Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![daß es ſich hier um keine Neugründung handele, ſondern nur um die Weiterführung des Georgenhoſpitals, und was blieb auch ſchließ⸗ lich dem Kurfürſten weiter übrig, da es ſich um eine Anſtalt ge- gründet zum Wohle der Bürger handelte, als nachträglich den „Conſens“ zu erteilen [4. Nov. 1670. III A. 13]. In dem neuen Gebäude ſollte jedoch die Anſtalt nur kurze Zeit verweilen. Durch die Vielſeitigkeit der Ziele war der vorhandene Raum zu klein geworden, und eine Vergrößerung wurde zur Not— wendigkeit. Dazu kam, daß das Gebäude zur Aufbewahrung von Gefangenen nicht zweckentſprechend gebaut war. Die große Anzahl der Entwichenen mußte zur Verlegung des Zuchthauſes führen, das nicht mehr in der Vorſtadt gelegen fein durfte, wodurch Haupt- ſächlich das Entrinnen erleichtert wurde. Dies veranlaßte nach einem Platze innerhalb der Stadtmauer zu ſuchen. Der Hauptpunkt, an dem die beſten und wohlmeinendſten Entwürfe zu ſcheitern pflegen, nämlich die Geldfrage, wurde hier nicht zum unüberwindlichen Hinder— nis. Wir hatten ſchon erwähnt, daß die Anſtalt unter dem Ge— ſichtspunkte gegründet war, daß ſie ſich aus eigenen Mitteln erhalten ſollte, und dies war auch in den erſten Jahrzehnten ihres Beſtehens der Fall, ſo daß die Zinſen des Grundkapitals einen jährlichen Ueber— ſchuß ergaben [R.]. Man erwartete, daß auch weiterhin das Georgen— haus in dieſer Richtung ſich entwickeln würde und ſcheute deshalb nicht eine größere Ausgabe. Dazu kam, daß man den größten Teil der Koſten, die der Neubau verurſachen mußte, auf andere Weiſe decken konnte. Es war nämlich mit kurfürſtlicher Erlaubnis 1697 eine Lotterie eröffnet worden, deren Einnahmen zur Erbauung eines neuen Waiſenhauſes dienen ſollten [Vogel, Annalen]. Weiterhin hatte man unter den Leipziger Bürgern eine Sammlung veranſtaltet, zu der etwa 200 Bürger beigetragen hatten. Sogar von auswärts hatte man zugeſteuert, ſo der Kurfürſt von Sachſen (der außerdem das Bauholz unentgeltlich lieferte), die Stadt Freiberg, 20 Ham- burger Bürger u. a. m. Der Reſt der Baukoſten wurde von Rat und Stadtgerichten bezahlt. Die ſo zuſammengebrachte Summe belief ſich auf rund 10800 Taler [R.]. Dies alles war das Werk des Vorſtehers Georg Boſe, der mit unermüdlichem Eifer den Neubau betrieb. Er hatte ſelbſt den Plan zur Erbauung entworfen und den Bau geleitet [Vogel, Annalen 1700]. Es war ihm jedoch nicht vergönnt, die Vollendung ſeines Werkes zu erleben, da ihn der Tod am 23. VII. 1700 ereilte. Sein Nachfolger wurde der Ratsherr Johann Kregel, der den angefangenen Bau vollendete [R.]. Als Platz für das neue Gebäude war die Stelle auserſehen worden, wo die Nord- und die Oſtſeite der Stadtmauer ſich faſt rechtwinklig treffen. Urſprünglich hatte hier das Bernhardinerkloſter geſtanden, das 1522 erbaut nach Einführung der Reformation 1543 von Kurfürſt Moritz wieder abgebrochen worden war. Der Platz](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0028.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


