Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![ee RO eee manufaktur, nachdem ſchon einzelne Verſuche dieſer Art voran⸗ gegangen waren, die jedoch zu keinem dauernden Ergebnis geführt hatten. Mit einem Pächter wurde vorläufig auf 5 Jahre ein Vertrag geſchloſſen, wonach ſich das Georgenhaus verpflichtete 10 erwachſene Knaben und 4 Frauen (Sträflinge) zu ſtellen. Dafür ſollte der Pächter jährlich 200 Taler zahlen. Anfangs waren die Ergebniſſe nicht die erwarteten, zumal der Pächter Schwierigkeiten machte, obwohl für gute Räume in dem 1705 erbauten Gebäude geſorgt worden war. Bald aber kam regeres Leben in die Manu⸗ faktur, als man begann die Waiſenkinder und die Gefangenen, die keine Raſpelarbeit verrichteten, hier zu beſchäftigen. Die Manufaktur bot gleichzeitig die Möglichkeit die Kinder, die man in keinem anderen Berufe unterbringen konnte, als Lehrlinge anzunehmen. Je mehr das Raſpeln zurückging und Arbeitskräfte frei wurden, deſto mehr vergrößerte man die Manufaktur. 1771/72 erweiterte ſie der Vorſteher Krappe zu einer Tuchmanufaktur [Leonhardi, Be⸗ ſchreibung der Stadt Leipzig], die unter Leitung von 2 Tuchknappen gröbere Tuche herſtellte. Die Vorarbeiten wurden gleichfalls im Georgenhaus erledigt, ebenſo das Färben. Abnehmer der Waren war in erſter Linie die Anſtalt ſelbſt, dann der Rat, der vor allem die Stadtknechte und die Sänftenträger mit dieſen Tuchen bekleidete. Die Leute, denen auch die Arbeit in der Manufaktur zu ſchwer fiel, werden beſchäftigt mit Federſchleißen (Abziehen des Federflaumes vom Kiel) oder mit Herſtellen von „Fußtapeten“ aus Pferdehaaren. Die raſch anwachſende Zahl der Inſaſſen bedingte eine aber— malige Vergrößerung der Anſtalt. 1725/26 erfolgte unter dem Vorſteher Caſpar Boſe der Bau eines neuen Seitengebäudes, deſſen Koſten (17367 Taler) faſt die Höhe der des Hauptgebäudes er— reichten und aus Hoſpitalmitteln beſtritten wurden [R.]. Hierbei erhielt vor allem der Barockeingang (vom Brühl aus) ſeinen künſt⸗ leriſchen Schmuck. Ueber dem Einfahrtstor ſtand ein von dem Bildhauer Herrmann in Dresden aus einem Stück hergeſtelltes Standbild, die Erlegung des Drachens durch den Ritter Georg darſtellend.!) Weiterhin war das Torgebäude geziert durch zwei Figuren, die die Liebe und die Strafe verſinnbildlichten. Bei ſpäteren Neubauten find dieſe, ſowie ein großes ſteinernes Ratswappen be- ſeitigt worden, nur das Standbild des Ritters St. Georg blieb dem Haus als Wahrzeichen bis zur Niederreißung des Gebäudes erhalten. Durch dieſen Bau waren weitere Aufnahmen von Inſaſſen III A. 21] ermöglicht. 1715 waren untergebracht 151 Perſonen, 1727 ſtieg die Zahl auf 226, u. z. 120 Waiſenkinder, 50 Arme und Irre, 40 Gefangene und einige Bettler. 1732—35 erfolgte ein ) Es iſt heute im ſtadtgeſchichtlichen Muſeum aufgeſtellt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


