Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![wurde vom Rate angekauft und zu einem Zimmerhof umgeſtaltet. Hier hatte Hieronymus Lotter 1561—63 ein Kornhaus erbaut, an das ſich ein Reithaus anſchloß, das 1693 in ein Opernhaus um— gewandelt wurde. An Stelle dieſer Gebäude wurde das neue Georgenhaus aufgeführt, mit dem Eingang nach dem Brühl zu.“) Es war ein Barockbau und wurde durch die ſpäter im ſelben Stile angebauten Gebäude zu einem der ſchönſten Bauwerke der Stadt. Am 30. Sept. 1701 wurde das neue Haus bezogen von 24 Waifen- kindern, 13 Gefangenen und 2 Irren [III A. 14]. Die Einweihung der Gebäude bedeutet aber keineswegs den Abſchluß der baulichen Tätigkeit. 1702 wurde ein beſonderes Backhaus angebaut, erſt 1705 war das Quergebäude fertig, das die Kirche und die Manu— faktur aufnehmen ſollte [R.]. Dieſer Bau war durch einen Durch— gang geteilt und vier Stockwerke hoch. Die drei oberen Stockwerke wurden zu einem Raum mit zwei Galerien geſtaltet, in dem die gottesdienſtlichen Handlungen verrichtet werden ſollten. Die andere Hälfte wurde durch die Manufaktur eingenommen, in der diejenigen Inſaſſen Beſchäftigung fanden, die die anſtrengende Raſpelarbeit nicht leiſten konnten. Das Gebäude war geſchmückt durch einen Turm, in dem eine „Seigerglocke“ (d. i. eine Schlaguhr) eingebaut war, beides eine Stiftung des Vorſtehers Kregel. Die Koſten des Quergebäudes beliefen ſich auf 10000 Taler und wurden aus dem Hoſpitalvermögen beſtritten [R.. Das Georgenhaus wies nun bald einen raſchen Anſtieg auf. Schon ein Jahr nach der Ueberſiedlung hatte ſich die Zahl der Inſaſſen mehr als verdoppelt (1701 bei der Ueberſiedlung 39, 1702: 91 [III A. 210). Das alte Gebäude, das man im Innern umgebaut hatte, um es zu vermieten, mußte zur Unterbringung von Inſaſſen dienen. Es erhielt einen eigenen Hausvater und eine Hausmutter, die für die Verpflegung ſorgten, 2 Krankenwärterinnen, und 1716: 48 Inſaſſen. In dieſem Jahre ſiedelten dieſe ins Hauptgebäude über, das alte Georgenhaus wurde vermietet und 1765 vom Johannishoſpital übernommen [R.]. Mit dem Verkaufe des Gutes Eicha hatte das Georgenhoſpital den Weg verlaſſen, der den meiſten mittelalterlichen Anſtalten eigen iſt, die Einnahmen durch einen landwirtſchaftlichen Betrieb zu er— zielen. Hierfür trat als wirtſchaftliche Grundlage die Errichtung eines gewerblichen Betriebes. Bisher hatte man ſich darauf beſchränkt, durch Ausführung von Raſpelaufträgen die Unkoſten zu decken. Dieſe Entwicklung erreichte ihren Höhepunkt in dem 1705 erteilten kurfürſtlichen Privileg. Ein weiterer Schritt zu einer gewerblichen Grundlage bedeutete 1708 die Errichtung einer Strumpf— 1) Heute ſteht auf dem Platze die Allgemeine Deutſche Kreditanſtalt Brühl 77, Goetheſtr. 9.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0029.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


