Befehl, zu berichten „auf weſſen Vorwiſſen und Verwilligung ſolcher Bau geſchehen, und die Fundation des Georgen- hauſes einzuſchicken“ [III A. 13]. Der Rat entſchuldigte ſich damit, 1) Fraglich ſchien es, ob nicht vielleicht das neue Georgenhaus von An⸗ fang an als Waiſenhaus geplant war, wie es der Name Zucht- und Watjen- haus vermuten ließe, und daß Irre erſt ſpäter aufgenommen wurden. Es waren jedoch erſt ſeit 1670 Waiſenkinder in der Anſtalt, denn erſt in dieſem Jahre erbaute man für den informator ein eigenes Zimmer, auch geſchah in dieſem Jahre der Umbau, wodurch die nötige Anzahl Räume frei wurden [R.]. Die Gründungstafel über dem Eingang, die aus dem Jahre 1668 ſtammt, weiß noch nichts von Findel⸗ oder Waiſenkindern, ſondern erwähnt nur Zücht⸗ linge und Geiſteskranke.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


